Eine CO2-neutrale Wirtschaft – reicht das?

Klimaneutral soll die deutsche Wirtschaft werden– und das schon bis 2045. In der Öffentlichkeit dominiert meist die Reduktion des Kohlendioxidausstoßes die Debatte. Aber reicht es aus, sich ausschließlich auf CO2 als Treibhausgas zu konzentrieren?

Auf dem Weg zur Klimaneutralität gilt es zahlreiche komplexe Prozesse zu verstehen und Zusammenhänge zu erkennen. Einer dieser Zusammenhänge ist die Wirkung des menschlich verursachten Ausstoßes von Treibhausgasen auf unsere Atmosphäre – und dessen direkte Konsequenzen für das Klima auf der Erde. Die Atomsphäre der Erde besteht zu etwa 99,9 Prozent aus Stickstoff, Sauerstoff und dem Edelgas Argon. Die restlichen 0,1 Prozent werden als Spurengase bezeichnet, zu denen unter anderem auch die klimawirksamen Treibhausgase gehören.  

Das Kyoto-Protokoll, ein internationales Abkommen, stellte 1997 erstmals verbindliche Ziele für die weltweite Reduktion der wichtigsten Treibhausgase auf. Entsprechend des Protokolls sind diese hochwirksamen Treibhausgase oft mit einem deutlich größeren Einfluss auf die Erderwärmung verbunden, als ihn das Kohlendioxid (CO2) hat: 

 

  • Methan (CH4
  • Distickstoffmonoxid (N2O), auch Lachgas genannt 
  • teilhalogenierte und vollständig halogenierte Fluorkohlenwasserstoffe (H-FKW/FKW)  
  • Schwefelhexafluorid (SF6
  • Stickstofftrifluorid (NF3)

 

Denn wie stark ein Treibhausgas zur globalen Erwärmung beiträgt, zeigt sein spezifisches Treibhauspotenzial (Global Warming Potential oder GWP-Wert). Ein Kilogramm Methan wirkt sich beispielsweise in einem Zeitraum von 100 Jahren 25-mal so stark auf das Klima aus wie die gleiche Menge an Kohlendioxid. Um trotzdem eine Vergleichbarkeit der Werte gewährleisten zu können, werden bei einer Bilanzierung alle Treibhausgasemissionen regulär in CO2-Äquivalenten (CO2e) in einem 100-jährigen Bezugsrahmen angegeben. So schlägt sich Schwefelhexafluorid in diesen Berechnungen 22.800-mal stärker nieder als CO2 und wird mit der entsprechenden Gewichtung in die Treibhausbilanz eingerechnet. 

Anthropogenes Kohlendioxid entsteht unter anderem bei der Verbrennung fossiler Energieträger (Kohle, Erdöl, Erdgas) und kann nur über mehrere hunderttausend Jahre in der Atmosphäre abgebaut werden. Methan macht ebenfalls einen substantiellen Anteil des anthropogenen Treibhauseffekts aus, da es vor allem bei der Land- und Forstwirtschaft und insbesondere bei der Massentierhaltung entsteht. Lachgas gelangt als Spurengas vor allem über stickstoffhaltigen Dünger und die Massentierhaltung in die Atmosphäre und macht einen auf die Menge bezogen überproportionalen Teil des anthropogenen Treibhauseffekts aus, da es 298-mal so wirksam ist wie Kohlendioxid. Mit den fluorierten Treibhausgasen (F-Gasen) gelangen zusätzlich künstlich erzeugte Treibhausgase in die Atmosphäre, die eine extrem lange Verweildauer in der Atmosphäre aufweisen und dadurch besonders treibhauswirksam sind. Sie werden produziert um als Treibgas, Kühl- und Löschmittel oder Bestandteil von Schallschutzscheiben eingesetzt zu werden. 

Expertenleitfaden zum Thema “Klimaneutralität im Mittelstand”

Es wird deutlich, dass wir auf dem Weg zur Klimaneutralität nicht nur das Kohlendioxid, sondern alle relevanten Treibhausgase im Blick haben müssen. Sollen die Emissionen im Unternehmen wirksam gesenkt werden, muss die Erstellung einer Treibhausgasbilanz deshalb auf der Agenda an oberster Stelle stehen. Denn nur wenn klar ist, wie viel CO2e tatsächlich ausgestoßen werden, kann sinnvoll über zielgerichtete Schritte zur Reduktion nachgedacht werden. Welche Emissionskategorien bei der Bilanzierung eine Rolle spielen und wie die einzelnen Kategorien in der Praxis erfasst werden können, erfahren Sie im nächsten Artikel unserer Themenreihe und in unserem Expertenleitfaden zum Thema “Klimaneutralität im Mittelstand”.

 

 

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