Portrait Michaela Görls

Interview mit
Michaela Görls

Gründerin und Geschäftsführerin der Conventus Congressmanagement & Marketing GmbH

 

DER Mittelstand.: Wie sind Sie dazu gekommen, Unternehmerin zu werden?

In meinem Job als Veranstaltungs- und Marketingchefin in Tagungshotels hatte ich über viele Jahre Berufserfahrung gesammelt. Dabei habe ich den Bedarf der Dienstleistung eines PCO (Professional Congress Organizer) in unserer Universitätsstadt Jena erkannt. Durch mein betriebswirtschaftliches Studium zudem „vorbelastet“, fühlte ich mich gut aufgestellt und war neugierig genug, um den Schritt in die Selbständigkeit zu gehen. Als Mutter von drei Kindern war ich dennoch vorsichtig. Zunächst hatte ich ein Konzept für eine Kongressabteilung im Hotel erarbeitet, um dann zwei Jahre später mit umfänglicher Unterstützung meines damaligen Direktors den Neuanfang zu wagen. Meine Familie war in alle Entscheidungen involviert und stand zu jeder Zeit hinter mir.

DER Mittelstand.: Wenn Sie in der Zeit zurückgehen könnten, würden Sie denselben Weg nochmal gehen? Oder würden Sie etwas anders machen?

Conventus ist 21 Jahre alt. Ich genieße das besondere Glück, dass alle meine Kinder und Schwiegerkinder im Unternehmen sind und dass viele Mitarbeiter*innen schon lange und eng mit mir zusammenarbeiten. Insofern: Meine Familie ist Conventus! Allerdings sind 160 Mitarbeiter*innen auch eine große Verantwortung. Immer allen gerecht zu werden, ist nahezu ein Ding der Unmöglichkeit. Gerade heute, in einer Welt der Work-Live-Balance, des Work-Live-Blendings, der Digitalisierung, der sozialen Medien und nicht zuletzt von Corona, fällt der Personalarbeit und den strukturellen Unternehmensanpassungen allergrößte Bedeutung zu. Ja, ich würde den Weg wieder gehen, aber genau in dieser Hinsicht vielleicht auch einiges anders, zügiger und mit mehr Konzentration und Manpower umsetzen.  

DER Mittelstand.: Welche Entscheidung würden Sie für sich als die Wegweisendste bezeichnen oder auch als die, aus der Sie am meisten gelernt haben?

Wegweisend für uns war es, aus den bekannten Agenturszenarien auszubrechen. Aus der Erkenntnis heraus, dass jeder Mensch besondere Fähigkeiten, Fertigkeiten und Lebensumstände aufweist, haben wir entsprechend Spezialwissen um einzelne Prozesse der Projektarbeit gefördert, Abteilungen gegründet, haben kontinuierlich Einstellungen vorgenommen und in Automatisierung investiert. All diese Entwicklungen waren überlebensnotwendig, um die pandemische Situation der letzten 15 Monate zu meistern. Bereits im Juni 2020 haben wir unsere erste eigene digitale Kongressplattform zur Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie sehr erfolgreich zum Einsatz gebracht. Mit dem Anspruch, Kongresse in ihrem Ablauf soweit wie möglich virtuell abzubilden, haben wir Conventus in der Krise neu erfunden und inzwischen eine Vielzahl großer Veranstaltungen digital umgesetzt.

DER Mittelstand.: Womit beschäftigen Sie sich derzeit besonders intensiv?

Digitalisierung und Automatisierung sind derzeit wohl die umfänglichsten Herausforderungen. Dies trifft die effiziente Gestaltung der Projektprozesse und, in Zeiten von Corona, darüber hinaus die digitale Ausrichtung nationaler und internationaler Kongresse. Nicht zu unterschätzen sind auch die Riesensprünge im Bereich neuer Officeanwendungen, flexible Arbeitsplätze, Homeoffice, neue Apps, IP-Telefonie… Dennoch bleibt unsere zentrale Kernaufgabe die Realisierung von medizinischen und naturwissenschaftlichen Veranstaltungen. Organisation und Kommunikation per Telefon und Exceltabelle sind jedoch nicht mehr zeitgemäß. Technische Affinität im Projektmanagement ist unabdingbar. Die Auswahl passender Tools, die stringente Verbindung von Einzellösungen, Restrukturierung von Datenablagen, Sicherstellung von Informationsflüssen - diese „losen Enden“ optimal zu verbinden und die Mitarbeiter*innen zu weiterzubilden, beschäftigt uns derzeit besonders intensiv.     

DER Mittelstand.: Welche Botschaft möchten Sie anderen Unternehmer*innen mitgeben?

Dem Zeitgeist zu folgen! Das heißt: Mitarbeiter*innen zuhören, neuen Arbeitszeitmodellen eine Chance geben, Vertrauen statt Kontrolle, Aufgeschlossenheit statt Enge, Homeoffice statt pure Anwesenheitspflicht. Dass das gut funktionieren kann, sehen wir auch daran, dass bei Conventus viele Frauen in Führungspositionen agieren.

Infos zur Person

 

Michaela Görls

Jahrgang 1959

drei Kinder

Gründerin und Geschäftsführerin der Conventus Congressmanagement & Marketing GmbH, Carl-Pulfrich-Straße 1, 07745 Jena

Infos zum Unternehmen

Conventus ist einer der führenden PCO in Deutschland. Derzeit rund 160 Angestellte arbeiten an der Organisation und Umsetzung primär medizinischer und naturwissenschaftlicher Kongresse. Die Gesellschaft hat ihren Sitz in Jena.

www.conventus.de