Was ist zu beachten bei der Anpassung von Mehrwertsteuersätzen?

Nachdem es durch alle Medien gegangen ist und nun bereits der zweite Entwurf des BMF Schreibens vorliegt, möchten wir Sie gerne vorab informieren, was bislang geplant ist und wie dies in der Praxis umgesetzt werden soll.

Der Bundestag und der Bundesrat werden dies (voraussichtlich 29. Juni im Rahmen einer Sondersitzung) wohl wie kommuniziert verabschieden. Sollte wider Erwarten eine Zustimmung entfallen, ist die nachfolgende Auflistung bzw. Handlungsempfehlung nicht anzuwenden! Für weitere Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.
 

A) Grundsätzliches

  1. In der Zeit vom 1. Juli 2020 bis zum 31.12.2020 sind sämtliche Rechnungen mit Umsatzsteuersätzen von 16% (vormals 19%) bzw 5% (vormals 7%) zu stellen und dementsprechend die Umsatzsteuer einzubehalten und abzuführen. Nach dem Stichtag sind sämtliche Rechnungen wieder mit Ihren vorherigen Steuersätzen zu stellen.
  2. Achtung: Gastronomen müssen demnächst trennen: Getränkeverkäufe sind mit 16% zu besteuern und Speisenverkäufe mit 5% (gilt für im Haus und außer Haus).
  3. Für die Umsatzsteuer kommt es nur auf den Zeitpunkt der Leistungserbringung an. Wurde folglich die Leistung bis zum 30.06.2020 erbracht, ist auf der Rechnung 19% Umsatzsteuer auszuweisen. Wurde die Leistung in der Zeit vom z.B. 30.06. – bis 01.07.2020 erbracht, ist auf der Rechnung 16% Umsatzsteuer auszuweisen (da die Leistung erst am 01.07.2020 fertiggestellt wurde). Nachtschichten von Taxen oder Gastronomen dürfen bereits am 30. Juni 16 % bzw. 5% MwSt auf ihren Rechnungen ausweisen.
  4. Bitte nehmen Sie rasch Kontakt zum Hersteller Ihrer Kasse bzw. Rechnungsschreibungsprogramms auf und spielen Sie die laufenden Updates ein, damit die MwSt Senkung von der technischen Seite her korrekt abgebildet wird. Wir empfehlen hierzu für die Buchhaltung andere Erlöskonten zu hinterlegen als bislang, damit 19%- und 16%ige Umsätze nicht vermischt werden und eine Abstimmung erschweren.
  5. Bei Umtausch/Retouren von Gegenständen wird der ursprgl. Verkauf rückgängig gemacht, womit 19% Umsatzsteuer zu erstatten ist (Bezogen auf Verkäufe vor dem 1. Juli 2020).
  6. Gemäß einem angepassten BMF Schreiben vom 23.06.2020 hat sich noch brandneu folgendes ergeben: Sollte eine Rechnung in einer Unternehmerkette (Unternehmer stellt Rechnung an anderen Unternehmer) mit zu hohem Ausweis gestellt werden und der empfangende Unternehmer dadurch zuviel Vorsteuer erhalten haben, wird es bis zum 31. Juli 2020 nicht beanstandet (Ein Monats-Nichtbeanstandungsregel). Dadurch bekommen Unternehmer einen Monat mehr Zeit ihre Systeme umzustellen. Danach ist jedoch auf die richtige Höhe zu achten, da sonst der Vorsteuerabzug beim empfangenden Unternehmer nur auf 16% beschränkt wird und dieser eine Rechnungskorrektur verlangen wird/sollte).
  7. Umsatzsteueranmeldeformulare werden nicht angepasst, es wird darauf verwiesen dass Umsätze „zu anderen Steuersätzen“ eingetragen werden. Eine Trennung zwischen Regelsteuersatz 16% und ermäßigtem Steuersatz zu 5% erfolgt dann nicht mehr.

 

B) Sonderfall: Dauerrechnung

  1. Sofern eine vertragliche Verpflichtung zur Stellung einer Dauerrechnung (z.B. im Falle von USt-Pflichtigen Mietverhältnissen) besteht, ist für den Zeitraum vom 01.07. – 31.12.2020 eine Dauerrechnung über 16% USt auszustellen. Gleiches gilt auch für Verträge, in denen die notwendigen Rechnungsangaben genannt sind.

 

Weitere Sonderfälle existieren im Bereich der Anzahlungs- und Abschlagsrechnungen, Leergutrücknahme und Gutscheine, welche jedoch einer einzelnen Beratung durch einen Steuerberater unterzogen werden sollten.

Fazit: Nach Rücksprache mit Mandanten verschiedenster Branchen haben wir als Tenor wahrgenommen, dass teilweise die Senkung an den Endverbraucher weitergegeben wird. Das Konjunkturpaket wirkt damit aus unserer Sicht dennoch um die Wirtschaft zu stützen: Sofern die Senkung weitergegeben wird, profitieren Verbraucher von einem Nachlass. Wenn die Senkung nicht weitergegeben wird, erhält der Unternehmer 3% mehr Gewinn, welcher die verlorenen Umsätze durch den Lockdown abfedert. Wir erwarten voller Spannung, wie groß der „Wumms“ aus diesem Paket war, wenn nächstes Jahr der Kassensturz erfolgt.

 

Für weitere Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

BSU Steuer Union Linkmann GmbH & Co. KG
Steuerberatungsgesellschaft
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