Portrait Eva Krotwaart

Interview mit
Eva Krotwaart

Geschäftsführerin Haustechnik Henry Burmester GmbH

 

DER Mittelstand.: Wie sind Sie dazu gekommen, Unternehmerin zu werden?

Mein Weg war alles andere als gradlinig!

Ich wurde zwar als Tochter der Firmeninhaber  im Jahr der Unternehmensgründung 1970  geboren, genau 3 Monate später – am Tag der Arbeit -  und wuchs mit dem Unternehmen auf. Aber weder meine Eltern noch ich kamen auf den Gedanken, dass ich als Mädchen in die Fußstapfen meiner Eltern im Heizungsbau und Sanitär-Gewerk treten würde.  Mein Bruder sollte es richten.

Ich studierte BWL und begann meine Karriere bei einem großen, erfolgreichen Personaldienstleister in Deutschland. Dort entwickelte ich mich in 22 Jahren bis ins mittlere Management mit diversen, spannenden Führungs- und Fachverantwortungen in der Linie und in der Matrix. Als mein Bruder sich beruflich völlig neu orientierte, bewarb ich mich 2016 um die Stelle als Geschäftsführerin mit „allem drum und dran“ und begann nach den Übergabearbeiten im alten Job und den Einstiegsarbeiten in die neue Aufgabe im Januar 2018, zunächst als Assistentin der Geschäftsleitung, um mich einzuarbeiten.

Mit einem Rucksack voller Führungserfahrung, Personalwissen, Vertriebs- und Managementkenntnissen machte ich mich, unterstützt von der Geschäftsführung,  allen Kolleginnen und Kollegen, ans Werk. Ich stellte sehr schnell fest, dass im Handwerk sehr vieles anders läuft und ich mir eine völlig neue Welt erschließen musste. Manches war verwirrend und manches vertraut.

Der Wechsel von der  Dienstleistung zum Handwerk, von Konzernstrukturen zum Mittelstand war tatsächlich eine Herausforderung. Ab Januar 2019 vollzog ich den Wechsel in die Geschäftsführung und wurde gleichzeitig Mit-Inhaberin einer zusätzlich neu gegründeten GmbH. In beiden Unternehmen verantworte ich die kaufmännische Leitung mit zusätzlichem Schwerpunkt auf die Mitarbeitergewinnung und Mitarbeiterbindung.

DER Mittelstand.: Wenn Sie in der Zeit zurückgehen könnten, würden Sie denselben Weg nochmal so gehen? Oder würden Sie etwas anders machen ?

Im nachhinein würde ich mir als Jugendliche die Frage stellen, ob ich eine gewerbliche Ausbildung als Anlagenmechaniker SHK als Grundlage  gemacht hätte. Gerade im Kundendienst können Frauen im Handwerk sehr gute Arbeit leisten und ihre Talente einbringen. Anschließend hätte ich meinen Meister machen können und heute ein tieferes Verständnis von der Arbeit unserer Kolleginnen und Kollegen in der Planung/Projektleitung, Montage und im Kundendienst.

Dieser Gedanke war mir in den 80er Jahren völlig fremd. Auf der anderen Seite haben mir Abitur und mein BWL-Studium sowie die Arbeit bei Deutschlands größtem Personaldienstleister in mindestens 10 verschiedenen Verantwortungsbereichen mit tollen KollegInnen im In- und Ausland  eine breite Grundbildung und spannende Erfahrungen ermöglicht, auf die ich auch nicht verzichten möchte.

DER Mittelstand.: Welche Entscheidung auf Ihrem Weg zur Führungskraft würden sie als die wegweisendste bezeichnen oder auch die, aus der Sie persönlich am meisten gelernt haben.

Die nachhaltigste Entscheidung war die Entwicklung von dem Status einer „Angestellten“ zur Geschäftsführerin und Mit-Inhaberin. Diese Entscheidung trifft man ohne „Wenn und Aber“! Gerade in der Gründungsphase unserer GmbH in Koblenz im Jahr 2019 lernte ich die Bürokratie-Mühlen in Deutschland gleichermaßen schätzen wie auch fürchten. Aber auch in einem etablierten Unternehmen ist die Geschäftsführung für eine sehr große Bandbreite an Themen verantwortlich. In diesem Zusammenhang sind wir im Frühjahr 2018 auch Mitglied im BVMW geworden, da wir das starke Netzwerk und die sehr gute Betreuung schätzen gelernt hatten.

DER Mittelstand.: Womit beschäftigen Sie sich als Geschäftsführerin derzeit besonders intensiv ?

Ein essentielles Thema ist die kontinuierliche Gewinnung von Fachkräften und die Erhöhung der Mitarbeiterzufriedenheit. Jedes Jahr gehen bei uns geschätzte Kollegen in den Ruhestand, die wir ersetzen möchten und zusätzlich wollen wir uns verstärken. Für die Gewinnung neuer Kolleginnen und Kollegen bereiten wir aktuell eine Social Media Kampagne vor: unsere Kampagnenfilme sind gedreht und befinden sich zum Teil noch im Schnitt. Viele unserer Kolleginnen und Kollegen haben hier mitgemacht und wir hatten viel Spaß mit dem Film-Team. Wir freuen uns schon sehr auf den Start-Schuss. Um die Mitarbeiter noch mehr zu begeistern und zu binden, haben wir nach einjähriger Projektarbeit unsere Lohnstruktur zur Erhöhung der Zufriedenheit komplett auf neue Füße gestellt.  

DER Mittelstand.: Gibt es eine Erfahrung als Frau an der Spitze, die Sie teilen möchten?

Zusammen ist man stärker! Deshalb suche ich immer den Austausch mit meinen internen Kolleginnen und Kollegen sowie mit Netzwerkpartnerinnen und –partnern. Oftmals erhält man einen Tipp – oder falls nicht, merkt man zumindest, dass man nicht alleine mit den Herausforderungen ist. Deshalb ist die CORONA-Zeit für mich als Netzwerk-Fan wirklich eine zusätzliche Herausforderung. Mir fehlen Fachvorträge, Fachmessen und persönlicher Netzwerkaustausch wirklich sehr.

DER Mittelstand.: Welche Botschaft möchten Sie anderen (derzeitigen und zukünftigen) weiblichen Führungskräften mitgeben ?

Es ist wichtig auch einmal innezuhalten und Erfolge – kleine und auch grosse  - zu feiern. 

DER Mittelstand.: Was schätzen Sie am Verband Der Mittelstand.BVMW besonders ?

Mir gefallen besonders die Netzwerktreffen und der kurz Draht zu unserer regionalen Ansprechpartnerin, Frau Walenta.  Der Austausch macht Spaß und bringt mich weiter. Wir haben auch schon wichtige Geschäftspartner vom BVMW empfohlen bekommen, mit denen wir bereits mehrere Jahre vertrauensvoll zusammen arbeiten.

DER Mittelstand.: Gibt es weitere Ideen, ein Thema, welches Sie noch einbringen möchten ?

Ich bin der Meinung, dass unsere Gründlichkeit in Deutschland in Richtung Bürokratisierung, wie zum Beispiel beim Datenschutz,  teils seltsame Blüten treibt und die Prozesse für die Unternehmen unnötig verteuert. Mittelständische Unternehmen sind hier sehr stark gefordert, da sie sich keinen administrativen Überbau leisten können.

Infos zur Person

Eva Krotwaart wurde am 01. Mai 1970 in Bendorf/Rhein geboren. Die studierte Dipl. Betriebswirtin (FH) ist verheiratet und Mutter von Zwillingen (geboren 2003 in München). Zudem ist Eva Krotwaart begeisterte Gärtnerin und Netzwerkerin.

 

Infos zum Unternehmen

Haustechnik Henry Burmester GmbH, Neuwied. 42 Mitarbeiter/Innen.

Schwerpunkt: Fertighausbau, Massivhausbau und Kundendienst im Bereich Sanitär und Heizung. Elektroabteilung im Aufbau (Kleinreparaturen, Wallbox-Installationen). Einsatzgebiet: NRW, Rheinland-Pfalz, Hessen,

www.haustechnik-burmester.de