claudia bose

Interview mit
Claudia Bose

Gründerin der CBO Business Consulting – Claudia Bose


DER Mittelstand.: Wie sind Sie dazu gekommen, Unternehmerin zu werden?
So ca. 2009 hatte ich das Gefühl, meine klassische Unternehmenskarriere hat ihren Höhepunkt erreicht und ich bin an die sprichwörtliche „gläserne Decke“ gestoßen. Da ich berufsbegleitend und nicht an einer Hochschule oder Universität studiert hatte, fiel ich durch einige Karriereraster. Mich störte zunehmend, dass es immer weniger um Kund*innen, Produkte oder Mitarbeitende ging, sondern ganz häufig um Machtpositionierung und persönliche Vorteile. Heute weiß ich, dass ich einfach keine guten Vorbilder und/oder Förderer/innen hatte.

Da ich noch nicht richtig wusste, wohin mein eigenständiger Weg mich führen sollte, habe ich noch einmal eine Stelle in einem Unternehmen angenommen. Dort wurde mir richtig bewusst, welche Stärken ich habe und was ich tatsächlich erreichen und bewegen kann. Da das nicht in das Konzept des Unternehmens passte, wurde mir noch in der Probezeit gekündigt. Das hatte ich noch nie erlebt. Ein Schock, der mich wachgerüttelt und mir klar gemacht hat, dass ich für meine Art des Umgangs mit Kund*innen und Mitarbeitenden mein eigenes Konzept entwickeln und meinen eigenen Weg gehen muss.

Ich beantragte Gründungszuschuss, startete eine Weiterbildung als Business Coach, war jeden Abend auf irgendeinem Netzwerktreffen unterwegs, saugte alles auf und startete am 31. Januar 2011 in meine erste Beauftragung als freiberufliche Unternehmensberaterin. Damals mit Schwerpunkt Kundenbeziehungsmanagement / Customer Care Center.

DER Mittelstand.: Wenn Sie in der Zeit zurückgehen könnten, würden Sie den selben Weg nochmal gehen? Oder würden Sie etwas anders machen?
Jede Entscheidung, die ich auf meinem Weg getroffen habe, war in diesem Moment das Bestmögliche, was ich mit meinem Wissensstand und mit meiner Erfahrung zu diesem Zeitpunkt tun konnte, Insofern, was hätte ich anders machen sollen? Letztendlich waren die Ängste, Sorgen und Bedenken immer größer als sie hätten sein müssen. Aber das realisiert man ja immer erst im Nachgang. Ich war immer besser und weitsichtiger als ich damals gedacht habe. Mehr Mut auch gegen vermutlich „erfahrenere“ Stimmen und einen stärkeren Glaube an meine eigene Kraft und Erfahrung würde ich meinem jüngeren Ich heute mit auf den Weg geben.

DER Mittelstand.: Welche Entscheidung würden Sie für sich als die Wegweisendste bezeichnen oder auch die, aus der Sie am meisten gelernt haben?
Eine solche Reise zu mir selbst und so viele Erfahrungen wie in den letzten 10 Jahren habe ich wohl in den 20 Jahren davor nicht gemacht. Ich habe mich schon immer für unternehmerische Zusammenhänge und die Zusammenarbeit mit den unterschiedlichsten Menschen begeistert. Insofern waren die Ausbildung zum zertifizierten Business Coach und die intensive Beschäftigung mit NLP in den letzten Jahren Meilensteine für mich, die meinen Blick auf mich und meine Mitmenschen grundlegend verändert und geschärft haben.

Ich bin nie stehengeblieben und habe mich immer wieder selbst hinterfragt. Ich habe mein Herzensprojekt – eine Agentur für Musikmanagement und -booking – zugunsten der stärkeren unternehmerischen Entwicklung meiner Beratungsagentur aufgegeben. Irgendwann ist es wichtig, sich wirklich zu fokussieren. Ich habe nach einigen Jahren als Beraterin im Konzernumfeld gemerkt, dass mir der menschliche Mehrwert fehlt und ganz bewusst begonnen, mich auf kleinere und mittelständische Unternehmen zu konzentrieren, weil ich hier viel intensiver an Entwicklungen und Veränderungen beteiligt sein kann.

Vor zwei Jahren habe ich eine ganze Zeit auf Bali verbracht und gemerkt, dass qualitativ hochwertige Arbeit auch ortsunabhängig möglich ist. Dort habe ich Menschen und ganz andere Unternehmer*innen-Persönlichkeiten kennengelernt, wozu ich in Deutschland in der Form nie eine Chance gehabt hätte.

Dieser Aufenthalt hat mir klar gemacht, dass es so viele unglaublich großartige und vielschichtige Frauen mit unbändiger Energie und Willen zur Veränderung gibt. Nach dieser Reise war für mich klar war, ich will und ich werde Unternehmerinnen dabei unterstützen, sich ihren Platz zu sichern. Ihre Ideen von Unternehmensführung so präsent zu machen, wie es endlich an der Zeit ist und sie dabei unterstützen, ihre Unternehmen nicht nur mit Know-How und Erfahrung, sondern auch mit Herz und Weiblichkeit groß zu machen. Unsere Zeit ist jetzt.

DER Mittelstand.: Womit beschäftigen Sie sich derzeit besonders intensiv? (Bspw. Digitalisierung etc.)
Digitalisierung ist ein sehr gutes Stichwort, allerdings ist es mir auch ein Anliegen, dass Digitalisierung nicht bei der Implementierung eines Online-Shops oder dem Aufbau einer Online-Community endet. Ich bin in den letzten Jahren vor allem im produzierenden Mittelstand unterwegs und der Grad der Digitalisierung ist teilweise erschreckend. Einzelne Bereiche erkennen ihre jeweiligen Bedarfe sehr gut und haben auch ein großes Interesse daran, hier Digitalisierung voranzutreiben. Leider fehlt es ganz oft an entsprechenden Führungspersönlichkeiten, die den Überblick über das große Ganze haben und das Silo-Denken der einzelnen Bereiche aufheben. Eine der größten Kostenfaktoren unserer heutigen Zeit sind zerpflückte Prozesse mit unsauberen System- und Workflow-Schnittstellen und der fehlenden Vision von einer reaktiven Kundenbetreuung in eine proaktive Kundenentwicklung zu kommen.

Und ich bin überzeugt davon, dass Unternehmensberatung nur mit integriertem Coaching nachhaltig erfolgreich ist. Deshalb findet bei mir jede Prozessanalyse und Workflow-Optimierung nur mit begleitender Teamarbeit und der ganz intensiven Einbindung der Führungskräfte in Visionsarbeit und Leadership-Entwicklung statt. Ich glaube, das ist meine größte Stärke – dass ich diese beiden Bereiche verbinden kann. Und auch nicht mehr bereit bin, weniger zuzulassen.

DER Mittelstand.: Welche Botschaft möchten Sie anderen UnternehmerInnen mitgeben?
Frage dich immer wieder, warum du eigentlich eines Tages mit deinem Unternehmen gestartet bist. Was hat dich damals angetrieben? Spürst du dieses Gefühl noch? Wenn nicht, dann mache eine Pause und verschaffe dir Klarheit. Gute Führung beginnt immer erst bei mir selbst. Erst wenn ich mir selbst über meine Motive, Werte, Führungsprinzipien, Ziele und Visionen klar bin, kann ich diese an andere transportieren und mein Team wirklich mitnehmen.

DER Mittelstand.: Was schätzen Sie am Verband Der Mittelstand. BVMW besonders?
Der Mittelstand sind das Herz und der Motor unserer Wirtschaft und der BVMW ist die starke Stimme dieses Motors. Es ist großartig, dass nun auch vermehrt Formate für Unternehmerinnen und weibliche Führungskräfte angeboten werden.

Hier kann der BVMW ruhig noch mutiger und wir Unternehmerinnen auch lauter werden. Ich glaube, der Mittelstand hat eine kräftige Stimme, aber wir sollten uns noch mehr der Startup Szene und auch ungewöhnlicheren Unternehmer*innen und ihren Konzepten zuwenden. Einige sind ernstzunehmende Player, die wir nicht aus dem Blick verlieren sollten. Wir können gegenseitig viel voneinander lernen.

Infos zur Person

Claudia Bose, Jahrgang 1973, staatlich geprüfte Betriebswirtin, zertifizierte Business Coach und NLP Master
BAFA zertifiziert und zertifizierte Prozessberaterin für „unternehmensWert:Mensch“ und „Offensive Mittelstand“
Prozess- und Organisationsentwicklerin, mit Schwerpunkten in CRM und Kundenservice
Business Coach für Team – und Führungskräfteentwicklung

Infos zum Unternehmen

CBO Business Consulting – Claudia Bose
Freiberuflich tätig seit Januar 2011

https://claudiabose.de

https://cbo-consulting.de