Russland braucht Europas Milch nicht mehr

Russland war bis 2014 auf Milch-Importe aus Europa angewiesen. Das hat sich geändert. Die Milchproduktion des Landes soll im laufenden Jahr weiter anziehen.

Agrosila-Moloko Molkerei in Nabereschnyje Tschelny, Tatarstan. April 2021 / Foto: IMAGO / ITAR-TASS (Yegor Aleyev)

 

Nach Einschätzung des russischen Landwirtschaftsministeriums dürfte die diesjährige Erzeugung mindestens 32,6 Millionen Tonnen Milch erreichen. Das wären 1,2 Prozent mehr als im Vorjahr und das größte Volumen seit elf Jahren. Das Ministerium begründet seine optimistische Einschätzung unter anderem mit gutem Futter, der Einführung innovativer Haltungstechnologien und der intensiveren Nutzung des genetischen Potenzials der Herden. Bereits im vergangenen Jahr wurde mit einer Milchproduktion von 32,2 Millionen Tonnen ein Zehnjahreshoch erreicht.

Verantwortlich dafür waren umfangreiche staatliche Investitionsprogramme, die das Ziel hatten, das Land unabhängig von Importen zu machen. Das ist den Russen zwar noch nicht ganz gelungen, doch das Wachstum setzt sich weiter fort. So wurden die staatlichen Fördergelder für die Milchindustrie für 2020 auf 36,2 Milliarden Rubel (knapp 400 Millionen Euro) beziffert. Im laufenden Jahr sollen dafür schätzungsweise 33,3 Milliarden Rubel (über 360 Millionen Euro) zur Verfügung stehen. Den russischen Selbstversorgungsgrad sieht das Ministerium für 2021 bei 86 Prozent.

Zukünftig so zudem deutlich mehr Milch ins Ausland geliefert werden. Offiziellen Statistiken zufolge exportierte Russland 2020 bereits 846.000 Tonnen Milchprodukte im Wert von 377 Millionen US-Dollar. Das waren 20 Prozent mehr als 2019. Und auch für das laufende Jahr werden Steigerungen von bis zu 25 Prozent angestrebt.

 

Dieser Artikel ist erstmals in der Ausgabe 09-2021 des e-Magazines RusslandInsider erschienen.