Sustainable Impact Award | Interview mit Finalist Hubert Surrer

Am 22. September wird der Sustainable Impact Award an mittelständische Unternehmen mit besonderem Fokus auf nachhaltiges Wirtschaften verliehen. Finalist Hubert Surrer berichtet darüber, wie er Nachhaltigkeit in sein Unternehmen integriert.

Herr Surrer, warum ist Ihnen die nachhaltige Ausrichtung Ihres Unternehmens wichtig?
Ich glaube, das liegt an den Wertvorstellungen meiner Mitgründer und mir: Verantwortung – und dazu gehören auch soziale Verantwortung, Gerechtigkeit, ethisches Geschäftsgebaren und auch Dankbarkeit gehört dazu.

Wann haben Sie damit begonnen und was waren die ersten Schritte?
Weil uns die Wertevorstellung sozusagen in den Genen liegt, haben wir das Thema soziale Verantwortung von Anfang an – seit der Firmengründung – in unsere Handlungsweisen und Prozesse eingebaut: Bei Themen wie Geschlechtergleichheit, Equal Pay, Wertschätzung und Arbeitnehmerrechte mussten wir quasi nur aufschreiben, wie wir es schon immer machen – und die Transformation war fertig. Naja, nicht ganz: Durch die aktive Beschäftigung mit den Themen wollten wir noch besser werden. In dem Zusammenhang sind dann Dinge entstanden, wie ein dokumentierter Verhaltenskodex oder eine Diversity-Arbeitsgruppe.

Die ökologischen Aspekte der Nachhaltigkeit haben wir seit 2018 in den Fokus gerückt, zunächst mit der Bilanzierung unseres CO2-Footprints. Leider kam dann Corona dazwischen, so dass wir die Aktivitäten kurzzeitig aussetzen mussten. Mittlerweile haben wir aber auch hier eine Reihe von Maßnahmen aufgesetzt, bis hin zu einem Sponsoring von 2.500 Baumsetzlingen jährlich für ein Wiederaufforstungsprojekt auf Borneo.

Wie ist es Ihnen gelungen, Ihre Visionen umzusetzen?
Da war nicht viel zu tun. Wir haben nur das konsequent weiterentwickelt, was wir ohnehin schon immer tun – und wie wir es immer tun: Offene Kommunikation, Transparenz schaffen, Mitarbeitende beteiligen, Begeisterung schaffen. Und ja, für ein Anreizsystem haben wir aus der Geschäftsführung auch Geld in die Hand genommen: So kann z. B. jeder Mitarbeitende eine kostenfreie Jahreskarte für den öffentlichen Nahverkehr bekommen, um damit CO2-effizienter ins Büro zu pendeln. Jobrad, CO2-optimierte Reisepolicy und Sustainable Aviation Fuels sind andere Beispiele.

Seit 2018 sind wir auch Unterstützer der Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima, die uns ein wertvoller Gesprächspartner geworden ist.

Was hätten Sie gerne bereits zu Beginn des Transformationsprozesses gewusst?
Die Weiterentwicklung der sozialen Nachhaltigkeitsaspekte finde ich total spannend: Bisher war z. B. das Thema Diversity bei uns immer stillschweigend implizit geregelt. Jetzt fangen wir an, explizit darüber zu reden – und zu sehen, wo es vielleicht noch Kopfkino gibt, an das man ran muss.

Die ökologischen Nachhaltigkeitsaspekte sind ein Sumpf. Könnten Sie z.B. sagen, wie NFRD, CSRD, SDG, SBTi, CSR-RUG, DNK, GRI, CSR, CPI und das GHG-Protocol zusammenhängen – und was der wbcsd und das WRI damit zu tun haben? Was ich damit sagen will: Es gibt einfach unendlich viele Stakeholder, Gremien, Richtlinien und Gesetze. Das war schon nicht so ganz leicht zu verstehen und die relevanten Informationen für uns zusammenzutragen und zu nutzen.

Mit welchem Ihrer Produkte gehen Sie in den Wettbewerb um den Sustainable Impact Award?
Wir sind ja IT-Dienstleister und Berater. So gesehen haben wir gar kein Produkt, mit dem wir in den Wettbewerb gehen.

Was sind die aktuellen Herausforderungen, mit denen Sie gerade im Unternehmensalltag umgehen müssen?
Die aktuellen Herausforderungen sind zweierlei:

Erstens ist das wirtschaftliche Umfeld massiv volatiler geworden. Ich muss nicht viel sagen über Krieg in der Ukraine, Spannungen zwischen China und USA, die nächste Coronawelle, Inflation, Gasknappheit usw. Wir sind in der glücklichen Lage, dass es uns gut geht – aber man kann sich auf  nichts mehr verlassen – es gibt keine Planungssicherheit mehr. Zum Zweiten kämpfen wir – wie so viele andere Unternehmen auch – um die besten Mitarbeitenden. Um es mit unserem Firmennamen auszudrücken: If you are looking for the best job, you’d BettercallPaul.

Gibt es eine Frage, die Sie gern einemPolitiker oder einer Politikerin stellen würden?
Al Gore hat 2000 mit dem Film „Eine unbequeme Wahrheit“ auf ein gewichtiges Problem unserer Zeit aufmerksam gemacht. Die CO2-Emissionen sind in dieser Zeit von 25 Gt auf über 35 Gt weltweit gestiegen. Was hätte man besser machen können? Und was lernen wir daraus für das Erreichen der Klimaziele von Paris?

Wem würden Sie diese Frage stellen?
Barack Obama

Gesprächspartner


 

Hubert Surrer

Geschäftsführer der
BettercallPaul gmbH