Hybrides Arbeiten – Haben Büroräume ausgedient?

Nachdem das Homeoffice zur Normalität geworden ist, werden Stimmen laut, die vielfach einen Abgesang auf das Büro anstimmen. Kann Heimarbeit das Büro wirklich gänzlich ersetzen – und was würde das für Unternehmen und Mitarbeitende bedeuten?

.

Corona hat gezeigt: Viele Berufe und Tätigkeiten sind auch aus dem Homeoffice möglich. Zahlreiche Umfragen machen deutlich, dass ein großer Teil der Beschäftigten auch weiterhin von zu Hause aus arbeiten möchte. Wie genau die Regelungen für hybrides Arbeiten umgesetzt werden, ist von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich. Insgesamt zeigt sich jedoch, dass New Work Konzepte – wie der jüngste Digitalisierungsbericht der Telekom verdeutlicht – für viele Unternehmen eine deutlich größere Rolle spielen und auch ohne pandemiebedingte Heimarbeit beibehalten werden sollten. Knapp zwei Drittel der befragten mittelständischen Unternehmen wollen ihren Beschäftigten bei der Auswahl ihres Arbeitsplatzes mehr Flexibilität ermöglichen. Ihnen entstehen dadurch neue Optionen, Privatleben und Beruf zu vereinen. Wenn Unternehmen derartige Konzepte umsetzen, können sie zudem beim Recruiting punkten.  

Anteil der Heimarbeit gestiegen, Büros aber weiterhin sinnvoll 

Wenn immer mehr Beschäftigte im Homeoffice arbeiten wollen, hat dies auch Auswirkungen auf die Rolle des Büros. Erkenntnisse aus Erhebungen großer Immobilienunternehmen deuten darauf hin, dass bei einer Zunahme der Tätigkeit im Homeoffice um 15 Prozent, die Nachfrage nach Büroräumen um ein Zehntel zurückgeht. Hat das Büro also langfristig ausgedient? Zwar finden sich unterschiedliche Stimmen auf diese Frage, doch können und wollen nicht alle Beschäftigten einheitlich ausschließlich den heimischen Arbeitsplatz nutzen. Flexibilität ist sicherlich ein großer Pluspunkt neuer Arbeitsmodelle, gänzlich auf Homeoffice zu setzen, scheint allerdings nicht die optimale Lösung zu sein. Einigen fällt es leichter, anfallende Aufgaben aus dem Büro heraus zu erledigen, um beispielsweise Motivationstiefs zu vermeiden. Zudem verschwimmen im Homeoffice für viele Beschäftigten die Grenzen zwischen Privatem und Beruflichem – eine Entwicklung, die häufig als Belastung wahrgenommen wird. 

Büros und deren Ausgestaltung können auch zur Produktivität und Zufriedenheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beitragen. Räumlichkeiten vollständig aufzugeben, um Miete, Energiekosten oder Ausstattung zu sparen, scheint daher nicht zielführend. Auch wenn niedrigere Kosten für Unternehmen einen Vorteil darstellen, trägt der regelmäßige persönliche Kontakt zur Mitarbeiterbindung, Produktivitätssteigerung und Erhöhung der Innovationsfähigkeit bei. Im Homeoffice kann insbesondere die Bindung zum Unternehmen aber abnehmen, wie beispielsweise eine Studie von Microsoft zu den Auswirkungen des mobilen Arbeitens zeigt. Insbesondere den persönlichen Austausch mit Kolleginnen und Kollegen können digitale Kommunikationstools nicht vollkommen ersetzen. 

Bürokapazitäten an den individuellen Bedarf der Mitarbeitenden anpassen 

Ob es sinnvoll ist, Büroräume zu reduzieren oder umzustrukturieren, muss jedes Unternehmen individuell entscheiden. Dazu lohnt es sich, Daten zu erheben oder, sofern bereits vorhanden, diese auszuwerten. Nur so erhalten Unternehmen Aufschluss darüber, ob sich eine Umstrukturierung des Bürokomplexes lohnt. Dabei sollten auch Unternehmensziele und die Unternehmenskultur, das Wohlbefinden und die Wünsche der Beschäftigten sowie mögliche Einschränkungen aufgrund der räumlichen Gegebenheiten berücksichtigt werden.  

Lesen Sie jetzt: