Steuern in den USA

Berücksichtigung steuerlicher Besonderheiten in Abhängigkeit von der Investitions- bzw. Vertriebsform für einen erfolgreichen US-Markteinstieg

Die USA sind für deutsche Unternehmen und Investoren weiterhin einer der wichtigsten Absatzmärkte. Die von der US-Regierung eingeleiteten finanziellen Maßnahmen und Stimuluspakte zur Abfederung der wirtschaftlichen Folgen der COVID-19 Pandemie erzeugen kurz- und mittelfristig Chancen am Wirtschaftsstandort USA. Dies gilt besonders für den solide geführten und langfristig ausgerichteten deutschen Mittelstand.

Sobald die Entscheidung gefallen ist, in dem US-Markt aktiv zu werden, stellt sich die Frage nach der optimalen Ausrichtung. Im Allgemeinen stehen die folgenden Investitions- bzw. Vertriebsformen zur Verfügung:

 

  • Export aus Deutschland in die USA
  • Export und Lieferung über Vertriebspartner (ohne US-Tochtergesellschaft)
  • Kooperation mit einem US-Vertriebsunternehmen (ohne US-Tochtergesellschaft)
  • Export über eigenes US-Büro (ohne US-Tochtergesellschaft)
  • Export über eigene US-Tochtergesellschaft
  • Produktion mit der eigenen US-Tochtergesellschaft
  • Joint Venture mit US-Unternehmen
  • Beteiligung an einem US-Unternehmen
  • Akquisition eines US-Unternehmens

 

Die Wahl für einer dieser Investitions- bzw. Vertriebsformen hängt von einer Reihe von wirtschaftlichen und rechtlichen Überlegungen, wie Vertriebs­strukturen, Lieferzeiten, Produktionserfordernisse, Investiti­onserfordernisse, Haftungsbeschränkungen, Zulassungen oder personellen Überlegungen ab.

Neben betriebswirtschaftlichen und rechtlichen Überlegun­gen, die bei der Entscheidung der Investitionsform zum Tragen kommen, spielen auch immer die steuerlichen Folgen einer Ent­scheidung eine fundamentale Rolle für die Gesamtstrategie. In diesem Artikel möchten wir die in der Praxis am häufigsten umgesetzten Investitionsformen und die damit verbundenen steuerlichen Folgen kurz darstellen.

Export und Lieferung über Vertriebspartner (ohne US-Tochtergesellschaft)

Bei Export über einen US-Vertriebspartner liefert das deutsche Unternehmen direkt an den Endkunden. Der US-Vertriebspartner bahnt das Geschäft an und erhält hierfür eine Provision. Es ist darauf zu achten, dass der US-Vertriebspartner nicht ausschließlich für das deutsche Unternehmen tätig ist, um Scheinselbstständigkeit zu vermeiden.

Der Vertrieb durch einen Makler, Kommissionär oder einen an­deren unabhängigen Vertreter, sofern diese Personen im Rah­men ihrer ordentlichen Geschäftstätigkeit handeln, löst gemäß Artikel 5 Abs. 6 des Doppelbesteuerungsabkommen USA-Deutschland („DBA“) keine steuerliche Betriebstätte auf US-Bundesebene aus.

Auch die Direktlieferung von Deutschland in die USA begründet keine steuerliche Betriebsstätte gemäß Artikel 5 DBA und somit auch keinen steuerlichen Anknüpfungspunkt auf US-Bundesebene.

Export über eigenes US-Büro (ohne US-Tochtergesellschaft)

Ein eigenes Büro gilt als feste Geschäftseinrichtung gemäß Artikel 5 Abs. 1 DBA und löst dadurch eine US-steuerliche Betriebsstätte aus. Absatz 2 DBA nennt als „Betriebstät­ten“ insbesondere den Ort der Leitung, eine Zweigniederlas­sung, eine Geschäftsstelle, eine Fabrikationsstäte oder eine Werkstätte.

Dagegen löst die Einrichtung eines Warenlagers, z.B. durch einen Drittanbieter, um Kunden vor Ort in den USA schneller beliefern zu können, oder ein Konsignationslager beim US-Kunden, keine US-Betriebsstätte aus. Dies ist explizit in Artikel 5 Abs. 4 DBA ausgeschlossen.

Es ist aber zu beachten, dass die Regelungen des DBA nur auf Bundesebene gelten, und nicht auf Bundesstaatenebene. Auf Bundesstaatenebene knüpft die Steuerpflicht daran an, dass eine wirtschaftliche bzw. physische Präsenz („Nexus“) begründet wird. Dies ist i.d.R. bei einem Warenlager der Fall.

Eine weitere Steuerfalle, die oft nicht beachtet wird, betrifft das Thema der Vollmacht. Mitarbeiter, die eine Bevollmächtigung zum Abschluss von Verträ­gen für das deutsche Unternehmen haben, begründen eine US-Betriebsstätte, sofern diese Voll­macht in den USA im Rahmen der gewöhnlichen Tätigkeit dieser Person ausgeübt wird. Dies bedeutet, dass die deutsche Gesellschaft mit ihren Betriebsstättengewinnen der US-Bundesbesteuerung als auch der US-Bundesstaatenbesteuerung unterliegt. Damit verbunden sind steuerliche Registrierungs- und Offenlegungspflichten.

Exkurs: „Schutzsteuererklärung“

Als „Schutzsteuererklärung“ („Protective Tax Return“) bezeichnet man die vorsorgliche Abgabe einer Steuererklärung und zwar in jenen Fällen, in denen Unsicherheit darüber besteht, ob der Tatbestand der Betriebsstätte i.S.d. Artikel 5 DBA erfüllt ist (Federal Tax) oder um Rechtssicherheit zu schaffen. Diese Meldung wird zusammen mit Formular 8833 („Treaty-based Return Position“) zur Gel­tendmachung der Abkommensvergünstigung durchgeführt.

Es ist aber auch die Steuer- und Erklärungspflicht für den jeweiligen US-Bundesstaat zu prüfen. So kann es z.B. sein, dass eine Steuerbefreiung auf Bundesebene vorliegt, da keine US-Betriebsstätte begründet wird, aber eine Steuerpflicht auf Bundesstaatenebene durch eine Nexus-auslösende Tätigkeit besteht. Die meisten Bundesstaaten knüpfen an die Bemessungsgrundlage des Bundes an. Fällt, wie zuvor beschrieben, keine Steuer auf Bundesebene an, dann kann unter Umständen die Steuer auf Bundesstaatenebene auch null sein.

Die Abgabe einer Schutzsteuererklärung dient zudem zur Sicherung des Erhalts des Betriebsausgabenabzugs, zur Si­cherung des Anlaufens der Festsetzungsverjährung sowie zur Vermeidung von Bußgeldern.

Export über eigene US-Tochtergesellschaft

Die Gründung einer US-Tochtergesellschaft sollte vor allem dann in Betracht gezogen werden, wenn nachhaltige US-Geschäftsbeziehungen angestrebt werden. Wir beobachten sehr häufig, dass US-Kunden grundsätzlich Geschäftsbeziehun­gen mit US-Unternehmen bevorzugen und vielfach Vertragsab­schlüssen direkt mit „ausländischen“ Unternehmen skeptisch gegenüberstehen. Dies hat neben rechtlichen Gründen wie etwa Ort des Gerichtsstandes auch praktische und emotionale Grün­de: US-Ansprechpersonen, eine US-Adresse und Telefonnummer vermitteln das Gefühl der Greifbarkeit bei Fragen oder Rekla­mationen. Des Weiteren wird durch eine US-Gesellschaft anti­zipiert, dass Lieferungen bei kurzfristigem Auftrag möglich sind und somit eine gewisse Flexibilität gegeben ist. Die Faustregel ist, dass ein Unternehmen auf dem US-Markt nur dann langfris­tig erfolgreich sein wird, wenn es als US-Unternehmen auftritt. Ob das Tochterunternehmen als reine Vertriebsgesellschaft (mit oder ohne Lager) oder Produktionsgesellschaft agiert, hängt in erster Linie von betriebswirtschaftlichen Faktoren und weniger von steuerlichen Gesichtspunkten ab.

Im nächsten Schritt stellt sich die Frage der Rechtformwahl. Faktoren für diese Entscheidung sind neben der Gesamtsteu­erbelastung (USA und Deutschland, sowie US-Bundesstaatliche Steuerbelastung) auch Haftungsbeschränkungen, Art und Prä­ferenzen des Gesellschafterkreises (Publikumsgesellschaft vs. Familienunternehmen), die Finanzierung, US-Nachlasssteuer, Joint Venture bzw. US-Partner-Beteiligung sowie laufende Steuerdeklarations- und Betreuungskosten. Aus steuerlicher Sicht sind Steuervergleichsrechnungen anzustellen, um hier die steueroptimalste Struktur zu identifizieren, auch wenn diese Überlegungen zumindest einigen der genannten Kriterien un­tergeordnet sind.

Fazit

Die Wahl der Investitions- bzw. Vertriebsform hängt von der strategischen Ausrichtung des Unternehmens ab, die auf mehrere Faktoren basiert. In der Praxis sehen wir neben Unternehmen, die von Anfang an entschlossen sind, nachhaltig in den USA tätig zu werden, etwa durch die Gründung eines Vertriebs- oder Produktionsstandortes, auch solche, die Schritt für Schritt, auch unter der Minimierung des Risikos und der Kosten, den US-Markt erschließen, indem zuerst aus Deutschland geliefert oder ein lokaler Vertriebspartner eingebunden wird und erst zu einem späteren Zeitpunkt die Gründung einer US-Tochtergesellschaft erfolgt.

Zudem ist es auch wichtig, bei dem Schritt in die USA auf erfahrene Partner und Berater zu setzen, die über langjährige Erfahrungen im Zusammenhang mit dem Aufbau einer US-Vertriebsstruktur und der Gründung einer US-Gesellschaft verfügen, um rechtliche und steuerliche Themen angemessen zu berücksichtigen.

Oliver Hecking, Partner, Steuerberater und CPA, Rödl & Partner USA

Als Partner bei Rödl & Partner USA ist Oliver Hecking mitverantwortlich für die Niederlassungen Charlotte, NC und Greenville, SC (Carolina Practice). Herr Hecking verantwortet die Betreuung deutschsprachiger mittelständischer Unternehmen in den Bereichen Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung. Als deutscher Steuerberater und US-Certified Public Accountant betreut Herr Hecking seit mehr als 20 Jahren die Firmen aller Industrien von ihrem Markteintritt in die USA, über deren steuerliche Strukturierung und laufenden Steuerberatung bis hin zur Jahres- und Konzernabschlussprüfung.

Über Rödl & Partner USA

Rödl & Partner ist die führende deutsche multidisziplinäre Beratungsgesellschaft mit weltweiter Präsenz an 106 eigenen Standorten in 48 Ländern. Unseren dynamischen Erfolg in den Bereichen Wirtschaftsprüfung, Rechtsberatung*, Management- und IT-Beratung, Steuerberatung sowie Steuererklärung und BPO verdanken wir unseren 5.200 unternehmerisch denkenden Kollegen. Rödl & Partner USA bietet Dienstleistungen in den Bereichen Buchhaltung, Wirtschaftsprüfung, Steuer- und Unternehmensberatung an, die speziell auf die besonderen Bedürfnisse von deutschen mittelständischen Unternehmen zugeschnitten sind. Seit mehr als 45 Jahren betreuen wir von unseren Niederlassungen in Atlanta (GA), Birmingham (AL), Charlotte (NC), Chicago (IL), Detroit (MI), Greenville (SC), Houston (TX) und Manhattan (NY) aus Tochtergesellschaften deutscher Unternehmen, die in den USA tätig sind.

*Die Niederlassungen von Rödl & Partner in den USA erbringen keine rechtlichen Beratungsleistungen.

Kontakt

E-Mail: Oliver.Hecking@roedlUSA.com

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