Der aufsteigende Drache – Erfolgreich in Vietnam

Ein interkultureller Guide für alle, die in Vietnam arbeiten oder arbeiten wollen

teaser Long Quang Phạm prof. andreas stoffers

Die Deutsch-Vietnamesische Gesellschaft (DVG) hat Herrn Pham Quang Long, der gemeinsam mit Prof. Dr. Andreas Stoffers einen neuen Managementguide für Vietnam herausgegeben hat, interviewt.

Was verbindet Sie persönlich mit Vietnam?

Ich bin in Vietnam geboren und in Deutschland aufgewachsen. Meine Eltern sind wie viele andere Vietnamesen in den achtziger Jahren nach Deutschland gezogen. Sie haben sich in Freising eine eigene Existenz als Selbständige aufgebaut. Ich bin sozusagen in zwei Kulturen groß geworden, der deutschen wie auch der vietnamesischen. Beiden fühle ich mich sehr verbunden.
 

Warum sind Sie 2019 nach Vietnam zurückgekehrt?

Nach meinem Masterabschluss zog es mich 2019 in das Land meiner Vorfahren. Ich mag Deutschland sehr gerne. Dennoch war ich neugierig auf etwas Neues. Vietnam ist ein Land, welches sich wirtschaftlich atemberaubend schnell entwickelt. Hier mit meinem deutschen Wissen einen Beitrag zu leisten ist ungeheuer spannend. Sie können dies mit dem Deutschland der 50er Jahre, der Zeit des „Wirtschaftswunders“ vergleichen. Wer wäre damals mit dem Wissen von heute nicht gerne mit dabei gewesen? In Vietnam ist das Wirtschaftswunder hier und jetzt.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen Managementguide für Vietnam zu schreiben?

Die Idee kam mir in einem Gespräch mit einem guten Freund von mir. Prof. Dr. Andreas Stoffers und seine Frau waren kurz nach mir ebenfalls nach Vietnam gezogen, um hier zu arbeiten. Uns verbindet eine große Zuneigung zu Vietnam und ein starkes Commitment dafür, unsere beiden Länder, Deutschland und Vietnam näher miteinander zu verbinden. Ein Managementguide bietet sich hierfür förmlich an. Hier können wir sowohl unsere eigenen Managementerfahrungen als auch unsere vielen Kontakte einbringen. Das Buch lebt nämlich durch die vielen Beiträge von Praktikern. Die sind Deutsche und Vietnamesen, die in beiden Ländern zuhause sind und über Jahre und Jahrzehnte Erfahrung in den verschiedensten Bereichen verfügen.

Das Buch hat mit „Der aufsteigende Drache“ einen recht ungewöhnlichen Titel. Warum haben Sie ihn gewählt?

Ein alter Name der über 1.000 Jahre alten vietnamesischen Hauptstadt Hanoi ist „Thanh Long“, was soviel wie „Aufsteigender Drache“ bedeutet. Daneben ist der aufsteigende Drache ein gutes Symbol für Vietnam, welches besonders seit den Reformen des Doi Moi 1986 wirtschaftlich und gesellschaftlich ungebrochen aufsteigt. Es hat sich von einem Entwicklungsland zu einem Middle-Income-Country entwickelt und plant bis 2030 zum Industrieland zu werden. Eine echte Erfolgsgeschichte, an der Deutsche teilnehmen können, wenn sie es wollen. Letztlich steht auch für die Titelwahl, dass Andreas Stoffers und ich spannende Titel lieben.

Warum haben Sie sich für den Springer-Verlag entschieden?

Der Springer-Verlag ist die Adresse für Wirtschaftsbücher. Insofern greifen wir auf einen Verlag mit großer Reputation zurück. Des Weiteren hatten Andres Stoffers und eine unserer Co-Autoren, Frau Prof. Dr. Doréen Pick unabhängig voneinander gute Erfahrungen mit Springer gemacht. Die professionelle Betreuung hat uns auch im Nachhinein die Richtigkeit unserer Entscheidung bestätigt

Wie kann man sich die Arbeit an so einem Buch mit einer Vielzahl von Autoren vorstellen?

In einem Wort: „spannend“. Wir haben selbst vieles dabei gelernt. Die Beiträge unserer Co-Autoren haben uns manchmal ein Kopfnicken, manchmal ein Schmunzeln auf die Lippen gezaubert. Die Autoren kamen nicht nur aus dem uns als Herausgeber geläufigen Bereich der Wirtschaft, sondern aus vielen anderen spannenden Bereichen wie Geschichte, Sprachwissenschaften, Bildung und internationalen Organisationen. Insgesamt können wir sagen, dass wir sowohl seitens der Autoren als auch seitens der Inhalte ein sehr breites Portfolio abdecken, eigentlich alles, was man braucht, um in Vietnam erfolgreich arbeiten und leben zu können. Allerdings muss ich auch sagen, dass der Organisationsaufwand für uns als Herausgeber immens war. Es war kein Zuckerschlecken, hat sich aber gelohnt. Der Erlös des Buches fließt übrigens vollumfänglich an die Deutsch-Vietnamesische Gesellschaft DVG e.V. in Berlin.

Welche Herausforderungen ergeben sich für Deutsche, die in Vietnam leben und arbeiten möchten?

Es geht vor allem darum, sich auf diese neue Kultur einzulassen und mit möglichst offenen Augen die Sache anzugehen. Dazu zählt zunächst einmal eine tiefgehende Vorbereitung. Dann heißt es, im Land anzukommen und das Gefühl des Kulturschocks so klein wie möglich zu halten und das Leben zu genießen. Und falls man das Land verlässt, sich bestens vorbereitet zu haben und gute Erinnerungen mit nach Hause zu nehmen. In allen diesen Phasen wird Ihnen unser Buch behilflich sein. Das gilt für Menschen, die sich gerade auf einen Aufenthalt vorbereiten wie für die, die bereits in Vietnam leben.

Es gibt immer mehr Deutsche, die an Auswanderung denken oder als Privatpersonen vielleicht im Ausland investieren möchten. Ist Vietnam interessant für diese Zielgruppe?

Definitiv. Vietnam ist ein Land mit beeindruckenden Wachstumsraten und Möglichkeiten. Wenn man über eine vernünftige Ausbildung als Grundlage besitzt, stehe einem alle Wege offen,… wenn man es richtig anpackt. Hinsichtlich Investments kann man auch am Aufstieg des Landes teilhaben. Wachstumsraten von 6-7% p.a. (und selbst in Covid-Zeiten von 3%) sind nun einmal etwas anderes als ein Nullwachstum oder ein 0,x-Wachstum in anderen Ländern. Der Optimismus ist in Vietnam überall zu spüren. Natürlich muss man gut vorbereitet sein. Sonst kann das alles auch schiefgehen. Wir leisten mit unserem Buch einen Beitrag dafür, dass es klappt.

In Ihrer Doktorarbeit behandeln Sie das Thema EVFTA (EU-Vietnam Free Trade Agreement). Inwieweit können deutsche Unternehmen daraus einen Nutzen ziehen?

Das Thema EVFTA reiht sich in viele andere Aktivitäten der europäischen und vietnamesischen Politik ein. Das 2020 ratifizierte Abkommen war ein Meilenstein, da es nicht viele Länder in der Region mit einem solchen FTA gibt. Zudem ist es inhaltlich soweit ausgestaltet und modern, dass es eher zu einem Industrieland passt, welches Vietnam noch werden wird. Deutsche Unternehmen können ihren Nutzen aus dem Abkommen ziehen und das Momentum nutzen. Was sie allerdings benötigen, ist Unterstützung durch Fachleute, die Vietnam verstehen.

Wie sieht Ihre weitere Zukunftsplanung aus? Steht ein weiteres Buchprojekt an?

Ich persönlich brenne dafür, Deutschland und Vietnam durch meine eigene Arbeit weiterzubringen. Neben meiner Doktorarbeit arbeite ich auch für eine Firma und bin zusätzlich unternehmerisch in Vietnam tätig. Ich mache dies, weil es mir Freude bereitet. Mein nächstes Buch wird mit Sicherheit meine Doktorarbeit sein. Vielleicht mache ich wieder etwas gemeinsam mit Andreas Stoffers. Unser Managementguide ist uns, so denke ich, gut gelungen. Wenn jemand aus Ihrem Leserkreis Fragen an mich und Herrn Stoffers haben sollte: Wir sind leicht über das Internet zu finden.

https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-658-34239-5

Long Quang Phạm, geboren 1987, graduierte als B.A. in Betriebswirtschaftslehre in Hof. Im Anschluss absolvierte er einen Master in Marktorientierter Unternehmensführung in Landshut. Danach arbeitet er für verschiedene internationale Unternehmen in Deutschland, in der Schweiz und in Vietnam. Seit 2018 lebt er in Hà Nội und Hồ-Chí-Minh Stadt. Er ist zurzeit Doktorand am „Vietnamesischen Institut für Entwicklungsstrategien“ und unternehmerisch tätig.

Prof. Dr. Andreas Stoffers studierte Staatswissenschaften an der Universität der Bundeswehr München und promovierte zum Thema deutsch-thailändische Beziehungen. Danach arbeitete er fast zwei Jahrzehnte als Banker in Deutschland und Vietnam. 2014 wurde er Professor für Internationales Management an der Internationalen Hochschule SDI München. Seit Dezember 2019 ist er Landesdirektor Vietnam der Friedrich-Naumann-Stiftung in Hà Nội. Seine besonderen Interessen liegen in den Bereichen Südostasienwissenschaften, Internationale Beziehungen und Interkulturelles Management.