Demografie-Debatte: Im Wettbewerb um die Nachfolge

190.000 Unternehmen stehen in den kommenden vier Jahren vor dem gleichen Problem: Sie sind auf der Suche nach Nachfolger:innen. Doch was sind die aktuellen Wettbewerbsbedingungen, wenn es um die Nachfolge geht?

Jugend bevorzugt Angestelltenverhältnis 

Das Interesse an der Selbstständigkeit lässt sich bei vielen Jugendlichen angesichts der bürokratischen Windmühlen nicht wecken. Durch Entbürokratisierung der Selbstständigkeit soll jedoch Abhilfe geschaffen werden: „Die öffentliche Verwaltung muss dringend ihre digitale Rückständigkeit überwinden und somit die Bürokratielast vermindern“, so äußert sich Carl-Julius Cronenberg, Politiker und Unternehmer, während einer Demographie-Debatte der Friedrich Naumann Stiftung. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sollten zusätzlich, falls neue Regularien notwendig sind, früh in der Diskussion um diese eingebunden werden. Der Abbau der Bürokratielast ist enorm wichtig, um Nachfolgerinnen und Nachfolger zu fördern und damit Arbeitsplätze zu sichern und gegebenenfalls neue zu schaffen.  

Berufslandschaft ist vielfältig 

Es herrscht eine zuvor noch nie dagewesene Auswahl an (Job-)Möglichkeiten nach der Schule: Auslandsaufenthalt, Orientierungsjahr, die Wahl zwischen einigen hunderten Berufen und dem Studium. Der Grad der Individualisierung in der Gesellschaft ist durch die enorme Anzahl an Möglichkeiten deutlich gestiegen. Besonders Großstädte stellen durch die sich dort bietenden Optionen einen Ballungsraum dar. Gleichzeitig sinkt damit besonders auf dem Land die Bedeutsamkeit familiärer Werte in Familienunternehmen. So zeigt sich, dass in der Stadt und auf dem Land unterschiedliche Wettbewerbsbedingungen für die Nachfolgefrage gelten. Es ist hier wichtig, Potenziale zu heben: Das Heimatgefühl derer, die auf dem Land geboren und aufgewachsen sind, muss gestärkt werden. Außerdem müssen die Grundvoraussetzungen für ein gutes Leben auf dem Land geschaffen werden: gestärkte Infrastruktur (Bahnschienen- und Straßenverkehr), Einkaufsmöglichkeiten sowie Netzabdeckung.  

Politische Rahmenbedingungen signalisieren keine Willkommenskultur für Selbstständige 

„Es herrscht  - ‚Frustrationspotenzial‘, da ein ganzheitliches Verständnis für unternehmerisches Handeln in der Politik noch nicht auf allen Ebenen vorhanden ist“, erläutert Jana Schimke, Mitglied des deutschen Bundestages, während der Demographie-Debatte. Die Politik im Bundestag, in den Bauämtern, sowie in der Gemeindeverwaltung muss die richtigen Rahmenbedingungen schaffen, um unternehmerisches Handeln wieder attraktiv zu machen. Denn die Prägung durch das Elternhaus ist ein ebenso entscheidender Faktor. Kinder von Unternehmer:innen werden mit viel höherer Wahrscheinlichkeit ebenso Unternehmer:innen, als Kinder von Angestellten. Und durch den steigenden Bedarf an Nachfolger:innen, ist es wichtig, dass die Politik gute Rahmenbedingungen schafft – für die zukünftigen Nachfolger:innen aus der Familie, dem Unternehmen selbst oder außerhalb des Unternehmens. 

Ein Generationenthema bei den Übernahme- und Nachfolgeprozessen ist die Begleitung der Nachfolgenden durch die abgebende Generation. Diese verfügt über viel Know-how und Kundenbeziehungen, jedoch läuft die Übernahme nicht immer reibungsfrei ab. Ein Wechsel impliziert oftmals, dass sich Abläufe und Gegebenheiten ändern, jedoch können KMU für Moderation und beratende Begleitung auf Unternehmungsberatung, Verbände und Kammern zurückgreifen.  

Die Demografie-Debatte zeigt auf, dass Entbürokratisierung, die Stärkung des Heimatgefühls auf dem Land, sowie die Förderung der politischen Rahmenbedingungen einen Impuls setzen können, um das Unternehmertum für viele Jugendliche wieder attraktiv zu machen.

Sie möchten sich die vollständige Debatte anschauen? Im Video erfahren Sie mehr über die Diskussionen im Detail: 

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