Fachkräftemangel verschärft sich trotz hoher Nachfrage unaufhaltsam we

Das Fachkräftebarometer der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bewertet jedes Quartal, wie sich der Fachkräftemangel auf die Geschäftstätigkeit der Unternehmen auswirkt. Die Daten werden aus den Auswertungen der ifo-Konjunkturumfragen erhoben.

Die Liste negativer Einflussfaktoren auf die deutsche Konjunktur ist lang. Zwei Jahre Pandemie und der nunmehr seit drei Monaten andauernde Krieg in der Ukraine haben die Konjunkturprognosen deutlich eingetrübt. Neben den akuten Herausforderungen, wie den Lieferengpässen bei Rohstoffen, die Energie- und Materialpreissteigerungen und die auf breiter Front geradezu explodierenden Verbraucherpreise, sieht sich die deutsche Volkswirtschaft mit zahlreichen langfristigen Problemstellungen konfrontiert. Insbesondere in der Digitalisierung hinkt Deutschland im europäischen Vergleich deutlich hinterher, die Frage nach neuem Wohnraum in den Ballungsräumen ist nur ungenügend geklärt und hohe Investitionen in die öffentliche Infrastruktur stehen an.

Demografische Entwicklung spitzt sich zu

Dennoch stellt die Alterung der Bevölkerung das wohl gravierendste Problem für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft dar. Seit dem Jahr 1991 hat sich die Zahl der in Deutschland Lebenden im Rentenalter um mehr als 50 Prozent erhöht. Dieser Trend setzt sich rasant fort. Währenddessen geht die Zahl der Personen im Erwerbsalter leicht zurück. Mit dem Renteneintritt der Babyboomer verschärft sich das Ungleichgewicht zwischen Erwerbstätigen und Rentnern weiter. Gleichzeitig steigt in der Gesundheits- und Pflegebranche sowie in der Kinderbetreuung und Bildung der Fachkräftebedarf, um nur einige besonders betroffene Branchen hervorzuheben.

Trotz voller Auftragsbücher verzeichnen Vakanzen ein Rekordhoch

Wie brisant der Mangel an Fachkräften bereits jetzt schon ist, zeigt die Zahl an offenen Stellen, die trotz der Pandemie und des Ukraine-Krieges ein Rekordhoch verzeichnen. Im April 2022 wurden der Bundesagentur für Arbeit die höchste Zahl an offenen Stellen seit der Wiedervereinigung gemeldet. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung berechnete, dass es im ersten Quartal 2022 1,7 Millionen offene Stellen gab und damit der Fachkräftemangel seinen bisherigen Höhepunkt erreicht hat. Das hat unmittelbare Folgen auf Unternehmen, deren Auftragsbücher bereits voll sind. Beispielsweise im Bauhauptgewerbe ist das Plateau an Aufträgen so hoch wie zuvor seit der Wiedervereinigung. Der Auftragsstau am Bau ist damit größer als zur Hochzeit des Aufbaus Ost.

Mangel an Fachkräften bedroht die Geschäftstätigkeit der Unternehmen

Über 40 Prozent der Unternehmen, die im Zuge des KfW-ifo-Fachkräftebarometers untersucht wurden, verzeichnen eine Beeinträchtigung ihrer Geschäftstätigkeit durch den Fachkräftemangel. Bei den Branchen sind mit 60 Prozent am stärksten betroffen Rechts- und Steuerberater, Wirtschaftsprüfer sowie Architektur- und Ingenieurbüros. Unter den Herstellern von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen, von Druckerzeugnissen und Unternehmen zur Vervielfältigung von Ton-, Bild-, und Datenträgern sowie im Landverkehr, aber auch in der Gastronomie und im Beherbergungsgewerbe, beklagen mehr als die Hälfte der Unternehmen fehlendes Personal.

Zuwanderung kann das Problem nur bedingt lösen

Die qualifizierte Zuwanderung, die die Hälfte der Erwerbsbevölkerung befürwortet, kann die immer größere werdende Lücke an Fachkräften nicht vollständig schließen. Laut vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamts wanderten zwar per Saldo 317.000 Menschen nach Deutschland ein, aber überdurchschnittlich viele davon arbeiten als Hilfskräfte. Der Grund:  mangelnde Deutschkenntnisse.

Die Ergebnisse aus dem jüngsten Fachkräftebarometer zeigen, dass Deutschland eine fundierte Fachkräftestrategie braucht. Schon jetzt droht sich das Wachstumshemmnis Fachkräftemangel zu einem immer größer werdenden Arbeitskräftemangel auszuweiten. Dass dies nicht ohne unerwünschte Rückwirkungen auf unseren Wohlstand bleibt, ist selbsterklärend.