Interview | Potenziale für KMU im Wasser- & Abwassersektor

Welchen Beitrag können mittelständische Unternehmen zur Entwicklung effizienter Wasserver- und Abwasserentsorgung leisten? Welche Chancen ergeben sich daraus für sie? Darüber haben wir mit Business Development Manager Michael Kersting gesprochen.

interview michael kersting

Hanna Hodel: Guten Morgen Herr Kersting. Könnten Sie sich und Ihr Unternehmen kurz vorstellen?

Michael Kersting: Sehr gerne. Die Hermann Severin GmbH ist ein fast 100 Jahre altes Familienunternehmen mit 250 MitarbeiterInnen, das Technologien zum Finden von Leckagen in unterirdischen Gas- und Wasserleitungen entwickelt und herstellt. Ich bin dafür verantwortlich Grundlagen zu schaffen, damit wir unsere Produkte in Märkten auf der ganzen Welt vertreiben können. Dazu bin ich in politischen Räumen und in Verbänden unterwegs und versuche, über diese Kanäle Türen zu öffnen. Wir sind heute in über 80 Ländern unterwegs.

Hanna Hodel: Könnten Sie die Geschäftstätigkeiten der Hermann Severin GmbH in Afrika etwas ausführen? Was hat Sie motiviert, geschäftlich in diese Länder zu gehen?

Michael Kersting: Wir sind seit knapp 30 Jahren in Afrika. Heute haben wir Vertriebs- und Servicepartner in über 20 Ländern in Afrika.

Wasserverluste sind in afrikanischen Ländern extrem hoch und belaufen sich auf etwa 30-60 Prozent. Oft geht die Hälfte des Wassers, das in ein Netzwerk hineingepumpt wird, durch Wasserleckagen wieder verloren. Das bedeutet nicht nur den Verlust der Ressource, sondern auch den Verlust von Energie. Die Hauptursachen für diese Leckagen sind Löcher in den Leitungen, die durch ungünstig verlegte Leitungen und die Verwendung von minderwertigen Materialien entstehen. Dazu kommt, dass es an Geld für Wartung fehlt.

In Deutschland haben wir Verluste von vergleichsweise tiefen 6 oder 7 Prozent. Das liegt daran, dass die Netzwerke hier stärker gewartet und inspiziert werden. Die Vermeidung der physischen Verluste von Wasser ist auch eines der Kernziele der African Water Association. Sie können sich vorstellen, dass diese enormen Bedarfe mit riesigen Potenzialen für Investitionen einhergehen.

Hanna Hodel: Was sind die größten Chancen für Unternehmen bei der Wasserversorgung in afrikanischen Ländern im Vergleich zu Deutschland?

Michael Kersting: Die Bedarfe sind immens in Afrika, sowohl im Wasser- als auch im Abwassersektor. Hinzu kommt, dass deutsche Produkte und deutsche Unternehmen hier einen sehr hohen Stellenwert genießen. Dieser Markt bietet eine große Chance, denn Wasser ist ja die Grundlage für jegliche, insbesondere auch industrielle Entwicklung.

Hanna Hodel: Und was sind die größten Herausforderungen für Unternehmen bei der Wasserversorgung in afrikanischen Ländern?

Michael Kersting: Die Chancen sind immer dann da, wenn die Finanzierung gesichert ist. Die größten Herausforderungen für Unternehmen ist die Finanzierung, sich bei großen Ausschreibungen miteinzubringen und sicherlich auch die Mentalität, also vertrauenswürdige Partner vor Ort zu finden. Langfristige Geschäftsbeziehungen sind essentiell in Afrika. Deutsche Effizienz ist sehr geschätzt, wenn es um die Produkte geht. Aber was das Verhalten angeht, ist das nicht immer so. Wir sind oft sehr technokratisch in unserem Verhalten, das ist nicht immer zielführend.

Hanna Hodel: Was würden Sie deutschen KMU raten, die den Schritt nach Afrika gehen möchten?

Michael Kersting: Langfristige Geschäftsbeziehungen und einen lokalen Partner vor Ort zu haben, sind sehr wichtig. Für einen Markteintritt lohnt sich die Kooperation mit dem BVMW, der Mittelstandsallianz Afrika des BVMW (MAA), der German Water Partnership (GWP), der Botschaft vor Ort, der Außenhandelskammer (AHK), der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GmbH (GIZ) und Agentur für Wirtschaft und Entwicklung (AWE).

Hanna Hodel: Sie sind Mitglied der Taskforce Senegal des BVMW und nehmen regelmäßig an den Sitzungen der Taskforce teil. Können Sie uns etwas über Ihre Erfahrungen in diesem Zusammenhang berichten?

Michael Kersting: Ja genau, ich nehme, wenn es die Zeit erlaubt, immer gerne an den Sitzungen der Taskforce Senegal teil. Der Vorteil ist, dass auch Ansätze angeboten werden, die über Public Private Partnerships hinausgehen. Das ist essentiell. Denn sich bei öffentlichen Ausschreibungen miteinzubringen, ist nicht leicht. Konkret planen wir jetzt im März auch eine Marktforschungsstudie in Senegal, die durch das Programm Business Scouts for Development im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanziert wird. Damit möchten wir evaluieren, welche Weiterbildungsbedarfe und technologischen Bedarfe im Senegal bestehen.

Hanna Hodel: Sie fahren mit einer Delegation des BVMW und der GWP zum Weltwasserforum nach Dakar. Was erhoffen Sie sich von der Reise?

Michael Kersting: Ich erhoffe mir, sichtbar zu werden, das Unternehmen zu positionieren und bestehende Beziehungen zu festigen. Ich bin auch offen dafür, zu schauen, welche Perspektiven sich ergeben. Es ist wichtig und schön, einfach mal wieder vor Ort zu sein. Um Netzwerke zu erweitern, ist Präsenz essentiell. Das kam jetzt in den letzten Jahren viel zu kurz.

Hanna Hodel: Vielen Dank und viel Erfolg bei Ihrer Reise zum Weltwasserforum!

Die Gesprächspartner


 

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Michael Kersting

 

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Hanna Hodel

 

  • Referentin Außenwirtschaft – Afrika, BVMW