KLAR IT TEXT Sie sollten nicht versuchen, alle Fehler selbst zu machen

Dieser Text richtet sich an Unternehmer und Geschäftsführer sowie auch an Vorstände, deren Kernkompetenzen nicht in der IT-Welt liegen. Ohne Bereitschaft zu investieren und auch durchaus zu experimentieren wird es nicht gehen (Von BVMW-Mitglied Marko...

KLAR IT TEXT von unserem BVMW-Mitglied FORNAX: Sie sollten nicht versuchen, alle Fehler selbst zu machen.

Dieser Artikel richtet sich an Unternehmer und Geschäftsführer sowie auch an Vorstände, deren Kernkompetenzen nicht in der IT-Welt liegen. Sie sollten bereit sein, in Ihre IT mindestens genauso viel zu investieren, wie in Ihren Fuhrpark - und zwar in die Anschaffung und in die Wartung. Bei der Wartung im gleichen Umfang, als ob alle Fahrzeuge 24 Stunden am Tag und 7 Tage die Woche mit Vollgas unterwegs wären.

Digitalisierung beschreibt für mich das Bestreben, aufwändige manuelle Prozesse durch elektronische Verarbeitung zu beschleunigen und zu vereinfachen. Eigentlich nichts Neues und intuitiv machen Sie das vermutlich schon.

Allerdings wird es Ihnen schwerfallen, alle möglichen Optimierungen für Ihre Prozesses zu erkennen. In der aktuellen Arbeitsmarktsituation kommen Sie aber nicht drum herum, genau das zu tun. Sie müssen mehr Arbeit mit weniger Personal erledigen können und gegebenenfalls alle industriellen Fertigungsprozesse in die IT-Systeme einbinden, um Daten auszutauschen und zu erfassen.

Mitarbeiter sollen möglichst effizient ihre Aufgaben erfüllen können und keine Feuerwehreinsätze mit enormen Überstunden machen müssen. Immer mehr Geräte werden miteinander vernetzt, egal, ob zu Hause die Heizung mit dem Smartphone gesteuert oder die Küchenmaschine Rezepte aus dem Internet herunterladen kann. Sie werden mindestens als Nutzer dieser Dinge in Ihrem Unternehmen damit konfrontiert werden. Jetzt ist nur die Frage, ob Sie möchten, dass Ihre Kaffeemaschine im gleichen Netzwerkbereich angeschlossen wird wie Ihre PCs, mit denen Sie Ihre sensibelsten Produktentwicklungen bearbeiten.

Daraus ergeben sich Herausforderungen. Ihr digitales Netzwerk muss weiter auf Schwachstellen überprüft, Sicherheitsupdates bereitgestellt und an neue technologische Anforderungen angepasst werden. Damit benötigen Sie auf einmal eine komplett andere Kalkulation für Ihre Produkte und Sie müssen ganz andere Haftungsrisiken absichern. Die Idee, alles was man selbst nicht kann, durch einen anderen erledigen zu lassen, der das für viele Kunden macht, ist nicht neu.

Neu ist lediglich, dass wir diese Dienste heute weltweit beschaffen können und es damit keine einheitlichen und vergleichbaren Standards gibt. Es bleibt also nichts anderes übrig, als den Dienstleister sorgfältig auszuwählen, auf ein Kräftegleichgewicht zu achten und das Leistungsniveau regelmäßig zu prüfen. Nur so kann der Dienstleister einen qualitativ hochwertigen Dienst zu geringen Kosten anbieten. Vor allem müssen Sie es irgendwie schaffen, den Überblick über alles zu behalten und dem «schwarze Peter-Spiel» ausweichen.

Denn wenn etwas nicht so funktioniert wie es soll, wird gern mit dem Finger auf andere gezeigt und keiner sucht nach einer Lösung. Mit dem Thema Weitergabe von Daten an Dritte im Cloudgeschäft kommen wir nicht am Datenschutz, also konkret der EU-Datenschutzgrundverordnung DSGVO und dem Bundesdatenschutzgesetz vorbei. Ich bin für den gesetzlich auferlegten Zwang, IT-Systeme und Unternehmensprozesse zu dokumentieren, sehr dankbar, da sie als Arbeitsgrundlage zur Prozessoptimierung und Risikominimierung einen unschätzbar guten Dienst erweisen. Wenn wir unsere personenbezogenen Daten vor unberechtigtem Zugriff schützen können, können wir uns auch vor Industriespionage schützen.

Daneben müssen Sie immer wieder neu entscheiden, ob Sie etwas kaufen, mieten oder selber machen. Auch die Bedrohungslage durch gezielte Angriffe zwingt uns dazu, Systeme regelmäßig zu aktualisieren, und das ist einfach ein regelmäßiger Aufwand. Auf Grund der immer agileren Umgebung, in der wir Anwendungen benutzen, können wir einen Arbeitsplatz-PC keine sechs Jahre mehr verwenden, da die Betriebskosten mit jedem Jahr höher werden und Standardisierungen nicht mehr funktionieren. Sie können kaum mehr Leistungsbereitschaft bei Mitarbeitern vernichten wie durch langsame IT-Systeme.

Wir dürfen auch nicht unterschätzen, was dieses sich immer schneller drehende Karussell an Anwendungen für die Wissensvermittlung an unsere Mitarbeiter bedeutet. Die meisten mittelständischen Unternehmen sind hier meiner Meinung nach überhaupt nicht richtig aufgestellt. Experten, die ihre Netzwerktechnik warten, ihre IT-Sicherheit hochhalten oder über sonstiges Expertenwissen verfügen, hat es damit trotzdem nicht. Und diese Leute müssen Sie erst mal finden und auf dem aktuellen Stand der Technik halten.

Dazu brauchen Sie schon eine nicht unerhebliche Unternehmensgröße. Wenn Sie jetzt noch im Schichtbetrieb arbeiten, brauchen Sie noch mehr Personal, wenn Sie diese Menschen nicht durch Überstunden, Urlaubsunterbrechungen etc. buchstäblich verheizen wollen. Wenn Sie sich mit diesen Themen auseinandersetzen, sich gute Berater oder besser Systemarchitekten ins Haus holen, die ihre Erfahrung auch aus der Umsetzung haben, können Sie problemlos am Puls der Zeit bleiben. Ohne Bereitschaft zu investieren und auch durchaus zu experimentieren wird es nicht gehen.

Aber Sie sollten nicht versuchen, alle Fehler selbst zu machen.

Text: Marko Bauer, FORNAX

Kommentare (0)

Eigenen Kommentar verfassen

* Pflichtfelder


Pflichtfeld

Pflichtfeld

Pflichtfeld

Pflichtfeld
Sie werden per E-Mail benachrichtigt, sobald Ihr Kommentar veröffentlicht ist.