Viele wollen Chef werden, aber keine Unternehmer:innen

Für rund 38.000 Unternehmen, die pro Jahr eine Nachfolge suchen, gibt es jedes Jahr weniger Interessierte. Warum das so ist und wie Sie trotz dieser Situation passende Kandidat:innen finden ...

bausteine pfeil und hand

... hat der BVMW-Expertenkreis Unternehmensnachfolge für Sie zusammengefasst.

Die aktuelle Situation

Gemäß der aktuellen Schätzung des Instituts für Mittelstandsforschung stehen in Deutschland in den Jahren 2022 bis 2026 rund 190.000 Unternehmen zur Übergabe an. In Bremen stehen mit ca. 59 Übergaben je 1.000 Unternehmen die meisten Übergaben an, in Berlin mit etwa 44 Übergaben je 1.000 Unternehmen die wenigsten. Gut die Hälfte aller deutschen Familienunternehmen löst ihre Nachfolge familienintern.  An zweiter Stelle steht die externe Übergabe, gefolgt von der Übergabe an Mitarbeitende. Es gibt vielerlei Faktoren, die sich auf die Nachfolge auswirken.

In der Krise sinkt das Interesse

Das Interesse an der Nachfolge ist während der Coronapandemie gesunken. Das Ergebnis: Viele Seniorchefs verschieben in der Pandemie die Entscheidungen zur Übergabe ihres Betriebes. Häufig sind sie mit der Existenzsicherung beschäftigt, außerdem hat bei vielen der Unternehmenswert in der Krisenzeit gelitten. Hinzu kommt, dass fast die Hälfte der Übergaben im Handel sowie im Hotel- und Gaststättengewerbe anstehen. In beiden Branchen sind die Unternehmen besonders stark von der Pandemie getroffen, entsprechend trifft dort aktuell ein großes Angebot von zu übergebenden Unternehmen auf eine relativ geringe Nachfrage.

Nachfolgesuche schon vor der Krise immer schwieriger

Die Mitglieder des Expertenkreises Unternehmensnachfolge haben die aktuelle Lage in einer Diskussionsrunde analysiert. Im Jahr 2019 ließen sich fast doppelt so viele Seniorunternehmer von ihrer IHK beraten wie 2010. Oliver Ferber: „Viele Unternehmerinnen und Unternehmer beschäftigen sich erst sehr spät mit der Nachfolge. Der älteste meiner Mandanten war 84 Jahre alt.“ Unterdessen halbierte sich die Zahl derjenigen, die sich für die Firmenübernahme interessieren, vom Höchststand 2009 auf 4.302 im Jahr 2019. Markus Schaible stellt fest, „alle wollen kaufen, aber die Erwartungen passen nicht zu dem, was auf dem Markt angeboten wird“. Über die Nachfolge gibt es häufig unwirkliche Vorannahmen, außerdem wollen zwar viele Chef werden, aber keine Unternehmer. Roland Benarey-Meisel: „Dass geeignete Kandidat:innen für die Übernahme der Firmenanteile nicht zu finden sind, ist ein bekanntes Problem. Es gibt aber auch Handlungsalternativen, so haben wir gute Lösungen durch den Eintritt zum Kontext passender Fremdgeschäftsführer realisieren können. Die Anteile blieben bei den Altgesellschaftern. Im vertrauensvollen Miteinander und der klaren Rollenteilung kann das prima funktionieren."

Wie kann die Lage verbessert werden

Als erstes muss analysiert werden, wo das Unternehmen steht. Danach sollte die Unternehmerin oder der Unternehmer Maßnahmen definieren, um das Unternehmen einfacher verkaufen zu können und das Unternehmen wertstabil zu halten oder zu steigern. Stichwort: Exit-readyness. Ansatzpunkte, um die Attraktivität zu steigern liegen vor allem im Geschäftsmodel. „Digitale Transformation und Nachhaltigkeit müssen von den Übergebenden in Betracht gezogen werden, um die Attraktivität des Unternehmens zu steigern. Wenn diese Themen ignoriert werden, leidet langfristig auch die Profitabilität des Unternehmens“, so Franz Neumeyer. Das Geschäftsmodell und die Unternehmenskultur müssen attraktiv genug sein, um damit junge Leute für die Nachfolge zu begeistern. Dies gilt auch für die familieninterne Nachfolge. Jeannette Peters: „Die Nachfolge darf nicht allein aus dem Motiv der Existenzsicherung durchgeführt werden, sondern muss als Zukunftsgestaltung für alle Beteiligten attraktiv werden. Denn das ist ja die große Chance einer Unternehmensübergabe, (familien-) intern wie extern. “  Dies bestätigt auch Roman Wolkowski und fügt hinzu: „Es müssen aber auch noch Entwicklungs- bzw. Wachstumsmöglichkeiten für das Unternehmen und die Ideen der Käufer bleiben.“ Alle Expertinnen und Experten sind sich einig, dass die Nachfolge eine Kommunikations- und Strategieaufgabe ist und sich die Beteiligten eng miteinander abstimmen müssen. Dabei ist auch die Beratung und Unterstützung von Externen nicht zu unterschätzen.

Sie haben Fragen zum Thema Unternehmensnachfolge? Die Mitglieder des Expertenkreises stehen Ihnen jederzeit zur Verfügung.

 

 

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