Raffaella Carli

Interview mit
Raffaella Carli

Gründerin Capo d’Istria events & room design

 

DER Mittelstand.: Wie sind Sie dazu gekommen, Unternehmerin zu werden?

In einem kreativen familiären Umfeld aufgewachsen - und damit musisch stark geprägt - war es mein größter Wunsch, Modedesign zu studieren. Schließlich siegte jedoch Kopf über Herz: Ich wählte den „sicheren Weg“ und wurde Wirtschaftskorrespondentin. Diese Ausbildung ermöglichte es mir, auf meinem beruflichen Weg verschiedene Branchen kennenzulernen. Ich konnte Erfahrungen in der Pharma- und Bauindustrie sowie in der Medizintechnik Branche und im Finanzsektor sammeln.

Als Assistentin der Geschäftsleitung arbeitete ich eng mit der Unternehmensführung zusammen und konnte Entscheidungsprozesse hautnah miterleben. In meiner späteren Tätigkeit als Event Managerin entwarf ich Vermarktungskonzepte für den Verkauf von Veranstaltungsräumen und konnte diese über viele Jahre zu einer zusätzlichen stabilen und erfolgreichen Einnahmequelle für meinen Arbeitgeber weiterentwickeln und etablieren. Die Location wurde zweimal für den Location Award nominiert und belegte schließlich den 2. Platz in der Kategorie „Special Themen Locations“.

Jede meiner beruflichen Stationen hat mich auf ihre Weise bereichert, sei es durch gute, aber auch schlechte Erfahrungen. Gerade die schlechten Erlebnisse haben mir eine Weiterentwicklung ermöglicht und mich meinem Ziel immer näher gebracht. Nun wusste ich genau, was ich nicht mehr wollte und was ich besser machen konnte.

Als Angestellte stößt man stets an Grenzen, wenn es darum geht,  Ideen und Entscheidungen umzusetzen. Ein gewisse „Deckelung“ ist immer gegeben, denn es ist schließlich nicht das eigene Unternehmen! Diese Erfahrung, das damit einhergehende Unbehagen und die Ungeduld legten den Grundstein für meine Selbständigkeit. Dennoch ist es schwierig, die eigene Komfort Zone zu verlassen und den Sprung ins Ungewisse zu riskieren.

Ich buchte ein Karriere Coaching und wollte das „Ideen-Knäuel“ in meinem Kopf entwirren lassen. Es hat funktioniert: Die neu gewonnene Freiheit und Struktur im Kopf eröffnete mir ungeahnte Möglichkeiten: Ich gab erneut meiner Kreativität eine Stimme und bildete mich in der Raumgestaltung und Innenarchitektur weiter.

DER Mittelstand.: Wenn Sie in der Zeit zurückgehen könnten, würden Sie denselben Weg nochmal gehen? Oder würden Sie etwas anders machen?

Selbst wenn die Selbständigkeit viele Risiken bringt, würde ich mich immer wieder dafür entscheiden. Die gewonnene Freiheit bei Entscheidungen und das von mir über Jahre erarbeitete wertvolle Netzwerk ist für mich durch nichts aufzuwiegen. Auch wenn man durch „Trial and Error“ manchmal bitter erfahren muss, dass Irrtümer auch Geld kosten können.

Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich früher in die Selbständigkeit gehen.

DER Mittelstand.: Welche Entscheidung würden Sie für sich als die Wegweisendste bezeichnen oder auch die, aus der Sie am meisten gelernt haben?

Die Erkenntnis, dass ich als Unternehmerin nicht alles alleine schaffen muss, war für mich bahnbrechend. Man muss nicht alles selbst können! Die Bereitschaft, Arbeit abgeben zu können, erfordert ein Umdenken. Zuverlässige Partner und Subunternehmer zu finden, die einen ergänzen und vervollständigen ist nicht unmöglich. Für mich als Perfektionistin war es ein schwerer Weg loszulassen. Fazit und Ergebnis: Ich gewann unendlich wertvolle Zeit und konnte Abläufe verbessern und „verschlanken“.

DER Mittelstand.: Womit beschäftigen Sie sich derzeit besonders intensiv? (Bspw. Digitalisierung etc.)

Derzeit bin ich gerade dabei, mein Unternehmen zu digitalisieren. Ich habe einen zweimonatigen Strategie Workshop absolviert, um mich und mein Unternehmen neu auszurichten und werde nach Umsetzung der geplanten Automatisierungsphase meine Projekte sehr viel effizienter und zeitsparender bewältigen können. Mit Hilfe eines gut durchdachten Lead Managements werde ich schließlich zielgerichteter interessierte Kunden erreichen können. Der 6monatige Arbeitseinsatz für die Digitalisierung wird dann Früchte tragen.

DER Mittelstand.: Welche Botschaft möchten Sie anderen Unternehmerinnen mitgeben?

Es ist wichtig, sich ständig zu hinterfragen und sich immer wieder neu zu erfinden. In den Grundsätzen sollte man sich jedoch treu bleiben und authentisch sein. Wenn einmal etwas schlecht läuft, ist das zwar zunächst niederschmetternd, eröffnet einem andererseits jedoch wieder neue Erkenntnisse, die einen weiterbringen.

DER Mittelstand.: Was schätzen Sie am Verband Der Mittelstand. BVMW besonders?

Am BVMW schätze ich sehr, dass der Verband gerade in den schwierigen Corona Zeiten stets für die KMU unterstützend als Ratgeber aktiv war. Sei es über Online Seminare, um neue Wege aufzuzeigen und zu ebnen oder durch Einflussnahme auf die Politik, wenn es um Belange und die Durchsetzung von Interessen der mittelständischen Unternehmen ging.

Infos zur Person

Raffaella Carli, geboren am 02.04.1967 in Berlin, bilinguale Wirtschaftskorrespondentin, sammelte in verschiedenen Konzernen diverser Branchen als Assistentin der Geschäftsführung, und Event Managerin Berufserfahrungen, gründete das Unternehmen Capo d’Istria events & room design nebengewerblich im August 2017, seit November 2018 ist sie in dem Unternehmen als Inhaberin und Geschäftsführerin hauptgewerblich tätig.

Infos zum Unternehmen

In meinem Unternehmen Capo d’Istria events & room design habe ich mit meinen beiden Geschäftsfeldern Event- und Raumdesign zwei gestaltungsintensive Bereiche zusammengeführt, die sich projektbezogen auch kreuzen könnten.  Ich erstelle für meine Interior Design Kunden individuelle Raumkonzepte für Privat- und Geschäftsräume und begleite sie als Projektmanagerin vom Aufmaß bis zur Lieferung aller Einrichtungsobjekte. Für meine Eventkunden bin ich als Vermittlerin unterwegs und bringe alle wichtigen Gewerke für eine gelungene Veranstaltung zusammen, so dass sich alle Puzzleteile optimal ergänzen. Mein Herz schlägt für beide Bereiche gleichermaßen stark. Was gibt es Schöneres, als jeden Tag das zu tun, was einen begeistert und glücklich macht?