Jahresempfang des BVMW Thüringen - Rückblick

Auf dem Erfurter Messegelände fand der gemeinsame Jahresempfang des BVMW Thüringen und der Thüringer Landeshauptstadt Erfurt statt.

Jahresempfang des BVMW in der Messe Erfurt

Der Mittelstand. BVMW Thüringen hatte für den zurückliegenden Dienstag zum Jahresempfang geladen. Gerald Bitterberg, Beauftragter Politik BVMW Thüringen, begrüßte die Gäste zusammen mit dem Oberbürgermeister der Stadt Erfurt Andreas Bausewein. Das Grußwort seitens des Wirtschaftsministeriums hielt Staatsekretär Carsten Feller und  die Keynote „Mittelstand 2030 – aktuelle Herausforderungen bestehen“ kam vom Chefvolkswirt Mittelstand. BVMW Dr. Hans-Jürgen Völz.

Die Vielfalt des Mittelstandes in Deutschland, so Dr. Völz, ist einzigartig. Mit einer Beschäftigungsrate von 55% und einer Ausbildungsrate von 82%  kommt ihm im internationalen Vergleich eine sehr hohe gesamtwirtschaftliche Bedeutung zu. Die Auswirkungen der Pandemie noch nicht gänzlich  verkraftet, sind die Selbständigen jetzt mit einer achtprozentigen Inflationsrate konfrontiert, die nicht in vollem Umfang an den Kunden weitergegeben werden kann. Damit verschlechtert sich Ihre Kostensituation weiter, ihre Wettbewerbsfähigkeit nimmt ab.

Der BVMW ist das Sprachrohr des freiwillig organisierten Mittelstandes in Deutschland und vertritt deren Interessen gegenüber der Landes- und Bundespolitik. Damit die Wettbewerbsfähigkeit  auch im Jahr 2030 noch gewährleistet ist, stehen die BVMW Fachkommissionen im Austausch mit den Fachpolitikern des Deutschen Bundestages. Hier werden Aktionsprogramme erarbeitet, die die negativen Auswirkungen von Krisen und Krieg für den Mittelstand abfedern. Es geht um günstige Rahmenbedingungen für Anschubfinanzierungen, Anreize für Konsumenten im privaten Verbrauch einerseits und um die Implementierung einer modernen Infrastruktur, einem flächendeckenden 5G-Netz in jedem Gewerbegebiet, nicht zwingend bis zur letzten Milchkanne. Welches Handeln setzt die Bundesregierung der Abhängigkeit unseres Landes in der Energieversorgung zum Ausland entgegen und welche Maßnahmen werden für die Dekarbonisierung unseres Landes getroffen? Dr. Völz spricht sich für eine begrenzte Laufzeitverlängerung der AKW’s aus, um mögliche Blackouts zu verhindern, fordert den Ausbau erneuerbarer Energien – insbesondere der Windkraft – und wettert gegen die hiesige Stromsteuer, die den europäischen Vergleich um das 20-fache übersteigt. Weiterhin brauche es Lösungen für eine ökologische und soziale Transformation , denn um das Erwerbspersonenpotenzial zu halten braucht Deutschland 400.000 Zuwanderungen pro Jahr, es braucht Fortbildungsprogramme und das Selbstverständnis zu lebenslangem Lernen – außerdem die Anerkennung der Gleichwertigkeit von beruflicher Ausbildung und akademischen Abschlüssen. Die Überregulierung jeglicher unternehmerischer Aktivität durch zunehmende Bürokratie hemmt z.B. mit dem Lieferkettengesetz das Wirken und die Kreativität im Mittelstand – hier wird ein Bürokratieentlastungsgesetz IV als Lösung gesehen, um Genehmigungsverfahren zu verkürzen, Erfüllungsaufwand und Bürokratieaufwand zu senken.

Die Krise bedeutet für alle eine große Kraftanstrengung.

Auch Feller hat seine Schlüsse aus der Corona-Krise gezogen. Die Sicherung von Lieferketten und die Produktion im Inland müssen in den Fokus genommen und der Deglobalisierung die Kraft genommen werden. Auch er sieht den Rückgrat der Thüringer Wirtschaft im Mittelstand – 25% Industrie, 40% Innovation, u.a. auch Forschungseinrichtungen. Was fehlt, so Feller, sind die Konzernzentralen. Was uns einholt ist der demographische Nachhall aus der Wende – 50% der Erwerbstätigen müssen in Kürze ersetzt werden. Zuwanderer lassen sich in Communities nieder – dort wo sie Gleichgesinnte treffen, sich wohlfühlen. Es gilt ein gutes Klima herzustellen um ausländische Fachkräfte für unser Land zu gewinnen. In Sachen Digitalisierung ist Skandinavien beispielgebend – Thüringen fehlt das Tempo, jedoch wird mit hoher Intensität daran gearbeitet, dass das 5G-Netz bis Ende 2023 für alle zur Verfügung steht.

Große Hoffnung sieht er in der Energieautobahn, die durch Thüringen führt – hier soll es gelingen Anschlüsse zu generieren und wichtige Standortvorteile zu nutzen. Thüringens Pfund ist: Innovation in Wissenschaft und Forschung. Mit der Batterie- und Wasserstofftechnologie sieht er das Land optimal für die Zukunft aufgestellt.

Es gibt viel zu tun – packen wir es an.