Forderungen zur besseren Vereinbarkeit von Pflege und Beruf

Die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf ist ein bedeutendes Thema, dass durch die steigende Anzahl pflegebedürftiger Menschen sowie vermehrter körperlicher und psychischer Belastung der Pflegenden zunehmend an Bedeutung gewinnt.

symbolbild vereinbarkeit pflege und beruf

Rund 4,3 Millionen Menschen sind derzeit in Deutschland pflegebedürftig, wovon circa 80 Prozent von zu Hause aus gepflegt werden. Die Pflegenden sind in rund 74 Prozent der Fälle erwerbstätig, was bei durchschnittlich zwölf Stunden Pflegezeit eine signifikante zeitliche Mehrbelastung bedeutet. Insbesondere durch Gefühle wie Einsamkeit und Verzweiflung (bei 51 bzw. 30 Prozent der Beschäftigten) wird der körperliche und mentale Gesundheitszustand stark beansprucht. Um der Mehrbelastung entgegenzuwirken, können Erwerbstätige durch ein effektives betriebliches Gesundheitsmanagement unterstützt werden. Auch ist eine gesteigerte digitale Kommunikation und Vernetzung innerhalb des Unternehmens von Bedeutung.

Insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen können sich hierbei als attraktiver Arbeitgeber präsentieren, indem sie auf die benötigte Flexibilität und Sensibilität, die das Thema Pflege von Angehörigen erfordert, eingehen. Die Förderung familienfreundlicher Arbeitsbedingungen erweisen sich nicht nur als Maßnahme gegen den Fachkräftemangel, sondern auch als entscheidender Wettbewerbsfaktor, da Unterstützungsmöglichkeiten oft gleichwertig mit der Höhe des Gehaltes bewertet werden.

bvmw positionspapier vereinbarkeit von pflege und beruf
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Gezielte Unterstützungsmöglichkeiten und Flexibilität haben zudem Einfluss auf den Kompetenzabfluss der Erwerbstätigen. Sinkender Leistungsfähigkeit, geringer Einsatzbereitschaft und erhöhten Krankheitstagen kann hierbei entgegengewirkt werden.

Zudem wird von politischer Seite eine unterstützende Funktion benötigt. Zunächst sollen Publikationen zur Vereinbarkeit von Pflege und Beruf einheitlicher und schneller veröffentlicht werden. Derzeit sind die Zahlen weitestgehend veraltet und unvollständig. Weiterhin sollte „Pflege und Beruf“ nicht mit „Familie und Beruf“ gleichgesetzt werden, da unterschiedliche Unterstützungsformen benötigt werden und unterschiedliche Rahmenbedingungen vorliegen. Pflegende Erwerbstätige sollten finanziell entlastet werden, indem sie Ausgaben in Form von außergewöhnlichen Belastungen geltend machen können. Unternehmen sollten finanzielle Entlastung durch Einsparung bei den Abgaben für die Sozialversicherung erhalten sowie staatliche Förderungen wie etwa beim Errichten von Tagesbetreuungsstätten. Weiterhin sollten Investitionen für digitale Mitarbeiter-Services berücksichtigt werden, da die Nutzung digitaler Angebote während der Corona Pandemie um rund 41 Prozent zugenommen hat.   

Weitere Forderungen finden Sie in unserem Positionspapier:

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