Portrait Sabine Bröckskes-Wetten

Interview mit
Sabine Bröckskes-Wetten

Inhaberin und Geschäftsführerin SAB Bröckskes GmbH & Co. KG.

 

DER Mittelstand.: Wie sind Sie dazu gekommen, Unternehmerin zu werden?

Unser Familienunternehmen SAB Bröckskes gehörte schon immer zu meinem Leben. Bereits als Kind habe ich hier einige Male Rundgänge mit meinem Vater gemacht. Später habe ich auch diverse Ferienjobs in der Produktion übernommen und lernte so das Unternehmen und viele meiner späteren Kollegen kennen. Manche von ihnen arbeiten noch immer bei SAB oder wurden von mir in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Ich hatte also schon sehr früh eine ausgeprägte Bindung zum Unternehmen und den Menschen, die hier arbeiten.

Nach meiner Ausbildung zur Kabelfertigungsmechanikerin und dem anschließenden Studium zur Dipl. Wirtschaftsingenieurin übernahm ich zunächst eine Abteilungsleitung in der Fertigung. Später übernahm ich dann die Gesamtverantwortung für den technischen Bereich. In dieser Zeit habe ich viel über die Fertigung von Kabeln und Leitungen gelernt. Dabei habe ich zunehmend festgestellt, dass mir die Arbeit hier einen riesen Spaß macht. Als dann die Überlegungen zur Nachfolgeregelung anstanden, waren meine Schwestern und ich uns schnell einig, dass ich die Herausforderung annehmen sollte.

Schließlich verbrachte ich an unserem Hauptstandort in Viersen-Süchteln die meiste Zeit meines Lebens und meine Mitarbeiter sind für mich wie eine zweite Familie geworden. Meine Schwestern sind übrigens beide auch bei SAB beschäftigt. Sie bieten mir eine große Rückendeckung, indem sie mir an einigen Stellen beratend, oder manchmal auch nur mit einem offenen Ohr, zur Verfügung stehen. Ich bin in der komfortablen Situation, dass mein Vater, Peter Bröckskes, der das Unternehmen bereits seit mehr als 30 Jahren erfolgreich in zweiter Generation geführt hat, mir immer das volle Vertrauen schenkte und mich auch meine eigenen Ideen umsetzen ließ.

In 2011 wurde ich dann zur Geschäftsführerin und Inhaberin von SAB Bröckskes mit der Verantwortung für knapp 500 Menschen, die hier arbeiten. Ich bin ausgesprochen froh, dass mein Vater mir auch jetzt noch mit all seiner Erfahrung zur Seite steht und mich in wesentlichen Fragen berät.

DER Mittelstand.: Wenn Sie in der Zeit zurückgehen könnten, würden Sie denselben Weg nochmal gehen? Oder würden Sie etwas anders machen?

Besonders glücklich an meinem Werdegang bin ich darüber, dass ich den Betrieb von der Picke auf kennengelernt habe. Ich kenne jeden Mitarbeiter und jede Maschine. Noch heute profitiere ich von den Erfahrungen, die ich während dieser Zeit gemacht habe und kann diese bei vielen Entscheidungen einfließen lassen. Außerdem hat mich diese Zeit zu einem Teil der Belegschaft gemacht und ich sehe für mich die Herausforderung die Aufrechterhaltung von knapp 500 Arbeitsplätzen sicherzustellen.

Es gibt sicherlich auch bei mir die eine oder andere Entscheidung, die ich heute anders beurteile. Im Allgemeinen würde ich die wesentlichen Entscheidungen aber wieder genauso treffen. Ich habe eine tolle Firma mit tollen Mitarbeitern und tollen Produkten. Außerdem habe ich eine großartige Familie und Freunde, die mir immer den Rücken freihalten und auch akzeptieren, wenn ich mal nicht so gut drauf bin. Vielleicht würde ich allerdings nach dem Studium ein Auslandsjahr einlegen, um ein bisschen mehr Auslandserfahrung zu sammeln.

DER Mittelstand.: Welche Entscheidung würden Sie für sich als die Wegweisendste bezeichnen oder auch die, aus der Sie am meisten gelernt haben?

Natürlich war das die Entscheidung die Gesamtverantwortung für die Firma zu übernehmen. Selbstverständlich habe ich ein wenig daran gezweifelt, ob ich mit Anfang dreißig soweit bin, die Geschäftsleitung zu übernehmen. Schließlich würde ich in sehr große Fußstapfen treten und mich daran messen lassen müssen. Doch wie sagt man so schön „man wächst mit seinen Aufgaben“. Heute bin ich davon überzeugt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Ich habe volles Vertrauen, dass meine Mitarbeiter hinter mir stehen und mich dabei unterstützen, ein neues Kapitel in der Firmenhistorie aufzuschlagen.

DER Mittelstand.: Womit beschäftigen Sie sich derzeit besonders intensiv? (Bspw. Digitalisierung etc.)

Neben den Auswirkungen der Corona-Pandemie mit all seinen Facetten wie Homeoffice, Hygienekonzepte, Lieferketten, Impfungen usw. stehen Themen wie die Organisationsentwicklung, Digitalisierung und Bindung von Mitarbeitern ganz oben auf der Agenda.

DER Mittelstand.: Welche Botschaft möchten Sie anderen Unternehmerinnen mitgeben?

„Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann.“ Wir befinden uns in einer sehr schnelllebigen Zeit und müssen uns immer wieder neuen Herausforderungen stellen. Hier gilt es auch Platz für neue Ideen und geänderte Herangehensweisen zu machen. Wir dürfen uns nicht auf althergebrachten Ideologien ausruhen und müssen uns stetig weiterentwickeln, um für die Zukunft gut aufgestellt zu sein.

DER Mittelstand.: Was schätzen Sie am Verband Der Mittelstand. BVMW besonders?

Gerade jetzt während der Corona Krise hat man wieder deutlich gesehen, dass für die großen Konzerne reflexartig Unterstützungsprogramme von der Politik aufgelegt werden. An die kleinen und mittleren Unternehmen hat man erst im zweiten Schritt gedacht. Der Mittelstand ist jedoch das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Der BVMW setzt sich stark für den Mittelstand ein und kann die Interessen und Belange von mittelständischen Unternehmen besser durchsetzen.

Infos über Sabine Bröckskes-Wetten

Sabine Bröckskes-Wetten, geboren am 06.06.1981, sammelte durch diverse Ferienjobs in der Produktion des Familienunternehmens schon früh ihre ersten unternehmerischen Erfahrungen. Im Anschluss an ihre schulische Laufbahn studierte die gelernte Kabelfertigungsmechanikerin an der Hochschule Niederrhein Wirtschaftsingenieurwesen und stieg danach in das Familienunternehmen SAB Bröckskes GmbH & Co. KG ein. Dort war sie zunächst als Abteilungsleiterin in der Fertigung tätig, ehe sie später dann die Gesamtverantwortung für den technischen Bereich übernahm.

Heute ist die verheiratete Mutter von 2 Kindern Inhaberin und Geschäftsführerin von SAB Bröckskes GmbH & Co. KG. In ihrer freien Zeit verbringt sie vor allem am liebsten viel Zeit mit ihrer Familie und auch mit ihren Pferden.

 

Infos zum Unternehmen

SAB Bröckskes zählt mit 500 Mitarbeitern weltweit zu den führenden Kabelherstellern und Anbietern konfektionierter Kabel und Leitungen sowie Produkten aus der Temperaturmesstechnik und der Sensorik. Der Fokus des Unternehmens, mit Hauptsitz und Produktion im nordrhein-westfälischen Viersen, liegt auf der Entwicklung und Fertigung von Spezialkabeln auf Kundenwunsch.

Jährlich produziert SAB Bröckskes mehr als 1.500 dieser Sonderanfertigungen, für unterschiedlichste Anwendungsfälle. Neben der Kabelherstellung konzentriert sich das Angebot zunehmend auf die komplette Kabelkonfektion.

www.sab-kabel.de

Linkedin: https://www.linkedin.com/company/sab-broeckskes/

Facebook: https://www.facebook.com/SAB.Broeckskes

Twitter: https://twitter.com/SAB_Broeckskes