Leinefelde: Othmar Ernst wird als Unternehmer des Jahres im Eichsfeld

Für den Chef der Firma Ernst & Herwig Hoch und Tiefbau ist es die zweite Auszeichnung. Und es bleibt nicht die letzte.

Othmar Ernst (2. von links), Chef der Firma Ernst & Herwig Hoch und Tiefbau in Leinefelde, ist zum zweiten Mal als Unternehmer des Jahres ausgezeichnet worden. Foto: Eckhard Jüngel

Leinefelde. Es ist Dienstag, 10 Uhr. Wie an jedem anderen Tag ist Othmar Ernst in seiner Firma – von 8 bis 19 Uhr. Auch mit 70 Jahren. Doch heute ist für den Chef von Ernst & Herwig Hoch und Tiefbau ein besonderer Tag. Zum zweiten Mal wird ihm der Mittelstandspreis als Unternehmer des Jahres verliehen, der zum 20. Mal vergeben wird. Vor ihm sei das noch keinem gelungen, und Vorschläge gebe es immer viele im Eichsfeld, sagt Andreas Schreiber, der Leiter vom Kreisverband des Bundesverbandes der mittelständischen Wirtschaft. „Die Jungen laufen alle schneller, aber die Älteren kennen die Abkürzungen“, meint er mit einem vielsagenden Schmunzeln.

Der Preis geht an Unternehmer, die selbst und ständig agieren, erklärt Schreiber gerade, als in der festlichen Runde ein Handy klingelt. Es ist das von Othmar Ernst, der wieder einmal gefragt ist. Doch diesmal muss sich der Anrufer gedulden, denn der Laudator, der CDU-Landtagsabgeordnete Gerold Wucherpfennig, hat seine Rede begonnen. Er blickt auf das Leben des Mannes, der seit 44 Jahren verheiratet und Vater zweier Kinder ist, 1992 das Unternehmen mit Peter Herwig gründete, heute nicht mehr 50, sondern 135 Mitarbeiter beschäftigt und sich auch in den Nachbarbundesländern einen Namen gemacht hat. 115 Lehrlinge bildete die Firma aus, derzeit sind es neun.

Unternehmerischen Mut, Vertrauen, Qualität, Kompetenz und Seriosität würdigt der Laudator – und das Engagement des Eichsfelders in Wirtschaft und Gesellschaft. „Er ist ein Vorbild“, sagt Wucherpfennig, der weiß, dass der Chef nicht nur von Auftraggebern und Weggefährten geschätzt wird, sondern auch von den Mitarbeitern, von denen einige 15, 20 Jahre im Team sind. „Denn auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten hat er viel Wert darauf gelegt, pünktlich den Lohn zu zahlen.“ Dazu komme sein offenes Ohr, ganz gleich, ob es um persönliche oder betriebliche Probleme geht. Nicht unerwähnt bleiben aber auch Umsatzzahlen. Lagen die 1992 bei 4,5 Millionen DM, so waren es im Vorjahr 21,7 Millionen Euro. Othmar Ernst hört zu und ein Lächeln huscht über das Gesicht, es ist ein bescheidenes. Auch als es heißt, er sei nicht nur ein Dienstleister, sondern ein „Botschafter für ausgezeichnete Eichsfelder Qualität“.

Unter den zahlreichen Gästen sind auch Vertreter der Kreishandwerkerschaft und Vize-Landrat Gerald Schneider, der sich für die gute Zusammenarbeit in Zeiten mit Höhen und Tiefen bedankt. Mitgebracht hat er einen „kleinen Orden“ und das Buch „Feste und Bräuche im Eichsfeld“, das Ernst lesen und wenn er Zeit hat, leben soll. Der Nachfolger zumindest scheint gefunden – mit Christian Kohlstedt, 42 Jahre, seit 2016 im Unternehmen und Geschäftsführer. In „Schuhabdrücke Größe 72“, wie Andreas Schreiber meint, zu treten, sei jedoch eine Herausforderung.

Othmar Ernst bedankt sich bei allen, besonders bei seiner Frau, die ihm den Rücken frei hielt, und den Mitarbeitern für das Vertrauen und Mittun. Dass es sein Nachfolger in Zeiten des Fachkräftemangels nicht leicht haben wird, ist ihm bewusst – auch wenn der Beruf des Bauarbeiters facettenreich ist und dank moderner Technik körperlich längst nicht mehr so anstrengend.

Dann wird in der Leinefelder Firma angestoßen. Und es wird in diesem Monat nicht das letzte Mal gewesen sein. Am 17. November bekommt Othmar Ernst den großen Preis des Mittelstandes für sein Lebenswerk von Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) im Erfurter Kaisersaal überreicht. Bislang ist diese Ehrung noch nie ins Eichsfeld gegangen.
Quelle: Original TA Eichsfeld / 07.11.2018