Die Inklusion als Chance genutzt

Wenn Unternehmen nach Fachkräften suchen, sollten sie auch an Menschen mit Einschränkungen denken.

Inklusion hat mehrere Vorteile: Unternehmen können damit qualifizierte Fachkräfte gewinnen, und gleichzeitig normalisiert sich unser aller Zusammenleben durch diese Begegnungen im Arbeitsalltag.

Im Gewerbegebiet Weimar-Legefeld ist der Sitz der Drinks Union Deutschland GmbH. Von hier aus verkaufen zwölf Mitarbeiter tschechisches Bier wie Březňák, Krušovice und Zlatopramen an alle Handelsketten in ganz Deutschland. Als Tochter der Heineken Česká republika, a. s. gehört das Unternehmen zum zweitgrößten Bierkonzern der Welt. Seit 22 Jahren sind die Mitarbeiter auf einem sehr umkämpften Markt tätig. Die Stimmung im Büro ist familiär. „In unserem Team gibt es vier Kollegen, die das Leben schwer getroffen hat. Entweder leiden sie unter einer starken Behinderung oder an den Folgen einer schweren Erkrankung. Wir haben ihnen eine berufliche Chance gegeben. Sie sind aufgeblüht, denn hier merken sie, dass sie mit ihren Qualifikationen gebraucht werden“, sagt Geschäftsführerin Heike Winter.

Einer von ihnen ist der 40-jährige André Seidel. Seit fünf Jahren ist der gelernte Bürokaufmann im Unternehmen und kümmert sich um die Rechnungen, den Zoll, die Werbung sowie die IT-Technik. Den Einstieg ins Unternehmen hat die Arbeitsagentur Erfurt im Rahmen eines Praktikums vermittelt. „Weil er so unglaublich schüchtern war, kam er mit seiner Mutter zum Vorstellungsgespräch. Nach kurzer Zeit habe ich seine Begabung für die Technik entdeckt. Jetzt managt er unsere Computertechnik. André ist viel selbstbewusster geworden, seitdem er hier arbeitet, er geht auf andere Menschen zu und macht Dienstreisen im In- und Ausland“, erzählt Winter. Nur ein höhenverstellbarer Tisch und ein spezieller Bürostuhl lassen erahnen, dass er ein starkes Rückenleiden hat.

Im Büro gegenüber sitzt Kathrin Bergter. Die studierte Finanzwirtin ist stark sehbehindert, was in der Vergangenheit immer wieder ein Einstellungshindernis war. Bei der Drinks Union ist sie seit Juni 2017 gemeinsam mit einer Kollegin für die Buchhaltung verantwortlich. Um diese Tätigkeit auszuüben, hat sie verschiedene Hilfsmittel erprobt und herausgefunden, welche zu ihr passen. Am besten kommt sie mit dem Bildschirmlesegerät zurecht. Wie mit einer Lupe wird ihr kleine Schrift direkt auf dem Computermonitor angezeigt. Auf dem Tisch liegt eine Tastatur mit übergroßen Buchstaben. Bezahlt hat die Hilfsmittel das Integrationsamt. „Damit kann ich ganz normal arbeiten und auch die kleinsten Texte lesen. Ich bin endlich beruflich gefordert und fühle mich hier sehr wohl“, freut sich die junge Frau.

Zufrieden ist auch die Geschäftsführerin: „Wir brauchten qualifizierte Mitarbeiter. Da spielte eine Behinderung keine Rolle. Natürlich muss man sich auf die Menschen und ihre Bedürfnisse einlassen. Und zu Beginn dauern die Abläufe erstmal länger. Doch wir haben vier sehr gute Mitarbeiter gefunden, die unser Team komplett gemacht haben – wie bei einem Puzzle, in dem genau diese Stücke gefehlt haben“, zieht Winter einen Vergleich heran.

Alle Informationen zum BVMW-Mitglied Drinks Union Deutschland GmbH finden Sie hier: http://www.drinksunion.de/

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