BVMW: Unternehmensgründung muss unbürokratisch machbar sein. Sofort!

Die Gründungszahlen in Deutschland gehen zurück, das ist Fakt. Und dies wegen der bürokratischen Förderbedingungen. Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) fordert mit seinem Netzwerk einen bundesweit einheitlichen Gründer-Lotsendienst

Unternehmensgründungen müssen unbürokratisch machbar sein. Sofort! BVMW schlägt Lösung vor.

Die Gründungszahlen in Deutschland gehen zurück, das ist Fakt. Und dies geschieht derzeit auch wegen der bürokratischen Förderbedingungen. Daher fordert der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) mit seinem Netzwerk einen bundesweit einheitlichen Gründer-Lotsendienst. Ferner setzt sich der BVMW für ein Gründungs-BAföG sowie eine einfachere staatliche Gründungsfinanzierung ein. Wenn diese BVMW-Vorschläge umgesetzt werden, vereinfacht sich die Unternehmensgründung in Deutschland erheblich. Dadurch gewinnt der Standort Deutschland wiederum an Attraktivität für Investoren.

„Selbstständigkeit macht glücklich“, sagt die Gründerin Phablet Hashtag (Name von der Redaktion geändert) im Gespräch mit Michael Heilig, ein vom BVMW Bundesverband mittelständische Wirtschaft ausgezeichneter Mittelstands-Netzwerker in Sachen Kommunikation und Networking und hat ein Funkeln in den Augen, ein Lächeln auf den Lippen. Sie ist ganz von Euphorie beflügelt, wenn sie von der Zukunft spricht. „Selbstständig, das heißt ‚selbst‘ und ‚ständig‘. Mir bedeutet meine Selbstständigkeit viel und sie macht mich und mein Umfeld glücklich. Mag sein, dass das nicht immer so sein wird, schließlich wissen wir nie, was die Zukunft bringt. Aber habe ich gerade beim letzten Business-Frühstück neben dem Butteraufstrich endlich einen Gabelstapler bekommen und noch dazu einen Geschäftsabschluss gemacht.“ Und genauso redet nur eine Neugründerin, die es geschafft hat. „Ich schwimme gerne in einem Blue-Ocean und bewege mich erfolgreich in einer neuen Welt der Fördermöglichkeiten, zwischen den Megatrends von Künstlicher Intelligenz und Algorithmisierung, und ich will werden, wer ich bin und ich will sein, was mich weiterbringt“.

Allerdings nutzen viele Gründer zweifellos viele gut gemeinte Förderangebote wegen zu hoher bürokratischer und zeitlicher Hürden nicht. Damit können kleine Unternehmen in der Startphase aber nicht wachsen. Die aktuelle Lage ist nämlich nunmehr sehr bedenklich. Die Zahl der Unternehmens-gründungen in Deutschland sinkt seit Jahren stetig. Ende 2017 wurde ein neuer Tiefpunkt erreicht. Lediglich 557.000 neue Existenzgründungen sind belegt, was einen Rückgang von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Auch die Gründerquote ist rückläufig. Die Anzahl der Existenz-gründer-innen und -gründer bewegt sich nur noch knapp über einem Prozent. Phablet Hashtag gehört dazu. 99 Prozent eben nicht.

Was sind die Gründe dafür, dass es nicht läuft? Einmal ist die derzeitige gute Situation am Arbeitsmarkt ein Grund für die rückläufige Gründungsquote. Zudem gibt es momentan attraktive Beschäftigungsangebote. Das Förderangebot, das für Neugründer kaum zu überblicken ist, hemmt eher die Zahl der Unternehmensgründungen, als das es hilft. Und dies, obwohl es durch die Förderdatenbank des Bundesmini-steriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) erleichtert werden soll, ist auch dieses Instrumentarium in Folge der mangelhaften Datenpflege mehr ein Hindernis als eine Unterstützung. Zusätzliche Bürokratiekosten und der hohe Zeitaufwand bei der Bearbeitung der Förderanträge mindern oftmals den Mehrwert der Förderung derart, dass Gründungsaktivitäten gar nicht mehr stattfinden.

BVMW-Gründungs-Lotsendienst bundesweit einheitlich einführen und Gründungs-BAföG einsetzen, Staatliche Gründungsfinanzierung vereinheitlichen und verein-fachen

„Bürokratische Hürden hemmen nun einmal Neugründungen. Sie wirken abschreckend auf potenzielle Gründer. Die gesamte Finanzierung des Gründungsvorhabens, zusammen mit notwendigen Investitionen und Betriebsmitteln, sollte deshalb direkt durch die KfW und ohne eine Hausbank abgewickelt werden“. Alle zusätzlichen staatlichen Angebote könnten damit entfallen. Das gesamte Antrags- und Bewilligungsverfahren erfolgt direkt auf der digitalen Plattform gruenderplattform.de von KfW und BMWi, auf der bereits die relevanten Gründungsinformationen zu finden sind“, so das kraftvolle Statement von Michael Heilig.

„Ein Gründungslotsendienst, der Gründerinnen und Gründern bei der Entwicklung ihrer Idee hin zu einem Geschäftsmodell regional begleitet, muss bundesweit einheitlich eingeführt werden. Dafür soll es in jeder kreisfreien Stadt bzw. jedem Landkreis einen Gründerlotsen geben. Lässt sich die Idee erfolgreich umsetzen, wird die Gründerin oder der Gründer von einem beim Lotsendienst akkreditierten Berater in der gesamten Gründungsphase bis zur Anmeldung des Unternehmens begleitet“, so Ideengeber Heilig.

Fazit: Der BVMW schlägt die Einführung einer einheitlichen staatlichen Gründungsförderung über die KfW vor. Bundesweite Gründer-Lotsendienste bieten Gründerinnen und Gründern eine für sie kostenfreie Begleitung ihres Vorhabens von der Idee bis zum Unternehmensstart an. Die KfW als erster Ansprechpartner für alle Gründerinnen und Gründer finanziert über das Gründungs-BAföG den Lebensunterhalt in der Startphase und über die Gründungsdarlehen die Investitionen und Betriebsmittel eines künftigen Unternehmens.

BVMW: Netzwerk für den deutschen Mittelstand

Der BVMW vertritt im Rahmen der Mittelstandsallianz über eine Million Mitglieder. Die mehr als 300 Repräsentanten des Verbandes haben jährlich rund 800.000 direkte Unternehmer-kontakte. Der BVMW organisiert mehr als 2.000 Veranstaltungen pro Jahr.

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Infoblock

Der Gründer-Lotsendienst ist einem Verband, einer Kam-mer, einem Technologie- und Gründerzentrum oder einer Wirtschaftsfördergesellschaft ohne eigene wirtschaftliche Interessen angeschlossen. Dort bewerben sich in einem Ausschreibungsverfahren Gründungsberater für die Durchführung von Developmentcentern (DC) und Gründungsberatungen. Jeder potentielle Gründer kann an einem mehrtägigen DC teilnehmen. Die Finanzierung des Lotsendienstes erfolgt vollständig durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds oder des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung.

Einsetzung eines Gründungs-BAföG. Bisher können nur Arbeitslose einen Zuschuss für die Kosten der Lebenshaltung in der Startphase ihres Unternehmens erhalten. Alle anderen potenziellen Gründer ohne ausreichende Ersparnisse können damit ihre Unternehmensideen nicht umsetzen, obwohl sie über die persönlichen, fachlichen und betriebswirtschaftlichen Kompetenzen für ihre Unternehmensführung verfügen. Für die Finanzierung des Lebensunterhalts in der Startphase der Gründung soll es deshalb ein Gründungs-BAföG oder ein Gründerstipendium geben, das grundsätzlich allen Gründungswilligen offensteht. Die Auszahlungen erfolgen unabhängig von ihrem vorherigen Status. Die Basisförderung soll auf Höhe des ALG-II-Satzes liegen und für maximal 12 Monate als nicht zurückzahlbarer Zuschuss ausgezahlt werden. Sollte ein persönlicher Mehrbedarf bestehen, kann eine Zusatzförderung beantragt werden. Diese funktioniert als zinsloses Darlehen ebenfalls für maximal 12 Monate. Die Basis- und Zusatzförderung soll als privates Einkommen gelten und zählt somit nicht zu den Betriebseinnahmen. Das gesamte Verfahren wird über eine Online-Plattform der KfW abgewickelt.

Die Staatliche Gründungsfinanzierung ist zu vereinheitlichen und zu vereinfachen.

Text: Dr. Sabine Heilig. Quelle: https://www.bvmw.de/fileadmin/03-Themen/Mittelstand/kommission_startups_unternehmensgruender/Positionspapier_Staatliche_Gru__ndungsfo__rderung_final.pdf

Quelle: BVMW Positionspapier (siehe bitte genannten Link)