Starke Frauen – Starker Mittelstand: Christina von Frankenberg, EcoEmbassy

Interview mit
Christina von Frankenberg

EcoEmbassy

 

Wie sind Sie dazu gekommen, Unternehmerin zu werden?

Offen gesprochen: Hätte man mich vor einigen Jahren gefragt, ob ich mir vorstellen könne, ein Unternehmen zu gründen, hätte ich wahrscheinlich gelacht und den Kopf geschüttelt. Weil ich kein „Unternehmerinnen-Typ” bin, dachte ich damals. Falsch gedacht, kann ich heute sagen. Ich habe große Freude daran, mich mit den unterschiedlichsten Fragestellungen des Unternehmertums auseinanderzusetzen.

Mit der Gründung der EcoEmbassy habe ich mein Herzensthema zum Beruf gemacht: Nachhaltigkeit. Ich möchte einen Beitrag zu einer guten Zukunft leisten. Oft habe ich während der ersten 16 Jahre meiner beruflichen Laufbahn mit dem Gedanken gespielt, einen Job in einem Sozialunternehmen anzunehmen. Aber irgendetwas sprach immer dagegen. Dann kam die Idee, es speziell kleinen und mittleren Unternehmen so leicht wie möglich zu machen, Nachhaltigkeit in ihrer Organisation zu integrieren – und das mit einer ganz bestimmten Kombination aus Leistungen, die speziell auf KMU zugeschnitten sind. Das wollte ich machen. Nur das. Und dann hieß es für mich: Machen. Gründen. Netzwerken. Springen.

Wenn Sie in der Zeit zurückgehen könnten, würden Sie denselben Weg nochmal gehen?  Oder würden Sie etwas anders machen?

Die Entscheidung, meinem Herzensthema beruflich eine Chance zu geben, war das Beste, was ich mir selbst in meiner bisherigen Laufbahn ermöglichen konnte. Nach 16 Jahren auf dem klassischen Karriereweg nun meine Ideen auf meine ganz eigene Art auf den Weg zu bringen - das entspricht der Art von Freiheit, in der ich mich wirklich entfalten kann. Deswegen würde ich diese Entscheidung definitiv wieder treffen. Würde ich rückblickend etwas anders machen? Ich würde meinen unternehmerischen Weg früher gemeinsam mit einem persönlichen und auch fachlichen Sparringspartner gehen, um meine Ideen und Entscheidungen aus einer anderen Perspektive zu reflektieren. Das finde ich unheimlich hilfreich.

Welche Entscheidung würden Sie für sich als die Wegweisendste bezeichnen oder auch die, aus der Sie am meisten gelernt haben?

Persönlich hat mich sicherlich die frühe Entscheidung geprägt, nicht meinem Wunsch-Karriereweg zu folgen, sondern an der Seite meiner an Krebs erkrankten Mutter zu bleiben. Rückblickend bin ich glücklich über diese Entscheidung, denn nach elf Jahren habe ich mich mit dem Gefühl verabschiedet, alles gegeben zu haben. Und heute gebe ich alles für meine Familie und mein Unternehmen - das ist mein Weg.

Als Gründerin habe ich das Gefühl kennengelernt, wenn man erkennt, dass die ursprüngliche Geschäftsidee so (noch) nicht umzusetzen ist – ein Schreckmoment. An diesem Punkt war ich ein halbes Jahr nach der Gründung. Hier aber zu sehen, dass man eine Idee auch ergänzen und verändern kann und sie nicht gänzlich verwerfen muss, das war das größte Learning in diesem Prozess. Mutig die Richtung zu wechseln und sich neu auszurichten war die richtige Entscheidung. Heute sind wir in dem Gesamtkonzept viel weiter, scheuen uns aber nicht vor Veränderung und Weiterentwicklung.

Womit beschäftigen Sie sich derzeit besonders intensiv? (Bspw. Digitalisierung etc.)

Ich persönlich beschäftige mich derzeit vor allem mit der Frage, wie die EcoEmbassy in zweierlei Hinsicht wachsen kann. Zum einen wollen wir remote von überall auf der Welt arbeiten können. Entsprechend müssen die Strukturen und Prozesse geschaffen werden. Zum anderen möchten wir bestmöglich ein familienfreundliches Unternehmen aufbauen. Hier bin ich derzeit selbst die Blaupause, da ich einen einjährigen Sohn habe. Diesen Spagat hinzubekommen, hat natürlich seine Herausforderungen. Es kostet Kraft, aber ich will es möglich machen. Für mich und für meine zukünftigen Mitarbeitenden.

Welche Botschaft möchten Sie anderen UnternehmerInnen mitgeben?

Es ist unheimlich wichtig zu wissen, dass Sie nicht jeden Schritt alleine gehen müssen. Austausch und Sparring sind enorme Kraft- und Inspirationsquellen, die Sie regelmäßig nutzen sollten. Auch die eigenen Erfahrungen an andere weiterzugeben, empfinde ich als ausgesprochen bereichernd. Es ist ein Geben und Nehmen. Und für all das benötigen Sie ein gutes Netzwerk, das auch über Jahre wachsen darf. Mein Netzwerk hilft mir, und durch mein Netzwerk kann ich anderen helfen. Einen wesentlichen Teil der eigenen Zeit also für den Aufbau und die Pflege der Kontakte zu verwenden, ist eine der besten Investitionen überhaupt.

Was schätzen Sie am Verband Der Mittelstand. BVMW besonders?

Der BVMW bietet ein sehr großes und vielfältiges Veranstaltungsangebot und ein tolles Netzwerk, das immer wieder die Möglichkeit gibt, sich auszutauschen. Zusätzlich haben wir hier in Ingolstadt vor Ort einen großartigen Ansprechpartner, der uns proaktiv unterstützt und viele gute Ideen hat. Das macht das Netzwerk für mich besonders nahbar.

weitere Ideen? Gibt es noch ein Thema, welches Sie gern einbringen möchten?

Ich war zwölf Jahre alt, als ich nach einem Schlüsselerlebnis beschloss, die Welt ein Stückchen besser zu machen. 30 Jahre später habe ich diese Mission zu meinem Beruf gemacht. Ich möchte die Mitglieder des BVMW dafür so gerne begeistern und ökologische und auch soziale Nachhaltigkeit in ihren Unternehmen zum Standard machen. Der große Mehrwert, der daraus für die Unternehmen, aber auch für jeden persönlich entsteht, wird ihnen Schritt für Schritt bewusst werden. Genau wie die Wertschätzung, die sie von ihren internen und externen Stakeholdern bekommen werden. Ich kann daher nur appellieren: Gehen Sie es an, für eine gute Zukunft!

 

Über Christina von Frankenberg

Jahrgang: 1979
Abschluss: Diplom-Kauffrau (Universität Regensburg und Helsinki)
Selbstständig seit: 2020

Über das Unternehmen

Name des Unternehmens: EcoEmbassy
Gründungsjahr: 2020
Branche: Nachhaltigkeitsberatung für KMU
Firmensitz: Ingolstadt, Bayern
Mitarbeiter:innen: 2

www.ecoembassy.de