Wenn Technik, Kreativität und Teamgeist Schule machen

Rinku Sharma und seine Techeroes veranstalten Hackathons für Jugendliche

„Der Übergang von der Schule in die berufliche Zukunft muss besser klappen.“ Darüber waren sich jüngst bei der Auftaktveranstaltung zur Bildungsallianz Hessen die beteiligten BVMW-Unternehmen einig. Es besteht Handlungsbedarf, um Praxis mit Schule zusammenzubringen und Kompetenzen zu fördern. Ausbildung müsste viel früher angegangen werden. Kinder und Jugendliche für Technik und Programmiersprachen zu begeistern, hat sich Rinku Sharma mit seinen Techeroes auf die Fahnen geschrieben. Er veranstaltet regelmäßig sogenannte Hackathons, bei denen die Kids spielerisch einerseits mit der Technik, andererseits aber auch mit wichtigen Features wie Präsentationstechniken und Projekt Management sowie den ganzen technischen und geschäftlichen Begrifflichkeiten vertraut gemacht werden. Wichtige Fähigkeiten für die Zukunft. Rund 60 hochmotivierte Siebtklässler der Kurt-Schumacher-Schule in Karben stellten Anfang April bei einem zweitägigen Hackathon der Techeroes eindrucksvoll unter Beweis, wie Technik, Kreativität und Teamgeist in Zukunft Schule machen können.

Was ist ein Hackathon?
Der Begriff „Hackathon“ kommt aus der Softwareentwicklung. Der Begriff verbindet die Wörter „Hack“ (was so viel wie „Trick“ oder „Kniff“ bedeutet) und „Marathon“ und bezeichnet ursprünglich eine Veranstaltung, bei der computerbegeisterte Menschen zusammenkommen, um gemeinsam in einem eng gesteckten Zeitraum kreative Softwarelösungen für ein festgelegtes Ausgangsproblem zu entwickeln.

Rinku Sharma und seine Techeroes stellen zuerst im Plenum Lösungsansätze für das Ausgangsproblem vor und bilden dann Teams um einzelne Ideen herum. Die Teams haben die Aufgabe, während der Veranstaltung möglichst funktionstüchtige Prototypen für neue Anwendungen, Apps, Dienste oder Hardware zu kreieren. Zum Schluss werden die Ergebnisse den Teilnehmenden präsentiert und die nützlichsten und innovativsten Lösungen von einer Jury gekürt.

Genauso spielte sich der zweitägige Hackathon ab, bei dem sechs Schulprojektgruppen zwei Tage lang innovative Ideen zum Thema „Wir wollen Karben nachhaltig verändern“ entwickelten. Am zweiten Tag präsentierten sie ihre Ergebnisse einer fünfköpfigen Jury. Die Schüler überlegten sich pfiffige Themen im Bereich Freizeit, Klimaschutz, Mobilität und nachhaltigem Konsumverhalten.

Im Team um die Ecke denken
Nachdem die ersten Grundkenntnisse in verschiedenen Programmiersprachen von den Techeroes vermittelt waren, ging’s los mit dem Erstellen einer App sowie einer Homepage, einem Logo, Texte und Bilder. Aber hier ging es um mehr als nur Idee und Technik. Kleine Start-ups sind nix für Einzelkämpfer. Schwarmwissen und Teamwork sind gefragt. Die Teams lernen sich zu organisieren, Aufgaben entsprechend der Fähigkeiten zu verteilen. Ein Hackathon bietet die Möglichkeit, hinter die Kulissen zu blicken, um die eigenen Stärken zu entdecken. Digitale Skills entwickeln heißt auch, verschiedene Ansätze zu verfolgen und zu verstehen, wie bestimmte Dinge funktionieren. Am Ende zählt Teamwork und das Ergebnis, das gemeinsam präsentiert wird. Drei Minuten sind kurz und können doch ganz schön lang werden, wenn man zum ersten Mal vor Publikum seine Idee vorstellen und der Jury Rede und Antwort stehen muss.

Ein gelungenes Beispiel geglückter Symbiose
Initiiert wurde das Projekt von der Stadt Karben zusammen mit der Kurt-Schumacher-Schule und der Schulsozialarbeit. Finanziert wurde es aus Bundesmitteln des Corona-Aufhol-Pakets. Die beiden Kooperationspartner verdienen großes Lob, mit diesem Projekt die Weichen für eine frühzeitige Nachwuchsförderung gestellt zu haben.

Die Jury
Bei diesem Hackathon setzte sich die Jury zusammen aus Karbens Bürgermeister Guido Rahn und der ersten Stadträtin Heike Liebel, der Journalistin und BVMW-Mitglied Annette Windus sowie den Schülern Mohamed und Nico. Bewertet wurde nach den Kriterien Innovativ, gesellschaftlicher Mehrwert, Präsentation und Kreativität. Die Jury hat sich die Entscheidung wirklich nicht leicht gemacht. Im Grunde hatten es alle verdient weiterzukommen. Letztlich war es ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Die Projekte
Team „NaiKa“ (Nachhaltig in Karben) hat eine App entwickelt für unverpackte und Bio-Angebote, vegane und vegetarische Gerichte in Karben. Der „Tauschomat“ ist selbsterklärend: „Nicht verschwenden – wieder verwenden“. „U-Vote“ will Hobby- und Freizeitprojekte auf einer Website bündeln. Die „Wild Card“ vergab Techeroes an „NPK“, die ein nachhaltiges Pfandsystem etablieren wollen. Diese drei bzw. vier Projekte werden im nächsten Schritt von 30 Jugendlichen innerhalb der Schule weiterentwickelt. Aber auch die anderen drei verdienen weitere Aufmerksamkeit. „Easy Hobby“ will Angebote von Vereinen und anderen Anbietern auf einer Website bündeln. „Bike & Point“ ist umweltfreundlich: Fahrt mehr Fahrrad und „ESP“ wirbt für E-Scooter mit Sensoren.

Solch ein Hackathon zeigt, wie Jugendliche „anspringen“, wenn man sie „abholt, wo sie stehen“. Wenn man ihre Sprache spricht, ihre Ideen ernst nimmt. Alle Kinder sollten in den Schulen so frühzeitig wie möglich ermutigt werden, auszuprobieren, was geht: Ideen entwickeln, Lösungsvorschläge mittels digitaler Technologien erarbeiten und umsetzen. Das ist der erste Schritt zum Unternehmertum. Nur so haben die jungen Menschen eine Chance, proaktiv ihre Zukunft gestalten.

„Mädchen schneiden sehr, sehr gut ab“
Rinku Sharma legt den Fokus auf die Förderung von Mädchen und Gruppen, die in der IT-Landschaft in Deutschland unterrepräsentiert sind. „Mädchen, insbesondere in solchen Formaten, schneiden sehr, sehr gut ab“, weiß Rinku aus Erfahrung zu berichten. Es geht darum, Lust auf IT und digitale Technologien zu wecken. Mit Hackathons an Schulen werden im Klassenverbund viele Mädchen erreicht.

Mein persönliches Fazit (AW): Mich hat fasziniert, wie hochmotiviert und begeisterungsfähig die Schüler waren, wie der Team-Spirit umgesetzt wurde und beim Voting alle mitgefiebert haben. Sie haben Ausdauer bewiesen und zwei Tage lang alles für ihr Projekt gegeben. So viel zum Thema intrinsische Motivation. Und ich kann es nur wärmstens empfehlen, sich eine solche Veranstaltung einmal persönlich anzuschauen. Oder besser noch, als Unternehmensvertreter in der Jury mitzuwirken und sich offen und neugierig auf die Generation Y einzulassen.


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(Text Annette Windus, Redaktionsbüro Wortschatz)