Was tun gegen die Abhängigkeit vom internationalen Rohstoffmarkt?

Am 22. Juli 2021 fand die Sitzung der Kommission Außenwirtschaft des BVMW zum Thema Rohstoffmangel und Lieferprobleme – Abhängigkeit von Lieferketten und Gegenmaßnahmen statt.

In einer aufschlussreichen Diskussion haben die Kommissionsmitglieder mit Bernhard Loos MdB (CSU), Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Energie des Deutschen Bundestages, Dr. Thomas Gäckle, Leiter der Unterabteilung Rohstoffpolitik im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Prof. Dr. Lisandra Flach, Leiterin des ifo Zentrums für Außenwirtschaft und Professorin für Volkswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität München, sowie Ferdinand Munk, Geschäftsführender Gesellschafter der Günzburger Steigtechnik GmbH, Senator h.c. des BVMW, über die Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft vom internationalen Rohstoffmarkt im allgemeinen und der mittelständischen Unternehmen im Besonderen gesprochen.

Die Abhängigkeit Deutschlands von externen Rohstoffen

Thomas Gäckle weist dabei in seiner Präsentation über die Rohstoffstrategie der Bundesregierung darauf hin, dass Deutschland nicht nur der größte Verbraucher ausländischer Rohstoffe ist, sondern darüber hinaus sich völlig abhängig von externen Quellen zeigt. Dies führt natürlich zu Problemen mit China, da es den weltweit dominierenden Akteur bei der Förderung und Verarbeitung von Rohstoffen repräsentiert.

Prof. Dr. Eberhard Sandschneider hebt hingegen die Abhängigkeit von Rohstoffen von China, welche als Druckmittel genutzt wird sowie eine geopolitische Gefahr darstellen kann, hervor. Gäckle nennt in seiner Diskussion über die Rohstoffstrategie der Bundesregierung 2020  vier wichtige Maßnahmenbereiche: die heimischen Rohstoffe, Importe, Kreislaufwirtschaft sowie Nachhaltigkeit und Transparenz.

Bei der Untersuchung des Problems der Rohstoffknappheit bringt Bernhard Loos MdB die Engpässe in der Holz- und Automobilindustrie mit den derzeitigen Export- und Lieferbeschränkungen in Verbindung. Daher fordert er die Schaffung zusätzlicher Produktionskapazitäten für Rohstoffe in der EU. Außerdem empfehlt er die Stärkung und den Ausbau der Kreislaufwirtschaft, da er diese für unverzichtbar hält sowie ein ungenutztes Potenzial in ihr sieht.

Des Weiteren äußert er sich kritisch zum Lieferkettengesetz, auch wenn er einräumt, dass es gleichwohl gewisse Rechtssicherheiten schafft sowie weder zu weiteren Engpässen führt noch nationale Regelungen beeinträchtigt.

Globaler Rohstoffhandel

Prof. Dr. Lisandra Flach hat in einer ifo-Studie festgestellt, dass die Rohstoffknappheit in Deutschland auf mehrere Faktoren zurückzuführen ist. Dazu gehören die geringe inländische Wertschöpfung in Deutschland, die Abhängigkeit von Wertschöpfungsketten, die Diversifizierung von nicht sensiblen Importen, Covid-19, fehlende politische Maßnahmen und die ausländische Herkunft von Rohstoffen. Dabei bemängelt sie wie die Neugestaltung der globalen Lieferketten zu höheren Kosten führt und damit die KMU benachteiligt.

Flach legt dar, dass die Globalisierung unvermeidlich ist und die EU dementsprechend den Warenverkehr innerhalb der EU unterstützen sollte. Daher plädiert sie für die Unterstützung der Politik für Rahmenbedingungen für die KMUs.

Ferner fügt Ferdinand Munk die Rolle der Handelskriege anstatt der Auswirkungen der Corona-Pandemie für die Lieferengpässe bei Rohstoffen hinzu. Demnach empfiehlt er eine stärkere Beteiligung der KMU, auch des BVMW, am politischen Entscheidungsdiskurs.

Zukunft der Rohstoffversorgung

Die Kommissionsmitglieder haben befunden, dass das Problem der Rohstoffknappheit auf die Lieferketten sowie auf die unterentwickelte Kreislaufwirtschaft zurückzuführen ist. Die Neugestaltung und Diversifizierung innerhalb der Lieferketten bringt angesichts der steigenden Kosten vor allem für KMU Probleme mit sich. Daher braucht der Mittelstand sowohl die Unterstützung der Politik für die Setzung von Rahmenbedingungen als auch einen verstärkten Dialog mit der Politik und ihren Entscheidungsträgern. Daher sollte sich der BVMW mehr an den Verhandlungen miteinbringen.

 

Positionspapier: Rohstoffmangel und Lieferprobleme – Abhängigkeit von Lieferketten und Gegenmaßnahmen