Mit Sicherheit frei entscheiden

Menschen werden nicht zuletzt auch deswegen unternehmerisch tätig, um frei entscheiden zu können. Allerdings wird diese Freiheit von unterschiedlichen Akteuren zunehmend eingeschränkt.

Insbesondere die digitale Vernetzung und Emotionalisierung im öffentlichen Raum können zu Gefahrenquellen erwachsen.

Das heimische Wohn- und Kinderzimmer

Auch am vergangenen Weihnachten wurden zahlreiche digital vernetzte Produkte verschenkt. Die heimischen Wohn- und Kinderzimmer haben inzwischen mehr Konnektivität als die ersten Apollo-Missionen, werden aber weniger betreut. Kaum ein*e Unternehmer*in fragt sich, ob sich die eigenen Privatadressen, Urlaubsdomizile, Freizeitroutinen und Präsenztermine etwa in plakativen Instagram-Stories öffentlich wieder finden. Solche Puzzlesteine geben böswilligen Dritten jedoch unerwünschte Einblicke in die private Sphäre oder erlauben gar ungewollte Annäherungen an Familienmitglieder. Zusätzliche Hinweise lassen sich in gestohlenen Daten finden, die in entsprechenden Foren von Hackern geteilt werden.

Werden diese Möglichkeiten ausgenutzt, dann ergeben sich schnell Situationen, die Ihre Entscheidungsfreiheit dramatisch und auch nachhaltig einschränken können. Prüfen Sie folglich regelmäßig durch eine Sichtbarkeitsanalyse selbst oder durch spezialisierte Experten, welche Einblicke sich ein böswilliger Dritter durch eigene Unachtsamkeit oder unachtsame Schulen, Vereine, Wegbegleiter oder Magazine im Internet verschaffen kann. Reduzieren Sie diese Einblicke, um freier entscheiden zu können und Gefahren zu reduzieren.

Öffentliche Demonstrationen und aktivistische Proteste

Diese Vorsicht ist auch vor dem Hintergrund einer zunehmenden Emotionalisierung der öffentlichen Debatte wichtig. Das World Econnomic Forum sieht die „Erosion der sozialen Kohäsion“ unter den besonders kritischen Bedrohungen der nächsten Jahre. Für Deutschland sehen die befragten Executives diese Bedrohung sogar auf dem zweiten Rang.

Das gesellschaftliche Miteinander ist angeschlagen, öffentliche Proteste und Demonstrationen häufen sich, fragwürdige Narrative rufen Proteste hervor und können in neuen Extremismusformen münden. Auch wenn rationale Unternehmer*innen naturgemäß unbelegte Thesen hinterfragen: Viele andere Zeitgenossen tun dies weniger, vermuten dunkle Mächte, die uns unterjochen wollen. Die entstehende Emotionalisierung schafft ein Gemeinschaftsgefühl, führt zu Mobilisierung und kann sich schnell – da faktenfrei – in unerwarteten Richtungen entladen. Eine scheinbar passende Zufälligkeit kann das Narrativ fortschreiben und ein Unternehmen zum Ziel machen. Andere Aktivisten propagieren #friedlicheSabotage, nicht zuletzt, weil ihnen Regierungshandeln zu langsam erscheint. Vermutlich wird dieser Druck im Frühjahr stärker werden: Einerseits wird die Auseinandersetzung um Corona-Maßnahmen und Impfpflicht nicht abflachen, sondern weiter polarisieren und sich dramatisch zuspitzen, andererseits werden die umwelt- und klimaschutzbezogenen Erwartungen an die neue Regierung der Realität nicht standhalten (können) und die Umsetzung der „EU Taxonomy“ bestehende Hemmungen weiter lösen.

Viele aufgebrachte Zeitgenossen reagieren auf entsprechende Impulse. Telegram ist Brandbeschleuniger und Eskalationsraum. Die eigene Handlungsfreiheit lässt sich nur bei frühzeitiger Information erhalten: Ohne Vorwarnung werden Sie überrascht und zu schnellen Reaktionen gezwungen. Haben Sie diese Bewegungen im Blick. Durch digital Listening lässt sich rechtzeitig erkennen, ob Gefährdungen aus dem öffentlichen Raum zu Ihnen herüberschwappen bzw. auf Sie zukommen. Sie können sich vorbereiten.


So wird auch das neue Jahr von vielen Unternehmer*innen komplizierte und auch harte Entscheidungen erfordern. Bereiten Sie dies mit einem dreistufigen Einstieg in das Thema Sicherheit vor:

 

  • Public: Haben Sie relevante Diskussionen insbesondere auf Twitter und Telegram im Blick.
  • Privat: Vermeiden Sie unnötige Einblicke in den familiären Bereich.
  • Profil: Gehen Sie achtsam mit Ihren Daten um.

 

Für Unternehmer*innen ist die eigene Entscheidungsfreiheit eng mit der Sicherheit von Unternehmen und Familie verknüpft. Natürlich können Sie sich nicht um alles kümmern. Aber zu wenig Aufmerksamkeit für diesen Bereich kann selbst durch Fachpersonal nur mit hohem Aufwand wieder ausgeglichen werden.

 

Autor

Prof. Dr. Martin Grothe
Mitglied des Expertenkreises Unternehmenssicherheit
Geschäftsführender Gesellschafter
complexium GmbH

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Foto: Alina Grubnyak, Unsplash