Bundesverband der Bilanzbuchhalter und Controller e.V. (BVBC)

Bundesverband der Bilanzbuchhalter und Controller e.V. (BVBC)

Fakten über den Verband

Gründung: 1976

Hauptsitz: Bonn

Geschäftsführer: Markus Kessel

Gebiet / Branche: Rechnungswesen, Controlling, Finanzen

Aufgaben: Vertretung der Interessen und Belange der BilanzbuchhalterInnen, ControllerInnen und anderen Fachkräften im Finance-Bereich sowie die Qualifizierung für berufliche Herausforderungen.

Mitgliederstruktur: Fach- und Führungskräfte, Selbstständige mit eigenem Buchführungsbüro oder Beratungsunternehmen, InterimsmanagerInnen und Unternehmen

Partnerschaften: MittelstandsAllianz, ULA – United Leaders Association, Bundesarbeitsgemeinschaft Selbstständigenverbände (BAGSV)

Positionen & Forderungen:

 

  • Reform des Steuerberatungsgesetzes
  • Reform des Statusfeststellungsverfahrens zur Herstellung von Rechtssicherheit für Unternehmen und Selbstständige
  • Abbau von Bürokratie

 

3 Mythen über die Branche:

 

  • (Bilanz-)BuchhalterInnen gelten manchmal als Ärmelschoner tragende Erbsenzähler, stimmt aber gar nicht: Die kleinkarierten Anforderungen stammen vom Gesetzgeber, die unsere Mitglieder bestrebt sind, dann das ein oder andere Mal mit viel Kreativität umsetzen.
  • ControllerInnen sind Kontrollfreaks! Falsch: Moderne ControllerInnen erfreuen sich nicht an der Fehlersuche, sie bieten aktive Hilfestellungen, optimieren Geschäftsprozesse und kommunizieren auf Augenhöhe.
  • Finance-Fachkräfte arbeiten den ganzen Tag nur mit Zahlen: Zahlen sind die Grundlage, aber nicht der Fokus. Heute gilt nicht mehr "viel rechnen – wenig denken",  sondern "viel denken – möglichst wenig rechnen".

 

 

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Interview mit...

Markus Kessel, Geschäftsführer des BVBC e.V.

 

Wofür steht Ihr Verband und welche Themen verfolgen Sie?
Unser Name verrät, woher wir kommen. Doch seit unserer Gründung 1976 sind wir für Fach- und Führungskräfte aus dem gesamten Finance-Bereich die "berufliche Heimat" - wie es ein ehrenamtlich engagiertes Mitglied zuletzt passend ausgedrückt hat. Der BVBC versteht sich als Bindeglied zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Wir engagieren uns dafür, dass die von uns vertretenen Berufsbilder kontinuierlich weiterentwickelt werden und qualifizieren unsere Mitglieder für neue berufliche Herausforderungen. Denn das Know-how von Finance-Expertinnen und -Experten ist die Grundlage jeden wirtschaftlichen Erfolgs. Basis für diesen sind aber auch notwendige Entwicklungen in den Bereichen Bürokratieabbau und Digitalisierung. Wir sehen beispielsweise dringenden Änderungsbedarf beim Steuerberatungsgesetz, das unsere selbstständigen Mitglieder unverhältnismäßig in ihrer Berufsausübung einschränkt.

Mit welchen Fragen seitens Ihrer Mitglieder werden Sie am häufigsten konfrontiert?
Unsere selbstständigen Mitglieder wenden sich regelmäßig mit Fragen zu ihren rechtlichen Befugnissen an uns. Es herrscht aufgrund der enormen Schranken, die das Steuerberatungsgesetz selbstständigen (Bilanz-)Buchhalterinnen und Buchhaltern setzt, eine große Verunsicherung. Fragen sind also u.a.: Welche Leistungen darf ich auf selbstständiger Basis anbieten? Weshalb darf ich als Selbstständige(r) weniger als Angestellte(r)? Wir werden jedoch auch häufig nach der Entwicklung des Berufsbildes gefragt. Also danach, wie wir die Zukunftsaussichten - insbesondere hinsichtlich der zunehmenden Digitalisierung - einschätzen und wie man bestmöglich qualifiziert werden kann.

Mit welchen Fragen kommen potenzielle neue Mitglieder auf Sie zu?
Viele, die überlegen, sich selbstständig zu machen, stehen zu Beginn vor einem Berg an Fragen. Welche Leistungen darf ich anbieten? Darf ich mit diesen werben? Welche Stundensätze sind angebracht? Kann ich mit SteuerberaterInnen oder AnwältInnen zusammenarbeiten? Welche Datenschutzbestimmungen muss ich beachten? Gerade im Bereich der Selbstständigkeit wünschen sich viele Unterstützung durch den Verband. Angestellte Fachkräfte haben oft gezielten Weiterbildungsbedarf oder wünschen sich einen Austausch zu bestimmten Themenfeldern und schätzen die Möglichkeit, sich bei speziellen Praxisfragen an uns wenden zu können.

Wie fördern und unterstützen Sie die mittelständischen Unternehmen unter Ihren Mitgliedern?
Nicht nur für unsere persönlichen Mitglieder sind wir ein verlässlicher Karrierepartner, auch unsere Firmenmitglieder können sich auf unsere Expertise und unser Netzwerk verlassen. Wenn Unternehmen beispielsweise konkreten Weiterbildungsbedarf haben, können wir passende Formate organisieren, die es so am Markt nicht gibt - und ohne dass bei uns das wirtschaftliche Interesse im Fokus steht. Dabei können wir mit unseren Expertinnen und Experten auch Inhouse-Schulungen anbieten. Aber auch wenn es um Veränderungen und Umstellungen geht, können wir mit Erfahrungswerten unserer Mitglieder und Partner oft helfen.

Was schätzen Sie ganz besonders an der Zusammenarbeit mit der Mittelstandsallianz?
Die Mittelstandsallianz ist eine einzigartige Gemeinschaft ganz unterschiedlicher Organisationen, das macht sie gerade so spannend und auch interessant für die Politik, aber auch für die Partnerverbände. Gemeinsam vertreten wir den deutschen Mittelstand und finden so Gehör für unsere Kernanliegen. Die Mittelstandsallianz bietet uns eine Plattform, um miteinander zu arbeiten, voneinander zu lernen und für einander einzustehen.

Welche Änderungen werden in den nächsten Jahren ganz speziell auf Ihre Mitglieder zukommen?
Die Digitalisierung wird viele Bereiche verändern, das wird auch die von uns vertretenen Berufsfelder betreffen. Das ist jedoch kein autonomer Prozess, für die Umstellungen braucht es gerade auch unsere Mitglieder, die die entsprechenden Prozesse vorbereiten und umsetzen. Zunehmende Möglichkeiten der Automatisierung bedingen bereits heute, aber morgen und übermorgen vermutlich umso drängender, ein gewisses IT-Verständnis und -Interesse. Dafür müssen unsere Mitglieder offen sein und sich weiterbilden, denn bisher ist das kein Bestandteil von Fortbildung oder Studium. Das Wegfallen einfacherer Aufgaben wird dann jedoch Möglichkeiten bieten, sich weiter zu spezialisieren.

Welches Thema bzw. welche Themen muss die Politik in der nächsten Legislaturperiode unbedingt angehen?
Deutschland braucht faire Regelungen für Selbstständigkeit und Unternehmertum. Dazu gehört u.a. Rechtssicherheit für auftraggebende Unternehmen und spezialisierte Selbstständige. Das Statusfeststellungsverfahren gehört trotz der aktuell geplanten, aber nicht zufriedenstellenden, Änderungen reformiert. Auch die vieldiskutierte Altersvorsorgepflicht für Selbstständige muss gerecht ausgestaltet werden. Bürokratie muss fortwährend abgebaut werden. Das von der Europäischen Kommission angemahnte deutsche Steuerberatungsgesetz gehört dringend reformiert und das Steuerberater-Privileg, das sich in der Corona-Krise durch die Beantragung der Hilfen weiter manifestiert hat, abgeschafft. Damit Deutschland weiterhin seinen Platz im weltweiten Handel behaupten kann, muss die Digitalisierung forciert werden - viele Unternehmen sind nicht so weit, wie sie sein könnten.

Vor welchen Herausforderungen steht Ihr Verband aktuell und in den nächsten Jahren?
Die größte Challenge, die Verbände meistern müssen, besteht darin, zu überzeugen. Das war vermutlich nie anders. Vor dem Hintergrund, dass durch das Internet Informationen heutzutage in immer größerem Ausmaß jederzeit und für jedermann verfügbar sind, ist der Job womöglich nur schwerer geworden. Für das Schaffen, Einordnen und Bewerten brauchen wir nach wie vor das Expertenwissen, das wir in Verbänden bündeln und sowohl Politik als auch Wirtschaft und ihren einzelnen Akteuren bieten können. Insbesondere von der Politik erwarten wir daher auch, als wichtiger Partner eingebunden zu werden.

Für wen versteht sich der BVBC als Ansprechpartner?
Wir stehen im permanenten Dialog mit Akteuren aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Der BVBC unterstützt Nachwuchskräfte mit zahlreichen kostenfreien Angeboten, steht bei Studienarbeiten immer wieder beratend zur Seite und setzt sich für die Interessen und Belange angestellter Fach- und Führungskräfte sowie Selbstständiger mit eigenem Buchführungsbüro und Beratungsunternehmen ein. Dabei bauen wir vor allem auf ein breites Netzwerk und ein konstruktives Miteinander. Durch die Zusammenarbeit mit anderen Verbänden und Organisationen schaffen wir immer wieder für alle Seiten bereichernde Symbiosen.