Corona-Gespräche

Im Mai habe ich alle von mir betreuten Mitglieder angerufen. Ich wollte wissen, ob sie gesund geblieben sind, wie sie die Krise erlebt haben, welche Auswirkungen es aufs Geschäft, aber auch auf die Arbeitsabläufe gab und natürlich...

... mit welcher Haltung sie jetzt in die Zukunft gehen.

 

Hier ist mein Fazit:


Homeoffice:
Es war nicht überall einfach einen Homeoffice Arbeitsplatz einzurichten. Es war oft genug technisch herausfordernd, obwohl viele dachten, gut aufgestellt zu sein. Es galt sichere Verbindungen zu gewährleisten, manchmal musste ein neuer Laptop angeschafft werden, weil es zu Hause nur einen gab, den die Familien nutzte. Viele Chefs und Mitarbeiter merkten, dass es tatsächlich auch geht, von zu Hause aus zu arbeiten, trotz Homeschooling und anderen Widrigkeiten. Bei Videokonferenzen bekommt man auch das eine oder andere private mit. Wenn Kinder zum Beispiel „mal die Kollegen sehen“ wollten. Ein Unternehmer erzählte mir, ein Mitarbeiter wolle jetzt nur noch von zu Hause aus arbeiten.

Interessant war für mich der Aspekt, dass ein Immobilienmakler sagte, der Gewerbeimmobilienmarkt werde mindestens stagnieren, wenn nicht sogar einbrechen., da die Unternehmen gemerkt haben, dass es auch mit weniger Büroraum geht. Ganze Anbauvorhaben werden in Frage gestellt, wenn die Arbeit im Büro anderes organsiert wird.


Führung:
Führen auf Entfernung war und ist ein Thema. „Wie kann ich den Kontakt halten“, wurde ich gefragt. Der Chef geht morgens normalerweise von Zimmer zu Zimmer und begrüße alle mit Handschlag. Nun gibt es ein Fresh up am Morgen, nur 5 Minuten Videokonferenz, um alle zu begrüßen. Manchmal entstanden neue Rituale zum Beispiel mit einem „Bier um 4“, kurz den Tag Revue passieren lassen und sich einen „Guten Abend“ wünschen. Das schaffte Nähe in der Distanz.


Organisation:
Produzierende Unternehmen schafften 2 oder 3 Teams, die immer zusammenarbeiteten, damit nicht komplett geschlossen werden musste, wenn es einen Coronafall geben sollte. Bei nicht vermeidbaren Geschäftstermine musste großer Aufwand getrieben werden. Nicht jeder hat große Sitzungsräume. Deswegen waren manche Meetings hybrid: ein Teil war physisch vor Ort ein anderer virtuell dazu geschaltet.


Hilfsprogramme:
Alle fühlten sich gut informiert vom BVMW, aber auch von der Handwerkskammer. Für die Landingpage und die Online-Veranstaltungen BVMW gab es von allen Seiten großes Lob. Von „tolle, umfassende Info“, über „jedes Online-Meeting war eine große Hilfe“, bis „1000 Dank für die Wahnsinns Unterstützung“ war alles dabei. Das freut mich sehr. Auch ich habe festgestellt, dass dieser Verband zu seiner Hochform aufgelaufen ist. Immer wenn ich Infos „von Berlin“ brauchte bekam ich die wirklich sofort!

Steuerberater und Anwälte berichteten, dass sie endlich mal wirklich beraten konnten. Einige Unternehmen haben ihre Kanzlei gewechselt, da sie sich nicht gut beraten fühlten, was Hilfsprogramme und Kredite betrifft.

Die Banken haben sehr unterschiedlich reagiert. Manche brauchen Wochen, bis eine Finanzierung auch nur angedacht ist, diese haben nun mindestens einen Kunden weniger, denn einige Unternehmer haben sich eine neue Hausbank gesucht.


Geschäftliches:
Es gab sofort einen großen Einbruch in der Veranstaltungs-, Tourismus- und Gastrobranche. Diese Unternehmer waren echt gefordert. Aber, mein Eindruck ist, sie liefen zur Hochform auf. Entweder gab es andere Geschäftsbereiche, die ausgebaut wurden, oder alte Kontakte, die hilfreich waren. Alle, wirklich alle gehen optimistisch in die Zukunft. Das ist Mittelstand. Nicht (lange) jammern, Ärmel hochkrempeln und los. Eine Unternehmerin sagte: „Es ist auch schön, mal so richtig herausgefordert zu werden, ich kann jetzt meinen ganzen Talenten freien Lauf lassen.“

Projekte wurden verschoben, aber nicht storniert. In bestimmten Branchen ist Neukunden-Akquise schwierig, weil die Unternehmen erst mal Liquidität sichern müssen und lieber weniger ausgeben und abwarten.

Aber dann kommt auch diese Stimme: „Bisher stimmt meine Prognose, der China-Markt erholt sich langsam, wir werden es schaffen.“

Baken reagieren sehr, sehr unterschiedlich auf Hilfsprogramme, manche rauchen Wochen. Einige Unternehmer haben sich eine neue Hausbank gesucht. Es kommt auf den jeweiligen Ansprechpartner vor Ort an.


Alles in allem habe ich ein gutes Gefühl für die Zukunft. Vieles wird sich ändern, aber ein Unternehmer sagte: „Corona ist eine Horizonterweiterung, wir haben völlig neue Konzepte der Zusammenarbeit intern und mit unseren Kunden entwickelt.“ Mir ist nicht bange um diese Mittelständler.



 

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