Außenwirtschaft ist Chefsache

Das Thema der Außenwirtschaft ist und bleibt Chefsache. Warum es so wichtig ist, Entscheidungsträger auf allen Ebenen mit einzubeziehen, erfahren Sie hier.

Das Thema Außenwirtschaft wird von vielen Unternehmen aufgrund von möglichen Risiken und Ungewissheiten häufig gemieden, obwohl der Schritt in einen Auslandsmarkt gerade auch viel Potenzial für Wertschöpfung und wertvolle neue Kundenbeziehungen bietet. Der wichtigste erste Schritt, um nachhaltige Umsätze im Ausland zu generieren und gegebenenfalls eine eigene Tochterfirma aufzubauen, ist die richtige Vorbereitung und damit eine fundierte Wissens- und Entscheidungsgrundlage. Denn ohne Entscheidungsgrundlage gibt es ein höheres Risiko für Fehlentscheidungen im Zielmarkt.

 

Bevor die Frage aufkommt, wie das Thema Außenwirtschaf angegangen wird, muss jedoch zuerst die Frage beantwortet werden, wer in diesem Prozess involviert sein muss – denn Außenwirtschaft ist und bleibt Chefsache. Aber warum? Reicht es nicht, wenn die fähigen und entscheidungskompetenten Mitarbeiter das Thema angehen und der Chef nur gelegentlich informiert und eingebunden wird?

Aus unseren Erfahrungen können wir berichten, dass dies in der Regel nicht reicht. Der gesamte Prozess von der Entscheidung, einen Auslandsmarkt anzugehen, bis hin zu der Implementierung eines Tochterunternehmens, muss von der obersten Instanz aus mit begleitet und mitgestaltet werden. Durch eine größere Entscheidungstiefe ist das Thema Außenwirtschaft nämlich stark von der Innenwirtschaft zu unterscheiden: Außenwirtschaft ist anfangs nicht operativ, sondern strategisch!

 

Die Art und Weise, wie in Deutschland Unternehmen geführt werden, unterscheidet sich stark von der Unternehmensführung im Ausland – auch zu direkt benachbarten Ländern wie zum Beispiel den skandinavischen Ländern. Wenn ein Auslandsmarkt aufgebaut werden soll, ist also auch immer mit internen Veränderungen und Anpassungen auf den neuen Markt zu rechnen. So betrifft ein Tochterunternehmen im Ausland unter anderem die Neustrukturierung der Buchhaltung. Darüber hinaus gibt es auch sprachliche Hürden, welche angegangen werden müssen. Im gesamten Unternehmen müssen alle Mitarbeiter gut über den Schritt in die Außenwirtschaft informiert sein – und das ist Chefsache. Ein weiterer, und sehr wichtiger, Einflussfaktor ist die Liquidität, denn das Unterfangen sich im Ausland zu etablieren ist mit Investitionen verbunden, welche sich bei einem Erfolg jedoch auch schnell rentieren wird. Dieser Prozess kann langwierig sein und es dauert mitunter einige Zeit, bis der Erfolg kommt. Bis dahin muss ausprobiert und investiert werden.

 

Wie deutlich sichtbar wird, nehmen Auslandsgeschäfte immer Einfluss auf die strategische Entscheidungsebene des eigenen Unternehmens und beherbergen einige Risikofaktoren, welche berücksichtigt werden müssen. Von Beginn an muss der Chef und die oberste Leitungsinstanz also mit eingebunden werden, um über diese Risiken informiert zu sein und den Prozess ganzheitlich umzusetzen. Die Strategie vom Heimatmarkt kann nämlich nicht einfach direkt für den neuen Markt übernommen werden, sondern bedarf Anpassung an die Rahmenbedingungen des Zielmarktes und bietet auch die Chance für eine strategische Neuausrichtung. Der Auslandsmarkt kann als blankes Stück Papier und als Lernmöglichkeit für das gesamte Unternehmen verstanden werden.

 

Nimmt man beispielhaft Dänemark als Brückenkopf nach Skandinavien muss bewusst gemacht werden, dass es einen klassischen Handelsvertreter, wie es in Deutschland noch oft gewünscht ist, längst nicht mehr gibt. In Dänemark ist die Devise „selber machen“ und Kunden wünschen in der Regel im direkten Dialog zu sein. Hier können Sie also direkte Kundenbindung und Marktwissen generieren. Des Weiteren sind Vorurteile, wie teure Mitarbeiter oder hohe Steuern aus dem Weg zu räumen.

Wussten Sie, dass in Dänemark bis zu 120.000 € Gesamtlohnkosten pro Jahr bei drei hochkarätigen Mitarbeitern im Vergleich zu Deutschland gespart werden können. Wie? In Dänemark gibt es keine Lohnnebenkosten sowie eine deutlich niedrigere Steuer für hochqualifiziertes Personal.

 

Mit einer Körperschaftssteuer, die zudem um 10% niedriger als in Deutschland ist, gibt es also interessante Rahmenbedingungen. Interessante Informationen? – Das findet auch der Chef. Für den Mitarbeiter sind diese Informationen oft nicht operativ genug.

 

Aufgrund der Entscheidungstiefe und Relevanz für die Unternehmensstrategie sollten diese wichtigen Informationen und Entscheidungen also niemals bei einem Mitarbeiter allein liegen oder gar liegenbleiben. Besonders in der Außenwirtschaft geht es um strategische und nachhaltige Entscheidungen für das gesamte Unternehmen, bei welchen alle Entscheidungsinstanzen eingebunden werden müssen. Gemeinsam mit den Mitarbeitern muss, nach eigener Erfahrung, immer die oberste Entscheidungsinstanz das Projekt von Anfang an begleiten, um die komplexen Abläufe zu verstehen und eine fundierte Wissensgrundlage zu erlangen. Außenwirtschaft ist strategisch und damit unter anderem einfach auch und vordergründig Chefsache.