Dr. Thomas Kreuder, SPD

Dr. Thomas Kreuder, Oberbürgermeister-Kandidat der SPD Bad Homburg. Seine Antworten (s.u.) hat er uns am 20.12.2020 zur Verfügung gestellt.Wir danken für seinen Input und seinen Dialog mit dem Mittelstand.Weitere Infos auf der Website Thomas Kreuder und SPD Bad Homburg.

 

Frage 1: „Was muss aus Ihrer Sicht getan werden, um die wirtschaftliche Entwicklung in Bad Homburg dauerhaft zu sichern?“

Für mich ist eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung von zentraler Bedeutung für unsere Stadt. „Corona“ hat wie unter einem Brennglas Schwächen aufgezeigt und bereits vorhandene Verlagerungstendenzen verstärkt. Deswegen gilt es zunächst, die „Corona-Schäden“ zu begrenzen und das lokale Gewerbe zu stabilisieren. Ich werde eine aktive Wirtschaftspolitik betreiben, die eng mit den Bad Homburger Unternehmen kommuniziert. „Wirtschaft“ ist für mich Chefsache. Als Führungskraft in einem international tätigen Chemiekonzern kenne ich die entscheidenden Faktoren bei Standortentscheidungen. Ich bekenne mich von meiner Herkunft und meiner Berufstätigkeit in den letzten mehr als zwanzig Jahren als „Mann der Produktion“. Und ich habe verstanden, dass die grundlegenden Rahmenbedingungen nun in Richtung Klimaneutralität weisen, worauf sich Großinvestoren wie „Blackrock“ oder „KKR“ längst eingestellt haben. 

Bad Homburg hat gute Voraussetzungen; diese Stärken sind zu nutzen: ein breiter Branchenmix von unterschiedlichen Dienstleistungen über Handwerks- und Industriebetriebe bis hin zu einem straken Kur- und Gesundheitssektor, seine hervorragende Lage im Rhein-Main-Gebiet, direkte Anbindungen an Autobahnen und den Flughafen, ein durchaus leistungsfähiger ÖPNV, dessen weiteren Ausbau gerade meine Partei, die SPD, mit der Verlängerung der U 2 zum Bahnhof seit Jahren gefordert und nun mit durchgesetzt hat. Nun gilt es, den Kreis zu schließen und mit der Regionaltangente West die direkte Verbindung zu den westlichen Frankfurter Stadtteilen und zum Flughafen konsequent voranzutreiben. Zugleich muss der innerörtliche Verkehr klimafreundlicher werden: attraktive und sichere Radrouten und Radschnellwege zu unseren Nachbarkommunen gehören zu einer zeitgemäßen Infrastruktur.

Bad Homburg hat weitere Stärken: die accadis-Hochschule, die groundr-Start-up-Initiative und eine grundsätzliche offene und insgesamt kaufkräftige Bevölkerung. Dies macht uns für Gewerbeansiedelungen attraktiv. Unsere Stadt hat aber auch Schwächen. Es fehlt an Platz. Deswegen will ich unterwertige Nutzungen, wie große Parkplätze in den Gewerbegebieten künftig vermeiden und möglichst zurückführen. Der nötige Parkraum kann durch Parkhäuser geschaffen werden und oberdrein können auf den Dächern Solarpaneele klimaneutralen Strom produzieren.

Nicht erst „Corona“ hat gezeigt, wie unverzichtbar eine hoch leistungsfähige digitale Infrastruktur ist. Ich werde  mich dafür einsetzen, dass Bad Homburg beim superschnellen Internet und 5G eine Vorreiterrolle einnimmt.

Ohne gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geht gar nichts. Hier hat Bad Homburg aus meiner Sicht Nachholbedarf. Wir brauchen mehr bezahlbaren Wohnraum, eine qualitativ hochwertige und bedarfsgerechte Kinderbetreuung, gute Schulen, attraktives Kultur- und Freizeitangebot und mehr Attraktivität für Jugendliche. Die jungen Leute der Stadt sollten nach ihren Schulabschlüssen nicht wegziehen, sondern möglich in Bad Homburg bleiben, eine Ausbildung machen und danach in den lokalen Unternehmen arbeiten. Sie sollten, kurz gefasst, hier ihre Zukunft sehen und finden !

Einpendler sollten Bad Homburg gut erreichen können; am besten mit dem ÖPNV und dem Rad.

 

Frage 2: „Was ist ein wesentliches Anliegen des Mittelstands, dem Sie sich als Bürgermeister widmen wollen?“

Die größte Herausforderung für viele Branchen gerade auch im mittelständisch geprägten Handwerk und kleineren Unternehmen ist der immer stärkere Ausbildungsbewerber- und Fachkräftemangel. Ich werde hier aktiv auf eine bessere Vernetzung von Schulen mit der Wirtschaftsförderung, mit Kammern und Verbänden setzen, um Schulabgängern die Attraktivität einer solchen Berufswahl zu verdeutlichen.

Ich werde mit Unternehmen einen engen Kontakt suchen. In dem Stadtentwicklungsbeirat, den ich als OB als ständiges Dialog- und Beratungsgremium einberufen werde, soll die lokale Wirtschaft eine starke Vertretung haben.

Nach meinem Verständnis hat öffentliche Verwaltung eine primär unterstützende Funktion für Bevölkerung und Wirtschaft. Die Kommunikation mit der Stadtverwaltung muss einfach, schnell und verlässlich sein. Ich werde zu Bürokratieabbau keine Sonntagsreden halten, sondern praktizieren, soweit dies bei kommunalen Genehmigungsprozessen und Verfahren möglich ist. 

Wer hier arbeitet, muss auch hier wohnen können. Doch für neue Mitarbeiter ist die Suche nach einer neuen Wohnung in unserer Stadt oft langwierig und schwierig, da Wohnraum knapp und teuer ist. Deshalb wird bei mir Wohnungsbau eine hohe Priorität haben mit dem Ziel, möglichst viele tatsächlich bezahlbare Wohnungen zu schaffen.

Der „Segmüller-Fall“ in Bad Vilbel zeigt für mich, dass Einzelvorhaben von Gemeinden in vermeintlich „erfolgreichen Wettbewerb“ gegenüber anderen, keine Vorteile bringt, sondern allen schadet. Der stationäre Handel überlebt nach meiner festen Überzeugung nur, wenn er gegenüber den Giganten, seien es Amazon oder Segmüller, den Menschen so etwas wie „Wärme“ und „Wohlfühlerlebnis“ bietet. Dies können nur lokale Geschäfte mit eigener Identität. Daran werde ich arbeiten und dies nach Möglichkeit dauerhaft fördern.    

 

Frage 3: „Bei welcher Herzensangelegenheit wünschen Sie sich die Unterstützung der mittelständischen Wirtschaft vor Ort?“

Eines meiner wichtigsten Ziele ist Klimaneutralität bis 2027. Dezentrale und lokale Anlagen zur klimaneutralen Energieerzeugung sowie zur Verbrauchsverringerung und -vermeidung bieten ein enormes Potenzial. Zum einen für das Erreichen des Klimaziels, aber zum anderen auch für die örtliche Wirtschaft als Auftrags- und Wachstumsmotor. Ideen der mittelständischen Wirtschaft vor Ort für neue und zusätzliche Lösungen, für pragmatische Umsetzung sind willkommen und nutzen allen.  Ich wünsche mir Offenheit und Kreativität, und bin ich mir sicher, beides bei Unternehmern zu finden.