5 Tipps auf Ihrem Weg in Richtung Klimaneutralität

Klimaneutralität – also der emissionsfreie Geschäftsbetrieb – ist ein komplexes Thema und Unternehmen sind gut beraten, sich vertieft mit der Reduktion betrieblicher Emissionen zu beschäftigen.

5 tipps zur klimaneutralität

Leider betrachten auch heute noch viele Unternehmen Klimaneutralität als PR-Thema – öffentlichkeitswirksam verkünden sie, dass sie bereits CO2-neutral wirtschaften, da sie ihre Emissionen kompensieren.

Die Kompensation negativer Emissionen ist grundsätzlich ein positiver Schritt. Sie erfolgt jedoch erst auf der dritten Stufe nachdem geprüft wurde, inwiefern Emissionen grundsätzlich vermieden (Stufe 1) oder reduziert (Stufe 2) werden können. Denn die Strategie der Kompensation belässt alles beim Alten, tastet weder Technologien noch Prozesse an und erhöht die Kosten. Durch Vermeidung und Reduktion hingegen können Sie Kosten durch eine effektive Minderung des Verbrauchs nachhaltig senken und so positiven Einfluss auf die Rentabilität Ihres Unternehmens nehmen.

Unsere 5 Tipps werden Ihnen dabei helfen, das Thema Klimaschutz im Unternehmen ganzheitlich zu betrachten und von der reinen Kompensation von Emissionen auf die wichtigen Stufen 1 und 2 zu gelangen, damit Sie effektiv Kosten senken und Emissionen einsparen können.

 

1. Beginnen Sie mit einer Bestandsaufnahme

Sicherlich haben Sie in Ihrem Unternehmen bereits verschiedene Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz umgesetzt. Aber wo genau stehen Sie gerade? Wie ist der aktuelle Status? Um dies herauszufinden, müssen wir keinen weiten Blick in die Vergangenheit werfen und prüfen, nach welchen Kriterien Sie die bisherigen Maßnahmen ausgewählt und umgesetzt haben.

Relevanter ist eine komplette Bestandsaufnahme des Ist-Zustandes. Hierfür können Sie beispielsweise das Werkzeug der Potenzialanalyse nutzen. Dabei werden Daten in bis zu 18 Effizienzkategorien erhoben und deren Wechselwirkung detailliert analysiert. Nicht alle Kategorien haben bei jeder Branche und bei jeder Unternehmensgröße die gleiche Wirkung. Betrachten Sie deshalb unbedingt Maßnahmen im Zusammenhang: Der Aufbau einer Ladeinfrastruktur zur Förderung der Elektromobilität ist sinnvoll, wenn gleichzeitig Lastmanagement und Energieeinkauf/Energieerzeugung berücksichtigt werden!

 

2. Setzen Sie sich realistische Reduktionsziele

Formulieren Sie ein klares Ziel der geplanten Maßnahmen: Möchten Sie Ihre Kosten reduzieren, die Anforderungen von Gesetzgeber und/oder Großkunden erfüllen oder gar klimaneutrales Unternehmen werden? Haben Sie einen Fahrplan zur Erreichung Ihrer primären Ziele formuliert oder diese gar erreicht, können Sie den Fokus sogar erweitern: Nehmen Sie Ihre Lieferanten, Kunden und Mitarbeiter mit auf die Reise, betrachten Sie die komplette Wertschöpfungskette!

Neben der inhaltlichen Definition von Zielmarken sollten Sie sich immer auch Gedanken darüber machen, in welchem zeitlichen Horizont Sie Ihre Ziele erreichen möchten: Welchen Zeitrahmen setzen Sie sich und können Sie die zeitlichen und finanziellen Ressourcen zur Verfügung stellen?

 

3. Analyse und Bewertung

Wenn Sie Ihren Ist-Zustand verortet und sich konkrete Ziele gesetzt haben, können sie mit der Analyse beginnen. Empfehlenswert ist ein Vorgehen in zwei Stufen:

 

  • Stufe 1: Nutzen Sie ein Werkzeug zur Schnellanalyse, um einfach und zielgenau Handlungsfelder zu identifizieren, in denen Effizienzmaßnahmen den größten Erfolg versprechen. Beispielsweise bietet sich hierfür die Potenzialanalyse an, deren Ergebnisse direkt online verfügbar sind und deren Auswertung bereits potenzielle Maßnahmenbereiche aufzeigt.
  • Stufe 2: Basierend auf den Ergebnissen der Schnellanalyse sollten Sie in den für Sie relevanten Bereichen weiter in die Tiefe gehen. Dokumenten- und Standortanalysen ermöglichen es, alle Potenziale aufzudecken und darauf aufbauend Planungen und Abläufe zu modellieren. Am Ende dieses Prozesses sollte ein detailliertes Energie-Gutachten stehen, das alle relevanten Potenziale hinsichtlich relevanter KPIs wie Amortisationsdauer, Rendite und Opportunitätskosten darstellt und priorisiert und so die Basis für einen Umsetzungsplan liefert.

 

 

4. Vergabe und Finanzierung

Die Komplexität in den Bereichen Nachhaltigkeit und Energieeffizienz begründet sich nicht nur darin, dass möglicherweise Maßnahmen in verschiedenen Bereichen zum Tragen kommen, sondern auch darin, dass es sehr viele Spieler am Markt gibt. Wie lässt sich deren Qualität und Eignung beurteilen? Welche Reihenfolge ist sinnvoll? Wie lassen sich Investitionen und Maßnahmen finanzieren? Gibt es Fördermöglichkeiten?

Als Startpunkt sollten Sie deshalb stets von den eigenen Bedarfen ausgehen. Die detaillierte Analyse und das Energie-Gutachten werden Ihnen hierbei helfen. Über Ihren Energieberater oder eine Energieeffizienz-Plattformen können Sie sich dann über Kontakte zu entsprechenden Umsetzungspartnern informieren. Plattform-Lösungen bieten hierbei den Vorteil, dass sie das Know-how von Branchenexperten aus den verschiedensten Segmenten vereinen. Auf diese Weise können Sie Ihre Maßnahmen im Zusammenhang betrachten und umsetzen.

Für die Umsetzung von Effizienzmaßnahmen können Sie oftmals auf attraktive Förderprogramme der Bundesregierung zurückgreifen. Zuständig hierfür ist in den meisten Fällen das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Beispielsweise übernimmt das BAFA für kleine und mittelständische Unternehmen bis zu 80% der Kosten für eine Energieberatung: https://www.deutschland-machts-effizient.de/KAENEF/Redaktion/DE/Foerderprogramme/C-energieberatung-im-mittelstand.html

 

5. Integrieren Sie bereits zu Beginn ein Konzept zur Erfolgskontrolle

Energieeffizienzmaßnahmen zeichnen sich dadurch aus, dass sich die Wirkung im Vorfeld berechnen und nach Umsetzung messen lässt! Eine Erfolgskontrolle ist also Teil jeder einzelnen Maßnahme: kommt das BHKW auf die geplante Anzahl Betriebsstunden und erzeugt es die erwartete Wärmemenge? Oder fällt es vor allem dadurch auf, dass es kaum Wartungskosten verursacht, weil es nicht läuft? Gibt es überhaupt Messtechnik, um eine Erfolgskontrolle sicherzustellen? Denken Sie deshalb bereits bei der Planung Ihres Vorhabens daran, einen festen Evaluationsplan für Ihre Effizienzmaßnahmen zu implementieren. Denn nur so können Sie prüfen, ob die Maßnahmen tatsächlich das zuvor berechnete Ergebnis erbracht haben, oder ob an entscheidenden Stellen nachgesteuert werden muss. Dies wird Ihnen nicht nur dabei helfen, Ihr Geld gezielter zu investieren, sondern vereinfacht auch die Planung zukünftiger Effizienzvorhaben. Betrachten Sie die Steigerung der Energieeffizienz in Ihrem Unternehmen nicht als linearen Prozess, sondern als Kreislauf. Nach der Implementierung und Evaluation bestehender Projekte werden Sie auf der Basis der gesammelten Erfahrungen gezielt neue Maßnahmen planen können.

 

Kontakt:
Ulrich Boldt
Geschäftsführer
Europäische Plattform für Energieeffizienz eG
www.energietech.org
Mail: boldt@energietech.email
Tel.: 0341-21820100