Ute steglich

Interview mit
Ute Steglich

Gründerin und Geschäftsführerin ASL - Alles Saubere Leistung - GmbH

 

DER Mittelstand.: Wie sind Sie dazu gekommen, Unternehmerin zu werden?

Als ausgebildete Berufsschullehrerin unterrichtete ich Betriebswirtschaftslehre, Rechnungswesen und Volkswirtschaftslehre am beruflichen Gymnasium und der Fachoberschule Wirtschaft. Mein Ziel nach der „Wende“ war es, dass die Schüler sich selbständig machen. „Wir brauchen Unternehmer! Unterlasser haben wir genug in unserem Land!“

Als ein (sehr netter) Schüler mir sagte: „Naja, liebe Frau Steglich, Sie reden wie ein Blinder von der Farbe – Sie sind Lehrerin und nicht Unternehmer!“, dachte ich mir: recht hat er. Dann gründe ich mal ein Unternehmen. Also musste ich zunächst überlegen, was ich besonders gut kann. Nicht so viel – ich war ja mit Leib und Seele Lehrer. Was ich gut kann, ist organisieren, motivieren und Arbeit verteilen. Also bin ich in den Sommerferien 1993 zum Gewerbeamt gegangen und habe mir einen Gewerbeschein zur Vermittlung von Hauswirtschaftshilfen, Kinder-, Senioren- und Tierbetreuung, Hausmeisterdienste und Haushütung geholt. Der Name meines Unternehmens: ASL Agentur Steglich Leipzig (ASL).

DER Mittelstand.: Wenn Sie in der Zeit zurückgehen könnten, würden Sie denselben Weg nochmal gehen? Oder würden Sie etwas anders machen?

Ich würde denselben Weg wieder gehen, was die Anfangsjahre betrifft. Ich wollte ASL aufbauen und dann unserer Tochter übergeben, wenn sie ihre Ausbildung abgeschlossen hat. Und ich wollte Lehrer bleiben, weil ich diesen Beruf geliebt habe.

Leider ist es anders gekommen und ich musste ASL selbst weiterführen. Nach zehn Jahren war ASL so groß geworden, dass ich meinen Lehrerberuf leider aufgeben musste. Diese Entscheidung ist mir damals sehr schwergefallen, war aber nicht zu umgehen. Das habe ich sehr bedauert, aber nie bereut.

Seit über 14 Jahren fungiere ich als Franchisegeber (einer der Wenigen aus dem Osten) für ASL, das inzwischen als „Alles Saubere Leistung GmbH“ firmiert. Besonders in den ersten Jahren bin ich dabei viele Kompromisse eingegangen, die mir später auf die Füße gefallen sind. Dass es Menschen im Geschäftsleben mit krimineller Energie gibt, die mich und meine Gutmütigkeit ausnutzen, war ein schmerzhafter Lernprozess. Das hat mich nicht nur Lebenszeit, sondern auch viel Geld gekostet.

DER Mittelstand.: Welche Entscheidung würden Sie für sich als die Wegweisendste bezeichnen oder auch die, aus der Sie am meisten gelernt haben?

Am meisten habe ich aus meinen Fehlern gelernt. Nicht exakte Regelungen im Vertragswerk brachten, trotz der Beratung durch Fachanwälte, im Nachhinein Probleme mit sich, die auch immer mal vor Gericht endeten. Mal verliert man, mal gewinnt man. Leider weiß man im Vorfeld nicht, wann welcher Fall genau eintritt. Aber daraus zu lernen und die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen, ist das Wichtigste.

DER Mittelstand.: Womit beschäftigen Sie sich derzeit besonders intensiv?

Als Franchisegeber bin ich auch immer bestrebt, für meine Lizenzpartner das Beste zu erreichen. So haben wir im Jahr 2020 eine neue Software eingeführt, die jeder ASL Partner nutzen kann. Das kann ein anstrengender Prozess sein, die Algorithmen sind andere und Veränderungsprozesse sind schwierig. Nun wollen wir noch weitere Abläufe digitalisieren, weg vom Papier.

DER Mittelstand.: Welche Botschaft möchten Sie anderen UnternehmerInnen mitgeben?

Aus meiner Sicht ist es das Wichtigste, dass die Familie, insbesondere der Ehepartner, mitzieht. Als Unternehmer hat man keinen Achtstundentag oder einen geregelten Feierabend. Und wer darauf Wert legt, dass um 18 Uhr das gemeinsame Abendessen eingenommen wird, sollte angestellt bleiben. Haben Sie den Mut zur Selbständigkeit. Es ist alles zu schaffen. Kind(er) und Karriere kann man organisieren mit straffem Zeitmanagement.

Versuchen Sie, gegen den Strom zu schwimmen. Schaffen Sie sich ein Alleinstellungsmerkmal. Einen Namen. Werden Sie Experte in dem was Sie tun. Vernetzen Sie sich und schaffen eigene Netzwerke. Was Andere besser, schneller, effektiver oder kostengünstiger können, sollten Sie an diese abgeben.

DER Mittelstand.: Was schätzen Sie am Verband Der Mittelstand. BVMW besonders?

Der BVMW ist ein solches Netzwerk, deutschland- und sogar weltweit. Hier kann man die Kontakte knüpfen, die man im Geschäftsleben benötigt. Vor allem aber Gleichgesinnte finden, mit denen sich ein Gedankenaustausch auf Augenhöhe realisieren lässt. Die verschiedenen Veranstaltungen sind sehr gut geeignet, immer wieder ins Gespräch zu kommen und andere Menschen kennenzulernen.

Infos zur Person

Ute Steglich geb. 1955 in Leipzig; Diplom-Ökonom-Pädagoge war in DDR-Zeiten die Berufsbezeichnung für Berufsschullehrer.

1993 Gründung von ASL Agentur Steglich Leipzig

2008 Umwandlung in die ASL Alles Saubere Leistung GmbH und Franchisegeber

Infos zum Unternehmen

ASL ist der Premiumanbieter für haushaltsnahe Dienstleistungen. Das Unternehmen bietet Hauswirtschaftshilfe und niedrigschwellige Betreuung an, die über die Krankenkassen abgerechnet werden kann. Und das ganze Portfolio in Leipzig und vielen Regionen Deutschlands. Die Unternehmensberatung bietet Frau Steglich ebenfalls deutschlandweit an.

Die Firma ASL wurde 1993 von Ute Steglich in Leipzig gegründet. ASL verkauft den Kunden „freie Zeit“ durch die Erbringung haushaltsnaher Dienstleistungen. Zunächst nur in Leipzig hat sich die Gründerin nach 10 Jahren entschlossen, die Leistungen deutschlandweit als Lizenzkonzept anzubieten. Weil eine breite Palette an Dienstleistungen angeboten wird, wobei immer die Kundenwünsche absolute Priorität genießen, ist ASL der Marktführer in Deutschland.

Der faszinierte und zufriedene Geschäftspartner und begeisterte Kunde ist das Leistungsziel der ASL.

Zurzeit kümmern sie sich um über 20 Lizenzpartner, die ca. 12.000 Kunden betreuen mit etwa 1.000 MitarbeiterInnen.