Profession Unternehmerin – zu Gast bei Olivia Bickerle

Doggiepack-Gründerin Olivia Bickerle stellt sich und ihre Hundefutter Manufaktur vor

Am 26. Mai fand die erste Präsenzveranstaltung seit Beginn der Corona-Zeitrechnung statt. In der Reihe "Profession Unternehmerin" stellte Olivia Bickerle ihre Hundefutter Manufaktur Doggiepack in Nidda-Ulfa vor.

Um den Hygienevorschriften Rechnung zu tragen, war die Veranstaltung auf zehn Teilnehmer begrenzt. Abstand halten und Maske tragen war gern praktizierte Pflicht, war es nach dreimonatiger Abstinenz doch schön, sich endlich wieder persönlich begegnen zu können.

Olivia Bickerle stellte den Gästen ihr Unternehmen vor. Sie erzählte ihre Gründungsgeschichte, berichtete von Meilensteinen und Highlights, aber auch von den Herausforderungen, die es als Unternehmerin zu meistern gilt. Beim anschließenden Rundgang durch die Produktionshalle gab sie einen umfassenden Einblick in die komplexe Praxis der Hundefutterherstellung.

Vor fünf Jahren gründete sie Doggiepack und startete im Januar 2016 in den Räumlichkeiten einer früheren Landmetzgerei. Als die Räume am alten Standort zu klein wurden, erfolgte 2019 der Umzug nach Nidda-Ulfa. In der einstigen Alten Molkerei, in der zuletzt die Metzgerei Bach ihr Geschäft betrieb, fand die Hundefutter Manufaktur eine neue Heimat mit ausreichend Platz. Hier wird nun frisches Hundefutter unter den gleichen hygienischen Bedingungen gefertigt wie in der Herstellung von Lebensmitteln. Mit dem Ortswechsel musste auch die Zulassung für Fleischproduktion neu beantragt werden. „Das bedeutete viel Bürokratie, die sich seit dem Wilke-Skandal und nun noch Corona verschärft hat“, berichtet die Gründerin.

Schon lange befasst sich die Marketingfrau und Tierheilpraktikerin mit dem Thema biologisch artgerechte Rohfütterung – kurz BARF. Das bedeutet frische Ernährung ohne künstliche Zusätze und Fleisch aus der Region. Doggiepack verwendet nur Fleisch aus artgerechter Tierhaltung von regionalen Zulieferern.

Das kleine, aber feine Unternehmen ist frauengeführt. Olivia Bickerle bezeichnet sich als die linke Herzhälfte. Zu ihrem Team gehören vier Frauen und zwei Männer, die sich unter anderem um Herstellung, Verpackung und Kommissionierung kümmern. Elena Reuhl ist Kollegin der ersten Stunde und quasi die rechte Herzhälfte. André Erfurt kann und macht alles, aber nur fair und nachhaltig. Ajmal Paryani ist der Tempogeber und Ilona Christoph die Seele der Produktion. Karin Kalunka ist die Herrin der Hygiene und Ordnung. Nicole Schlöffel hilft gerade über Corona-Personalengpässe hinweg. Olivia Bickerle kann auf ihre Mitarbeiter zählen, das ist in einem kleinen Team sehr wichtig.

Sie machte am Anfang schnell die Erfahrung, dass Frauen in der Fleischbranche häufig nicht ernst genommen werden. Zudem war es schwierig, Fleisch aus der Region zu bekommen. Die Metzger waren skeptisch und hatten zunächst kein Interesse. Doch Beharrlichkeit zahlt sich aus. Und so hat sie in den letzten fünf Jahren viel erreicht. Seit August 2019 schreibt sie die schwarze Null. Mit Corona sieht sie sich jedoch vor weitere Herausforderungen gestellt. Ihren Werksverkauf hat sie zurzeit vorsorglich geschlossen, um die eigene Produktion nicht zu gefährden. Zwar musste sie als systemrelevantes Unternehmen nicht schließen, doch die Rohstoffbeschaffung und die Versendung der Ware stellte sie vor neue Probleme.

Doggiepack ist Mitglied im Verbund „Faire Unternehmen Wetterau“, eine Initiative des BVMW Wetterau. Gelebte Wertschätzung gegenüber Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten ist Olivia Bickerle genauso wichtig wie der persönliche Kontakt zu ihrem festen Kundenstamm.

Schwerpunkt Onlinehandel
Doggiepack beliefert nicht nur Endverbraucher, sondern auch inhabergeführte Supermärkte und den Fachhandel. Der Fokus liegt auf den Komplett BARF-Menüs, die liebevoll per Hand zubereitet, frisch abgefüllt und gefrostet werden, damit alle Vitamine bestmöglich erhalten bleiben. Das Fleisch wird roh zubereitet und nach dem BARF-Prinzip mit frischem Obst, Gemüse, Kräutern und Öl ergänzt. Ein besonderes Augenmerk gilt der purinarmen Ernährung; für Hunde, die beispielsweise nierenkrank oder von Leishmaniose betroffen sind. Naturbelassene, unbehandelte Kauartikel und Hundekekse, die in der Bäckerei der EVIM-Behindertenhilfe hergestellt werden, sind der Renner.

Oliva Bickerle: „Wir wollen wachsen, uns entwickeln, aber kein Großunternehmen werden!“
Wegen Corona muss Olivia Bickerle ein Herzensprojekt leider vorerst auf Eis legen. Der Plan, einen Behinderten-Arbeitsplatz über die Behindertenhilfe Wetterau im Unternehmen einzurichten, musste erst einmal zurückgestellt werden. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Crowdfunding-Kampagne
Oberste Priorität ist zurzeit, die Manufaktur und somit Arbeitsplätze und regionale Lieferketten zu erhalten. Frisches Hundefutter von Doggiepack aus fairer und nachhaltiger Produktion in und aus Hessen soll es auch noch nach Corona geben. Damit dies gelingen kann, hat Olivia Bickerle eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. Denn auch Doggiepack ist von Umsatzeinbrüchen und anderen kostenintensiven Engpässen betroffen. Für ein junges Unternehmen ist es schwer, die nötigen Kredite für schnelle Maßnahmen zu bekommen. Wer Doggiepack unterstützen möchte, das Fundingziel von 25.000 Euro zu erreichen, kann dies noch bis zum 26. Juni bei Startnext: https://www.startnext.com/doggiepack-hundefutter-corona tun. Jeder Euro zählt! Das Doggiepack-Team freut sich über jeden einzelnen Unterstützer.

„Glücklich sein mit dem, was man tut“ – Olivia Bickerle ist Unternehmerin mit Leib und Seele.

Mehr Info über Doggiepack Hundefutter: https://www.doggiepack-hundefutter.de/

 

(Text: Annette Windus, Redaktionsbüro Wortschatz)


 

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