porträt von elisabeth schloten

Interview mit
Elisabeth Schloten

Gründerin & Geschäftsführerin
ECBM GmbH


DER Mittelstand.: Wie sind Sie dazu gekommen, Unternehmerin zu werden?

Mich hat es schon immer fasziniert, zu gestalten, anzupacken, zu verändern. Ich bin Diplom-Betriebswirtin, mit dem Schwerpunkt Wirtschaftsinformatik. Mein Studium habe ich mir finanziert, indem ich Programmieren gelernt und Webseiten programmiert habe – damals konnte das noch nicht jeder. Diese Kombination ist mein Schwerpunkt geblieben: Ich habe sehr oft in meiner Karriere die Schnittstellenfunktion zwischen den kaufmännischen, technischen und strategischen Themen gehabt, und das ist bis heute so.

Je mehr ich mich in meiner Konzernkarriere mit dem Internet of Things und verwandten Technologien beschäftigt habe, desto mehr hat sich mein Eindruck verstärkt, mit einem kleinen, agilen Unternehmen effektiver die Digitalisierung vorantreiben zu können als in einem großen Konzern – vor allem bei den Firmen, die sich selbst keine riesigen Innovationsabteilungen leisten können. Das war die Geburtsstunde von ECBM. 2017 habe ich gegründet und es keine Sekunde bereut. Besonders das letzte Jahr hat mich darin nochmals bestärkt und mir deutlich gemacht, dass die eigene Firma eine richtige und gute Entscheidung war: dieser Zusammenhalt im Team, dieses füreinander Dasein, dieses große Vertrauen und diese Wahnsinns-Loyalität, die ich im letzten Jahr bis heute erleben durfte, macht mich dankbar und glücklich (trotz aller unternehmerischen Herausforderungen, die diese Zeit uns abverlangt). Das Gestalten der eigenen Firmenkultur ist ein Riesen-Bonus im eigenen Unternehmen.

DER Mittelstand.: Wenn Sie in der Zeit zurückgehen könnten, würden Sie denselben Weg nochmal gehen? Oder würden Sie etwas anders machen?

Ein ganz klares Ja für den Weg an sich. Ich habe nie eine bessere berufliche Entscheidung für mich getroffen als die Gründung der ECBM. Auch der Zeitpunkt der Gründung war für mich goldrichtig, weil ich in meinen vergangenen Positionen viel gelernt habe, was ich z.B. frisch nach der Uni noch nicht gewusst hätte. Mitarbeiterführung, eine Vorstellung von einer guten Unternehmenskultur, praktische Erfahrung, Unternehmenspolitik bei Kunden, das Wissen, wie zuverlässig und ausfallsicher Technologie sein muss, um in der Produktion einsetzbar zu sein und vieles mehr – diese Dinge lernt man nicht im Studium. Unternehmerin und Gründerin sein heißt natürlich auch, jeden Tag dazu zu lernen. Es heißt, vieles richtig und vieles falsch zu machen. Der Unterschied zwischen Unternehmertum und Angestellten-Verhältnis ist, dass man seine Fehler vollständig selbst ausbaden muss und es weder Netz noch doppelten Boden gibt.

DER Mittelstand.: Welche Entscheidung würden Sie für sich als die Wegweisendste bezeichnen oder auch die, aus der Sie am meisten gelernt haben?

Ich lerne immer noch – jeden Tag. Als Frau, Mutter, Chefin, Unternehmerin. Daher kann ich gar nicht sagen, welche Entscheidung mich am meisten beeinflusst hat oder aus welcher ich am meisten gelernt habe. Das Wunderbare ist doch die tägliche Inspiration, die ich aus den unterschiedlichsten Quellen ziehe: das kann mein Umfeld sein, eine neue Herausforderung oder auch ein Problem, das wie überall natürlich auch bei uns das eine oder andere Mal auftaucht. Hat man dann ein Team, wie ich es hier habe, dann kann man sicher sein, dass man alles bewegen und vor allem lösen kann. Auch meine Familie ist hier ein ganz wesentlicher Faktor, der mir hilft, der mich inspiriert, mit dem ich Freude, aber auch Leidvolles teilen kann.

DER Mittelstand.: Womit beschäftigen Sie sich derzeit besonders intensiv?

Grundsätzlich geht es bei all unseren Projekten um den praktischen Nutzen der Digitalisierung; dabei konzentrieren wir uns auf Themen wie das IoT, die vorausschauende Wartung oder die Smart City. Im Vordergrund steht, wie das Internet of Things Effizienz und Ressourcenschonung vorantreiben und so große Beiträge zu sowohl Kostenreduktion als auch (nicht nur ökologischer) Nachhaltigkeit leisten kann. Mich treibt immer besonders um, wie wir UnternehmerInnen, die schon lange z.B. in der Produktion tätig sind, erläutern, welche Vorteile sie von den Methoden und Technologien haben, die hinter Modebegriffen wie Predictive Maintenance oder IoT stecken. Alle sollten die Vorteile dieser Technologien und Methoden nutzen können, nicht nur Großkonzerne und Startups. Dafür bin ich mit ECBM angetreten. Veränderung, Akzeptanz von neuem Wissen, das fällt nicht leicht – ist aber extrem wichtig für langfristige Wettbewerbsfähigkeit.

DER Mittelstand.: Welche Botschaft möchten Sie anderen UnternehmerInnen mitgeben?

Seid mutig, neugierig und offen für neue Ideen. Nehmt Hilfe an, wenn ihr sie braucht, und helft, wenn ihr könnt. Gemeinsam können wir Großes bewegen.

DER Mittelstand.: Was schätzen Sie am Verband Der Mittelstand. BVMW besonders?

Im Verband gefällt mir besonders die Vielfalt der hier organisierten Unternehmen und damit die Vielfalt der Themen, die zur Sprache kommen. Außerdem ist es schön, sich auf Augenhöhe auszutauschen und dabei feststellen zu können: Wir alle kochen nur mit Wasser.

DER Mittelstand.: Gibt es noch ein Thema, welches Sie gern einbringen möchten?

Ich hatte eingangs schon erwähnt, wie sehr dieses Pandemie-Jahr mir gezeigt hat, dass ich mit diesem Team und dieser Familie mit allem fertig werden kann. Warum? Weil wir füreinander da sind. Sowohl zuhause als auch in der Firma. Weil wir offen miteinander über Probleme sprechen. Wenn eine*r nicht mehr weiterweiß, hilft jemand anderes. Miteinander – einer unserer Werte. In 2020 und 2021 wichtiger denn je. Ich muss, genau wie alle anderen auch, offen mit Schwächen umgehen. Dann baut mich entweder meine Familie oder mein Team wieder auf. Ich bin fehlbar, manchmal schwach und nie perfekt. Wenn ich stark bin, baue ich die anderen wieder auf. Wenn ich schwach bin, tun sie das mit mir. Für mich ist das eine der wichtigsten Erkenntnisse aus der Pandemie.

Infos zur Person

Elisabeth Schloten ist seit 2017 Gründerin und Geschäftsführerin der ECBM GmbH. Mit ECBM steht sie dafür, Digitalisierung so voranzutreiben, dass Unternehmen und ihre Mitarbeiter echte Vorteile davon haben. Ob Internet der Dinge oder Digitaler Arbeitsplatz, ECBM liefert von Strategie und Business Case bis zur technischen Umsetzung das gesamte Projekt. Die Firma ist inzwischen auf 25 Mitarbeiter angewachsen.

Vor der Unternehmensgründung war Elisabeth Schloten sehr erfolgreich bei Top Management Firmen wie McKinsey und internationalen Konzernen wie Procter & Gamble und Vodafone im In- und Ausland tätig. Ihre letzte Konzern-Position war Prokuristin und Bereichsleiterin Partnervertrieb für Vodafone Deutschland. Elisabeth Schloten hat zwei Kinder, 9 und 10 Jahre alt, und geht in ihrer Freizeit gerne laufen.

Infos zum Unternehmen

Die ECBM (Enterprise Connected Business Models), 2017 von Elisabeth Schloten gegründet, hat sich auf digitale Lösungen spezialisiert und ist angetreten, die Digitalisierung voranzutreiben. Ob Internet der Dinge oder digitaler Arbeitsplatz –  ECBM bedient von der Strategie über den Business Case bis hin zur technischen Umsetzung das gesamte Projekt. Das Unternehmen beschäftigt heute 25 Mitarbeiter. Zu den größten Kunden gehören die Enervie-Gruppe und die Infraserv.