Betriebliche Altersvorsorge ist Chefsache

Die betriebliche Altersvorsorge (bAV) kann sehr hilfreich sein, um Mitarbeiter zu gewinnen und zu binden. Finanziert wird sie über Versicherungen. Doch wer haftet?

sparschwein
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Zum Jahresende erhielten Unternehmen verstärkt Anfragen, inwieweit sie schon alles für die Mitarbeiterbindung getan haben und ob sie ihren Pflichten aus dem Betriebsrentenstärkungsgesetz nachgekommen sind. Ebenso wurde erfragt, ob die Mitarbeiter darüber informiert sind, dass sie den ab 2021 entfallenden Solidaritätszuschlag im Rahmen eines weiteren Versorgungsaufbaus zum „Nulltarif“ einsetzen können. Teilweise wurden auch Möglichkeiten zur Lohnkostenoptimierung ins Spiel gebracht, ohne zu beachten, dass sich hier die rechtlichen Spielregeln erheblich verändert haben. Das Heer der Vermittler von Versicherungsprodukten stellt sich dem Unternehmer zur Verfügung, um ihn zu entlasten. Nur, wird er wirklich entlastet, oder werden hier unbemerkt zusätzliche Belastungen eingebaut? Die Schieflage bei den Pensionskassen sowie diverse Urteile der Arbeitsgerichte sprechen eine eindeutige Sprache: Der Arbeitgeber haftet.

Bilanz und Fehlbetrag

Die bAV ist einer der komplexesten Beratungsbereiche mit viel Arbeitsrecht. Sie hat zunächst überhaupt nichts mit Versicherungsfragen zu tun. Die Versicherung ist nur ein Instrument, über das der Arbeitgeber seine gegebene Zusage finanziert. Es ist der Vertrag des Arbeitgebers. Er und kein anderer entscheidet über das Wie und mit wem, übrigens auch bei der Entgeltumwandlung seiner Mitarbeiter, und dies ebenso, wenn der Mitarbeiter den Vertrag vom vorherigen Arbeitgeber mitbringt. Ein Umstand, der den meisten Unternehmern nicht bewusst ist und der ihnen gegenüber auch nicht kommuniziert wird. Wenn das Finanzierungsinstrument nicht das einhält, was der Unternehmer versprochen hat, muss er den Fehlbetrag auffüllen. Den Ausdruck „Fehlbetrag“ kennen die meisten Unternehmer nur in Verbindung mit der eigenen bAV in Form der Direktzusage. Diese wurde in den letzten Jahren meist fälschlich verteufelt, da sie die Bilanz berührt. Es wurde daher lieber zu anderen Produkten wie Direktversicherung, Pensionskassen, Pensionsfonds und Unterstützungskassen gegriffen, damit vermeintlich keine Bilanzberührung vorliegt. Dies hat sich jedoch seit 2010 geändert, mit der Folge, dass es zur Fehldarstellung der wirtschaftlichen Verhältnisse kommt.

Guter Rat ist unabhängig

Die bAV ist nach wie vor ein gutes Instrument zur Mitarbeitergewinnung und Mitarbeiterbindung. Aber sie sollte Chefsache sein. Denn bei ihm und bei keinem anderen, auch nicht bei der Versicherung, liegt die Haftung. Für eine Beratung sollte sich der Unternehmer fachliche und unabhängige Kompetenz in sein Team holen. Ob diese bei rein versicherungsorientierten Fachberatern zu finden ist, muss jeder Unternehmer selbst entscheiden.

 

Gut zu wissen

 

  • Für Fehlbeträge aus untergedeckten Versicherungen haftet der Arbeitgeber. Sie müssen in der Bilanz ausgewiesen werden
  • Mit einem betrieblichen Sparbuch kann der Arbeitgeber die bAV wieder ganz in seinen Entscheidungsbereich zurückholen

 

Paul Hohenstein
Mitglied der BVMW Kommission Steuern und Finanzen
Geschäftsführer DGVK mbH

www.dgvk.org