Unternehmertreffen zum Thema "Digitalisierung"

Im Kontext der Digitalisierung ist für mittelständische Unternehmen neben den entsprechenden Rahmenbedingungen Orientierung durch Information und Motivation unerlässlich. Die Unternehmen brauchen Beispiele an denen sie sich orientieren können. Von an...

„Nicht reden, machen! Das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Berlin"  lautete der Vortrag von Marilyn Repp von der BVMW-Bundeszentrale. Sie berichtete über die Arbeit des Mittelstand 4.-Kompetenzzentrums Berlin „gemeinsam digital“, das vom BVMW geleitet wird. Dabei informierte sie über die Schwerpunkte der Digitalisierung, die im digitalen Marketing, digitalen Personalwesen und Organisation, den Wertschöpfungsprozessen 4.0 und den digitalen Geschäftsmodellen bestehen. Auf diesen Gebieten werden vom Kompetenzzentrum Veranstaltungen durchgeführt und Handlungshilfen, wie Flyer, Checklisten, Rezepte, Best Practice Beispiele, Newsletter, Blogbeiträge und Kurzfilme, angeboten. Von besonderer Bedeutung sind angebotene Workshops, in der die Design-Thinking-Methode demonstriert wird. Sie ist praxisnah und anwendungsorientiert, kreativitätsfördernd, durch eindeutige Vorgaben und Templates klar strukturiert und liefert schnelle Ergebnisse. Schließlich ging sie auf realisierte Umsetzungsprojekte ein. Sie informierte, dass sich Unternehmen für eine Unterstützung im Rahmen eines derartigen Umsetzungsprojektes anmelden können.

Anja Huth, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bernburg, sprach zum Thema „Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeitswelt - Herausforderung für Unternehmen und Beschäftigte“
Bezüglich des allgemein befürchteten Arbeitsplatzabbaus erläuterte sie, dass man anders als in Amerika in Deutschland davon ausgeht, dass wir durch die Digitalisierung der Arbeitswelt in Zukunft nicht weniger Arbeitsplätze haben werden. Es fallen zwar Arbeitsplätze in gewissen Segmenten weg, dafür kommen aber viele neue hinzu - als eine Umschichtung. Dennoch werden die Einschnitte gravierend sein.
Es wird starke Veränderungen in der Beschäftigungsstruktur geben. Arbeitskräftebewegungen zwischen den Branchen und Berufen, bis hin zum Wegfall von Berufen. Anstelle von praktischen und physischen werden immer mehr kognitive und soziale Fähigkeiten für hoch komplexe und Spezialtätigkeiten verlangt werden, die Studium oder Meisterausbildung erfordern.
Verlieren werden fachliche Berufe und Helfertätigkeiten ausgebildeter Fachkräfte und Menschen ohne Ausbildung sein. Konkret betrifft das Arbeitnehmer in der Anlagensteuerung und -wartung im Metallbau, Anlagenbau, Gießerei, Elektrotechnik, Elektromaschinentechnik, Naturstein- und Mineralaufbereitung, Blechkonstruktion und Installation sowie im Büro- und kaufmännischen Bereich. Die großen Gewinner dagegen sind die Gesundheitsberufe. „Daher werden mit der Digitalisierung auch ganz klar die Frauen gewinnen, Männer werden es schwerer haben.“ Abgehängt werden Menschen, die sich die nötigen Computerfähigkeiten nicht mehr aneignen können.
Aber da Sachsen-Anhalt ein Industriestandort ist, „geht man hier von einem extremen Wegfall an Arbeitsplätzen aus“, so Anja Huth. Im Salzlandkreis noch mehr. Denn hier ist der Dienstleistungssektor viel weniger ausgeprägt als in großen Städten des Landes. „In diesem Sinne müssen wir schon jetzt unseren Nachwuchs in die Richtung der zukünftig gefragten Berufe orientieren“. Und es wird die Weiterbildung eine Kernanforderung an die Beschäftigten sein.

Dem folgte Thomas Lohr von der Hochschule Harz mit dem Vortrag "Digitalisierung konkret - Möglichkeiten der Realisierung von Digitalisierungslösungen, dargestellt an Praxisbeispielen".
Zu Beginn stellte Herr Lohr die Hochschule Harz vor und ging dabei insbesondere auf das Kompetenznetzwerk für Angewandte und Transferorientierte Forschung (KAT) ein.
Als gemeinschaftliches Bindeglied zwischen den Hochschulen des Landes Sachsen-Anhalt und der regionalen Wirtschaft und Gesellschaft widme sich das Netzwerk insbesondere folgenden Aufgabenbereichen:  Wissens- und Technologietransfer, Personaltransfer und –austausch sowie Weiterbildung.
Die Zusammenarbeit der Wirtschaft mit den Hochschulen sei möglich über gemeinsame F&E-Projekte mit Fördermitteln, Auftragsprojekte ( F&E-Projekte, Dienstleistungen und Schulungsangebote) sowie über studentische Arbeiten.
Forschungsgrundlage bilden dabei 42 Labore der Hochschule Harz, die in Kooperation mit der regionalen Wirtschaft eine Reihe erfolgreicher FuE-Projekte auf dem Gebiet der Digitalisierung umgesetzt haben.
Als Beispiele nannte er
die Entwicklung von Bauteilen der optischen Aufbau- und Verbindungstechnik im Labor für Optische Datenübertragung, LED-Technik (Lichtlabor), ein kettenloses Elektrofahrrad, Automatisierungslösungen von Anlagen (Industrieroboter), die Entwicklung von autonomen Multiagentensystemen (künstliche Intelligenz), die Messung von Lichtreflexionen, den Bau von Inspektionsroboter für Windkraftanlagen, die Entwicklung sicherer Datenübertragung in und zwischen Unternehmen (Netzwerklabor), die Entwicklung eines Flugroboters, der produktive Einsatz von Datenbrillen, digitale Stifte in der Wunddokumentation, gesicherte interaktive IPTV-Anwendungen, die Entwicklung von effizienten autarken Beleuchtungseinrichtungen für Baustellen und abgelegene Bushaltestellen oder GPS-Tracking zur Kundenzufriedenheitsanalyse in touristischen Einrichtungen.

Der Vortrag von Harald Fiedler, CEO der CAVORIT Consulting GmbH, Berlin, lautete "Datenvisualisierung im Unternehmenskontext".
Er ging davon aus, dass oftmals Daten vorliegen, aber man nicht weiß, was damit zu tun ist. Sein Unternehmen  könne helfen, diese Daten erfolgreich für das Unternehmen zu nutzen. Mehr noch, sich auf das Zeitalter der Daten richtig aufzustellen. Die Schritte im Umgang mit Daten seien dabei Sammeln, Reflektieren und Handeln. Und mit der Datenvisualisierung  kann erreicht werden, dass  „normale“ Mitarbeiter die Zahlen in – und auswendig kennen. So könne eine große Sparkasse auf der Basis einer Stärken-Schwächen-Analyse der Mitarbeiter jeden Mitarbeiter innerhalb von einem Tag zu einem Datenexperten im Umgang mit Grafiken entwickeln. Das Ganze Reporting wurde von Excel auf Grafiken umgestellt, wodurch die Mitarbeiter die Daten beherrschten und unternehmerisch denken und handeln konnten.