Personalarbeit der Zukunft: Mitarbeiterbindung statt Neugewinnung

Der Fachkräftemangel dominiert den Arbeitsmarkt in bedrohlichem Ausmaß, dabei sind nicht alle Branchen gleichermaßen betroffen. Der Mangel an qualifizierten Bewerber:innen wird eines der größten Hemmnisse für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen ...

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Mit der sukzessiven Aufweichung der Präsenzkultur in deutschen Büros hat sich die Art der Zusammenarbeit grundlegend geändert. Immer mehr Beschäftigte nutzen die Möglichkeit der Heimarbeit und bleiben dem Büro fern. Die Kultur der Präsenzarbeit, die in deutschen Büros vor der Coronapandemie vorherrschte, wird es in der Form nicht mehr geben. Das mobile Arbeiten ist gekommen, um zu bleiben. Die Arbeitswelt der Zukunft ist hybrid, das heißt, ein Teil der Belegschaft ist im Büro, der andere Teil im Homeoffice oder arbeitet gar aus dem Ausland. Um den Fachkräftemangel zu bewältigen, kommt Unternehmen die zentrale Aufgabe zu, die Fluktuation von Mitarbeitenden so gering wie möglich zu halten und diese langfristig an sich zu binden. Die Rahmenbedingungen dafür sind äußerst schwierig, denn im Kampf um qualifizierte Arbeitskräfte, dem war for talents, liegt die Entscheidungsmacht immer häufiger bei Arbeitnehmer:innen und weniger bei Arbeitgeber:innen.  Zudem entwickelt sich der regelmäßige Wechsel der Arbeitsstelle in manchen Branchen zu einer gängigen Praxis – dem sogenannten Job-Hopping. Aktuelle Studien zeigen, dass Hochschulabsolvent:innen, die heute in den Arbeitsmarkt eintreten, im Laufe ihres Berufslebens zwölf bis fünfzehn verschiedene Arbeitsstellen haben werden.  

Emotionale Bindung zum Arbeitgeber als Schlüssel zum Erfolg 

Das Spannungsverhältnis für Unternehmen: Mitarbeitende kommen wegen der Firma, sie bleiben wegen der Tätigkeit und gehen wegen der Führungskraft. Daher sollten sich Unternehmen anhand eines durchdachten Employer Brandings als attraktive Arbeitgeber positionieren. Spannende und abwechslungsreiche Aufgaben, die Raum zur Verwirklichung bieten, können Mitarbeiter:innen zum Bleiben bewegen. Dagegen gehört die Unternehmenskultur, insbesondere das Verhalten der Führungskraft, zu den Hauptgründen, eine Firma zu verlassen, wenn diese nicht mit den Vorstellungen der Arbeitnehmer:innen übereinstimmt.  Das forschungsbasierte Beratungsunternehmen Gallup, welches sich auf die Schnittstelle zwischen Ökonomie und Psychologie fokussiert, erstellt in einem jährlichen Turnus den renommierten Engagement-Index und beleuchtet durch Fragen zum Arbeitsplatz und -umfeld die emotionale Bindung der Mitarbeitenden zum Arbeitgeber. Die Ergebnisse zeigen, dass Arbeitnehmende sich mit ihrem Unternehmen nur wenig verbunden fühlen. Rund zwei Drittel und damit die Mehrheit aller Beschäftigten machen “Dienst nach Vorschrift”. Genau dort muss aber der Arbeitgeber ansetzen und die nötigen Stellschrauben betätigen, um Mitarbeitende halten zu können. Denn im Gegensatz zur Suche und Rekrutierung von neuen Beschäftigten ist deren Bindung weniger kosten- und zeitintensiv. 

Betriebliches Gesundheitsmanagement stärkt Mitarbeiterbindung  

Um eine wertschätzende Unternehmenskultur aufzubauen, ist das betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) ein zukunftsweisender Schlüssel. Das BGM setzt bei den vier Kernthemen Bewegung, Ernährung, Sucht und Stress an. Die größte Wirkung kann erzielt werden, wenn das betriebliche Setting, also beispielsweise der Gesundheits- und Arbeitsschutz mit dem privaten Setting, wie einer Zahnzusatzversicherung, verbunden wird. Das Leitprinzip für Arbeitgeber ist laut Koalitionsvertrag Vorsorge und Prävention. Mit einem aktiven BGM können die Bindung der Mitarbeitenden gesteigert und Fehltage vermindert werden.  Nun da man weiß, dass 80 Prozent der Fehltage lifestylebedingt sind, kann mit präventiven Maßnahmen viel erreicht werden. Insbesondere männliche Arbeitnehmer investieren deutlich weniger Zeit in ihre Gesundheitsvorsorge. Mit einfachen spielerischen Ansätzen, wie zum Beispiel einer Schritte-Challenge, können Mitarbeitende, bei gleichzeitiger Stärkung des Wir-Gefühls, zu mehr Bewegung animiert werden.

Hat das betriebliche Kollegium vor der Coronapandemie für Beschäftigte oftmals ein wichtiges soziales Gefüge oder gar eine Ersatzfamilie dargestellt, so kann dieses Zusammengehörigkeitsgefühl durch vermehrt getrennt arbeitende Teams verloren gehen und die Identifikation mit dem Unternehmen abnehmen. Insbesondere Führungskräfte sollten nun mit Wertschätzung und Kommunikation aktiv für einen stärkeren Zusammenhalt im Team sorgen. Durch Teambuilding-Maßnahmen, aber auch durch den internen Wettbewerb können die Bedürfnisse der Mitarbeitenden, wie sich miteinander zu messen, gemeinsam Erlebnisse zu schaffen oder Erfolge zu feiern, umgesetzt werden. Durch digitale Anwendungen können gleichermaßen alle Mitarbeiter:innen, obgleich sie im Homeoffice arbeiten oder überwiegend im Büro tätig sind, einbezogen werden. Der Entfremdung von der Betriebsumgebung kann damit entgegengesteuert und die emotionale Bindung zum Unternehmen gesteigert werden.  

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