BVMW Unternehmerfrühstück am 05.05.2022 mit Mareike Lotte Wulf, MdB

Großer Diskussionsbedarf beim Mittelstand

Lüttgenrode, Mai 2022 ● „Wir müssen für die nachfolgenden Generationen mitdenken“, bestätigte die niedersächsische CDU-Bundestagsabgeordnete Mareike Wulf am Ende des BVMW-Unternehmerfrühstücks im Restaurant Sachsenross. Die Politikerin aus dem Wahlkreis Hameln-Pyrmont/Holzminden war von Jörn Kater, Regionalleiter des Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVWM) Südniedersachsen, eingeladen, um als Mitglied im Ausschuss für Arbeit und Soziales sowie dem Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend einen Einblick in ihre Arbeit zu geben. Doch schon mit ihrem anfänglichen Statement: „Der Krieg in der Ukraine hat alles radikal verändert“, kamen andere aktuelle Themen zur Sprache.

Der Bundeshaushalt werde nicht der Zeitenwende angepasst, monierte sie zunächst die Politik der Ampel-Koalition, bei der aktuellen Einnahmesituation seien die beschlossenen Projekte wie Bürgergeld und Kindergrundsicherung nur noch schwer zu stemmen. Und schon schwang die Diskussion um auf die Rüstungsausgaben und die Waffenlieferungen an die Ukraine. Diese seien richtig, betonte Wulf, um der Gewalt zu begegnen. „Wir haben einen Lieferanten in Russland, der vom Lieferstopp betroffen ist, und können ihm gegenüber nicht von Krieg sprechen“, erzählte ein Unternehmer von seinem Dilemma. Die Lieferketten seien stark betroffen, sodass der Umsatz deutlich sinke, „dennoch stehen wir voll hinter den Sanktionen“, betonte er. Von Material, das nicht geliefert werden könne, von unkalkulierbaren Preisen, die jede Kalkulation zunichtemachen, von nicht realisierbaren Aufträgen und dadurch fehlenden Umsatz berichteten noch weitere Teilnehmer der Diskussionsrunde. „Vorausschauend zu arbeiten ist schlicht unmöglich geworden“, brachte es einer auf den Punkt.

„Wir in der CDU möchten die Opposition nutzen, Fachforen zu initiieren, in denen wir uns über die nächsten Jahrzehnte Gedanken machen und visionäre Dinge entwickeln“, sagte Wulf und entgegnete damit auch dem Hinweis, dass die Politik nicht rechtzeitig auf vorhersehbare Probleme wie den Fahrermangel im Transportwesen (u. a. durch zu teure Kosten für die Grundschulung) und die Holzknappheit reagiert habe.

Sie konkretisierte auch die Entlastungs-Vorschläge der CDU, die Energiesteuer stärker zu senken, die Mehrwertsteuersätze dauerhaft zu mindern und gezielt Investitionen zu fördern. Der geäußerten Kritik, dass das Europäische Arbeitsrecht ein hinderliches Bürokratiemonster sei, entgegnete sie: „Die ganze Verwaltung muss sich digitalisieren. Selbst die geflüchteten Ukrainer wundern sich über unsere Formularflut.“ Einen konkreten Tipp gab sie dem Unternehmer, der ein Ausbildungsjahr für Ukrainer anbieten möchte: „Wenden Sie sich an Ihren Landkreis, erfragen sie bei den Unterkünften den Bedarf und den Bildungsgrad der Geflüchteten und sprechen sie mit der Agentur für Arbeit, wie sich die Ausbildung mit einem Sprachkurs verbinden lässt.“

„Der direkte Austausch zwischen Wirtschaft und Politik lohnt sich immer“ – so die Erfahrung von Jörn Kater, der weitere Möglichkeiten zur Vernetzung bietet.

BVMW Business Meeting "Aufbruch in die Welt von morgen" am 29.03.2022 mit Dr. Maja Göpel

Monetäre Messgrößen sind fatal

Bovenden, März 2022 ● „Für den Wohlstand der Gesellschaft sind nicht allein Geldsummen entscheidend, sondern auch die Verfügbarkeit der Ressourcen“, mahnte Maja Göpel beim Business-Meeting des Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW). Die Politökonomin und Transformationsforscherin hielt ihren Vortrag ‚Aufbruch in die Welt von morgen‘ vor über 30 Unternehmerinnen und Unternehmern aus Südniedersachsen und löste damit eine interessante Diskussion aus.

„Noch gehen wir davon aus, dass alle Ressourcen verfügbar sind und übersehen dabei, dass die Regeneration ihre Zeit braucht. Die Umwelt ist in einen Kreislauf eingebunden, den wir in unsere Betrachtung einbeziehen müssen“, sagte Göpel und forderte eine Preiskorrektur. Sie verdeutlichte es anhand der Landwirtschaft: Diese verursache Kosten durch Überdüngung und Massentierhaltung, die dem rein monetären Ertrag gegengerechnet werden müssten – und das führe momentan zu einem Negativ-Saldo. Auch das momentan begehrte Flüssiggas, das durch Fracking gewonnen werde, würde mehr der Natur schaden, als uns kurzfristig nutzen. Genauso verkehrt sei auch, dass der Betrag zur Förderung von Wind- und Sonnenergie nur einen geringen Bruchteil der Subventionen für Öl und Kohle ausmache.

„Unsere Gesellschaft lebt in einer Scheinwelt, weil wir die natürliche Lebensgrundlage außer Acht lassen“, machte die Nachhaltigkeitsexpertin deutlich. Um diese zu berücksichtigen, brauche es eine Qualifizierung des Begriffs Wachstum. Schließlich seien es die Verfügbarkeit von Ressourcen und die Verfügbarkeit von Lösungen für menschliche Probleme, wie beispielweise Care-Arbeit, die für das Wohlergehen sorgen. „Wir schauen auf das sinkende Pro-Kopf-Einkommen und folgern daraus, dass Frauen mehr und wir alle länger arbeiten müssen, damit es wieder steigt. Das kann es doch nicht sein. Es geht nicht um mehr, sondern um besser!“, machte sie klar. Wichtig sei doch, die Frage zu beantworten, was wir überhaupt brauchen – um dann die Art, wie wir haushalten, danach auszurichten.

Sie forderte ihr Publikum eindringlich auf, die Perspektive des Wirtschaftens zu wechseln: die rein monetären Definitionen durch Werte zu erweitern, die Zeit für die Regeneration von Ressourcen in Kalkulationen einzubeziehen, Technologien sozial positiv zu entwickeln, Innovationen in einen ökologischen Rahmen zu setzen, übergreifend zu denken, komplexe Kreisläufe zu betrachten, Wertschöpfungsnetzwerke zu bilden. „Bei all den Erkenntnissen: die Wissenschaft kann sich auf den Kopf stellen und es passiert nichts. Für eine Verhaltensänderung braucht es die Stimme der Wirtschaft!“, lautete ihr Schlussappell.

Und diesem folgte eine reger Austausch: „Wahrscheinlich ist das Problem, dass wir den Missstand nicht persönlich merken. Wir meckern, bezahlen aber die höheren Energiepreise. Wird eine Ressource knapp, wird sie durch eine andere ersetzt. Wir sehen die Endlichkeit nicht“, warf ein Unternehmer ein. Ein anderer sprach das Verteilungsproblem an, das sich durch das Riesenangebot der Supermärkte bis 22 Uhr zeige, während in anderen Ländern Mangel herrsche. „Ein großes Problem sind die Einkäufer, die nur auf den Preis und nicht auf die Wertigkeit, auch der Produktion, achten“, sagte ein weiterer und eine Unternehmerin ergänzte, dass die kurzlebige Ware das Müllproblem vergrößere. „Appellieren Sie an die Produzentenverantwortung“, riet Göpel. Weitere Statements der Teilnehmer waren: „Wir müssen besser aufklären und unser Bildungssystem umstellen“, „Wir sind auf der negativen Seite des Kapitalismus, weil hinter der Produktion keine Wertschöpfung steht", „Wir Unternehmer müssen verantwortlich handeln“.
Schließlich wurde Maja Göpel gefragt: „Wie viel Zeit bleibt uns denn noch bis zum Kollaps?“ Ihre Antwort: „Diese Dekade ist entscheidend.“

Was man als Unternehmer, aber auch als Einzelperson bewegen kann, wurde im Verlauf des weiteren Abends beim Buffet im Restaurant des Fun Golf Bovenden in kleineren Runden besprochen. Sponsor Rainer Giese, Versicherungskontor Osterode, und BVMW-Regionalleiter Jörn Kater freuten sich über den interessanten Austausch, der, so Kater: „wieder einmal gezeigt hat, dass solche Impulse wichtig sind und uns alle weiterbringen.“

Unternehmerfrühstück am 24.02.2022 mit Konstantin Kuhle von MdB

Löhne, Energie, Infrastruktur und Demokratie

Göttingen, Februar 2022 ● Am Morgen des russischen Angriffs war die Stimmung beim südniedersächsischen BVMW-Frühstück, zu dem Regionalleiter Jörn Kater eingeladen hatte, sorgenvoll. Eigentlich sollte Konstantin Kuhle, Mitglied des Deutschen Bundestags und innenpolitischer Sprecher der FDP, die ersten 100 Tage in der Ampelregierung resümieren, doch die Runde der Unternehmerinnen und Unternehmer hatte weitreichenderen Redebedarf. Schnell drehte sich die Diskussion um grundsätzliche Themen.

„Zwei Jahre nach meiner Kriegsdienstverweigerung wurde die Wehrpflicht abgeschafft. Immer war der Frieden eine Selbstverständlichkeit. Jetzt erleben wir einen Angriff auf die Demokratie. Das ist schrecklich“, sagte Kuhle zu Beginn und drückte damit das Entsetzen aller Anwesenden aus. Vor diesem Hintergrund traten seine mitgebrachten innenpolitischen Themen etwas zurück:
Bei der Erhöhung der Minijob-Grenze auf 520 Euro setzte die FDP die Kopplung an den Mindestlohn durch, „was auf Dauer den vielen Beschäftigten in diesem Segment zugutekommen wird“, so Kuhle. Auch beim gesetzlich höher gesetzten Mindestlohn, der nach Meinung der FDP die Tarifhoheit konterkariert, konnte sie den bürokratischen Mehraufwand verhindern: die damit geplante digitale Erfassung der Arbeitszeiten in Echtzeit vom Arbeitgeber. „Das wäre eine enorme Belastung für kleine und mittelständische Betriebe gewesen.“ „Das ist doch auch schon der angehobene Mindestlohn“, kritisierte ein Unternehmer: „Denn dieser führt zu Lohnforderungen derjenigen, deren Verdienst jetzt schon höher ist und die nun eine Anpassung wünschen.“ Große Unternehmen könnten die allgemeine Anhebung des Lohnniveaus verkraften, „aber mit der Folge, dass wir Mittelständler noch mehr Probleme haben, Fachkräfte zu finden.“ Um welche zu finden, sei auch eine pro-aktive Migration nötig. Kuhle wies auf das neue Einwanderungsgesetz hin, „das jedoch noch besser sein könnte. Nun wollen wir dringend das Punktesystem in Kraft setzen.“

Ebenso problematisch, warf eine Unternehmerin ein, seien die steigenden Energiepreise und forderte ein schnelles Umschalten. Dem stimmte Kuhle zu, mahnte aber: „Wir müssen Klimaprojekte forcieren, auch wenn einzelne Tier- oder Pflanzenarten leiden. Denn wenn durch unser Nichtstun das Klima kippt, werden alle Arten bedroht sein.“ Die Position der FDP sei auch die Errichtung neuer Gasanlagen, aktuell angetrieben von der starken Abhängigkeit von russischer Energieversorgung. „Wir müssen handeln, jetzt!“ war die einhellige Meinung – die FDP, so Kuhle, arbeite aktiv daran, schnellere Planungsverfahren umzusetzen.

Beim Thema Impflicht wurde die kurze Halbwertszeit von Entscheidungen beiderseits beklagt: die Politik verneinte erst eine Einführung, dann wurde sie doch im Teilbereich eingeführt, die Mehrheit der Bevölkerung war erst dafür und will sie nun doch nicht. „Eine mehrheitlich getroffene Entscheidung nicht nur zu akzeptieren, sondern auch umzusetzen, daran müssen wir wohl alle arbeiten“, war sich die Runde einig.

„Die Demokratie ist eine Staatsform und keine persönliche Lebensform, das müssen wir alle beherzigen, vor allem diejenigen, die einen einmal gefassten Beschluss immer wieder torpedieren“, sagte Kuhle und betonte: „Wir Politiker sind nicht ‚die da oben‘, sondern sind selbst aus der Mitte der Gesellschaft und auf unseren gemeinsamen Austausch angewiesen“. Darauf reagierte ein Unternehmer: „Ja, aber der Grundkonsens ist erschüttert. Die Politik muss jetzt Antworten finden, wo wir in zehn Jahren stehen wollen. Handeln Sie endlich strategisch, statt immer nur auf Krisen zu reagieren!“ Ein Auftrag, den Kuhle zustimmend mitnahm.

Insgesamt war es eine heiße, aber auch konstruktive Diskussion beim Unternehmerfrühstück, die von der Sorge getrieben war, wie es in der Ukraine weitergeht – aber auch mit der Demokratie. Gastgeber Jörn Kater schloss die Veranstaltung mit dem eindringlichen Appell: „Wir müssen unser Bewusstsein für die gemeinsame Gesellschaft fördern.“

Sein Vortrag brachte eine lebhafte Diskussion unter den anwesenden Unternehmerinnen und Unternehmen aus Südniedersachsen ins Rollen. Beim lebhaften Austausch in den Räumen des Sanitätshaus Deppe in Northeim konnten weitere wichtige Fragen zum Thema geklärt werden. „Das ist praxisbezogene Wissensvermittlung, die Unternehmen weiterbringt“, war das Fazit aller.

Runder Tisch am 08.02.2022 mit Stefan Friedrich von Chipburg IT Services e.K. - Thema: Digitalisierung und Cybercrime

Die Gefahr von Hackerangriffen in Unternehmen

Northeim, Februar 2022 ● „Heutzutage kämpfen Mittelständler und auch kleine Unternehmen zunehmend an digitaler Front“, betonte Jörn Kater. Der Leiter der Wirtschaftsregion Hannover und des BVMW-Kreisverbandes Südniedersachsen, hatte daher zu diesem wichtigen Thema zum ‚Runden Tisch‘ geladen. Experte des Abends war Stefan Friedrich, Inhaber der Chipburg IT Services.

„Digitalisierung ist nur die Abbildung analoger Prozesse in Nullen und Einsen. Werden die Prozesse bei der Programmierung nicht klar genug umgesetzt, gibt es Lücken – und die werden ausgenutzt“, erklärte Friedrich die grundsätzliche Voraussetzung, dass Cyberangriffe erfolgreich sein können.

Dafür setzen Hacker große Ressourcen ein, weil sie entweder monetär davon profitieren oder politische Ziele damit erreichen wollen, so der Experte, der gleichzeitig warnte: „Mittlerweile kopieren die Hacker die Daten bevor sie diese verschlüsseln und können damit weiteren Schaden anrichten. Deshalb ist es ein Irrglaube, dass ein Backup kompletten Schutz bietet.“

Dabei sind die Einfallstore vielfältig, führte er weiter aus: Mails, auf die man schnell geklickt habe, fremde USB-Sticks, aber auch Telefonanlagen gehören dazu, ebenso wie IoT, Webcams und Rauchmelder. „Nutzen Sie für Ihre sensiblen Daten einen separaten Router“, riet Friedrich. Besser sei es auch, selbst einen zu kaufen, da dieser individuell konfiguriert werden kann: „Damit hat man eine bessere Kontrolle über den Datenfluss als mit einem vorkonfigurierten Gerät eines Telekommunikationsunternehmens.“

Welche Schutzmaßnahmen kann man noch ergreifen? Laut Friedrich gehöre dazu, die Beschäftigten zu sensibilisieren und fit zu machen, eine Firewall einzurichten, Sicherheitslücken sofort zu schließen und Zugangsbeschränkungen einzurichten. Außerdem sei es ratsam, für Social-Media-Aktivitäten einen separaten Rechner zu nutzen, der nicht mit den Firmendaten verbunden ist. „Man hat immer die Wahl, ob man es am Rechner einfach oder sicher haben will“, kommentierte er.

Auf eine lauernde Gefahr in Unternehmen wies er abschließend hin: dass IT-Zuständige sich vorwiegend um Rechner-, Netzwerkprobleme und Schulungen kümmern müssten, so dass ihnen die Zeit fehle, grundsätzliche Sicherheitsmaßnahmen im Auge zu behalten. „Es reicht nicht, sich mit einer IT-Abteilung sicher zu wähnen“, sagte er und warnte: „Jeder Geschäftsführer ist selbst in der Verantwortung, ausreichendes und gutes Fach-Personal zur Abwehr von Cyberangriffen zu beschäftigen.“

Sein Vortrag brachte eine lebhafte Diskussion unter den anwesenden Unternehmerinnen und Unternehmen aus Südniedersachsen ins Rollen. Beim lebhaften Austausch in den Räumen des Sanitätshaus Deppe in Northeim konnten weitere wichtige Fragen zum Thema geklärt werden. „Das ist praxisbezogene Wissensvermittlung, die Unternehmen weiterbringt“, war das Fazit aller.

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