"Make Europe digital again" oder "Wer hat Angst vor Big Brother?"

Lebendiger Austausch und praktische Hinweise für die neue Datenschutz-Grundverordnung

Datenschutzbehörde als Partner – Nichtstun ist die schlechteste Strategie bei der DSGVO

Nur ein Bruchteil aller Unternehmen sind auf die Datenschutzgrundverordnung, die am 25. Mai in Kraft tritt, ausreichend vorbereitet: Beim Rostocker Business Brunch Digitalisierung von BVMW und Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit am 19. April von 9 bis 14 Uhr im Technologiezentrum Warnemünde erfuhren 80 Mittelständler, wie sie diese Herausforderung angehen und in ihren Unternehmensalltag integrieren können.

Nur 13% aller Unternehmen in Deutschland sind laut einer Umfrage des Online-Marketing-Spezialisten absolit in Kooperatin mit dem eco-Verband der Internetwirtschaft auf die neuen Datenschutzregeln vorbereitet, gut ein Viertel hat mit der Anpassung noch nicht einmal begonnen. Dies nahm Patrick Meinhardt (Leiter Politik der Bundeszentrale des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft BVMW) zum Anlass, die mangelhafte Unterstützung der Unternehmen seitens der Politik zu verdeutlichen: Anstelle eines Digitalisierungsministeriums gäbe es über 400 zuständige Referenten und ein einmaliges Kompetenzwirrwar. Zudem war die deutsche Bundesregierung überaus gründlich bei der Umsetzung der EU-Richtlinie – dort war ein Datenschutzbeauftragter zwingend ab 250 Mitarbeitern vorgeschrieben, in Deutschland nun ohne Grund schon ab 10.

Heinz Müller (Landesdatenschutzbeauftragter für M-V) lud die Unternehmer ein, seine Behörde mehr als Partner denn als Kontrolleur zu sehen. Sicherlich werde man in schweren und wiederholten Verstößen Geldstrafen verhängen. Gemeinsam Ziel sei es aber, das Datenschutzniveau in den Unternehmen zu verbessern, auf Probleme hinzuweisen und auch soweit möglich Unterstützung anzubieten.

Harald Birkholz (IT-Sicherheitspezialist, Commpact GmbH) zeigte Grundvoraussetzungen der IT-Sicherheit auf: Wenn in einer Arztpraxis jeder den Monitor einfach drehen und sensible Gesundheitsdaten ablesen könne, helfe auch kein teures und komplexes Datenmanagement. Sofortmaßnahmen seien einfach und günstig einzusetzen, wie grundlegende Smartphone-Verschlüsselung und z.B. ein Transponder, der bei Verlassen des Raumes den Bildschirm sperre.

Marion Janke (Rechtsanwältin für Medien-, Urheber- und IT-Recht) erklärte, Abmahnungen drohten nicht so sehr von der Behörde, sondern eher von Konkurrenten, Abmahnvereinen und z.B. ehemaligen Mitarbeitern. Das Dringendste sei eine aktualisierte Datenschutzerklärung auf der Homepage, die den aktuellen Umgang mit Personendaten widerspiegele. Die schlechteste Strategie sei, die Augen zu verschließen. Sie beantwortete auch viele Detailfragen im Umgang mit sozialen Messengern wie WhatsApp und die korrekte Nutzung von Mail-Newslettern (doppeltes Opt-In-Verfahren) – Transparenz (offenlegen, was man tut) und Kommunikation (fragen, ob ein bestimmtes Vorgehen in Ordnung ist) seien hier die zentralen Anforderungen.

Axel Keller (Externer Datenschutzbeauftragter und Rechtsanwalt, ECOVIS Grieger Mallison) ermunterte, die Datenverarbeitung wie ein Qualitätsmanagement zu handhaben: Die eigenen Prozesse verstehen, dokumentieren, und regelmäßig anzupassen. Die Dokumentationspflichten würden auch dem Unternehmer helfen, Zuständigkeiten klar zu definieren. Ansonsten sei oft der einfachste und beste Ratgeber, sich selber zu fragen, welchen Umgang mit Personendaten man sich als Kunde oder Partner seines eigenen Unternehmens wünsche.

Die Diskussionen waren sehr lebendig – auch durch das interaktive Veranstaltungstool Tweedback, das zur Anwendung kam. Praktisch und konkret: wie können Unternehmen den Herausforderungen gerecht werden, ohne Panik zu schüren. 80 Mittelständler und Selbständige verließen des Rostocker Business Brunch Digitalisierung nach fünf Stunden mit viel Überblickswissen im Gepäck, und waren froh, am Morgen bei strahlendem Wetter doch nicht an die Ostsee, sondern ins Technologiezentrum Warnemünde gefahren zu sein, um sich einem trockenen Thema auf lebendige Art und Weise zu widmen (wie uns auch durch die Live-Evaluation direkt nach der Veranstaltung bestätigt wurde, die Ergebnisse teilen wir gerne.)

Bei Interesse und Unterstützung zu diesem Thema oder Digitalisierung des Mittelstands steht Tobias Döppe (BVMW Rostock, Moderator der Veranstaltung, tobias.doeppe@bvmw.de ) mit den DIGITALISIERUNGSLOTSEN , einem regionalen Kompetenzteam, gerne zur Verfügung. Hier können auch die Präsentationen der Veranstaltung angefordert werden.