BVMW [Mein Vorblick 2020] Michael Heilig, Netzwerker aus Leidenschaft.

Ich wünsche uns allen eine weiterhin gute und gemeinschaftliche Entwicklung in 2020 und dort, wo es möglich ist, ein erfolgreiches Ziehen an EINEM Strang. Dass es funktioniert, haben wir in 2019 in unserem Netzwerk erlebt. Und darauf sind wir stolz.

Kunstwerk aus Klebestreifen: Sebastian Wolf

Wie ist Ihre Prognose für das Wirtschaftsjahr 2020 bezogen auf Bayerisch-Schwaben, Mittelfranken, Ostalb?

Auch an Schwaben und Mittelfanken geht die aktuell schwächelnde konjunkturelle Lage in Deutschland nicht spurlos vorbei. So ist der IHK „Konjunkturindex Herbst 2019“ für Schwaben im Vergleich zum Frühjahr 2018 um inzwischen 20 Punkte gesunken. Das zeigt, wie die aktuelle wirtschaftliche Lage, nicht nur in Bayern, Schwaben und Deutschland, sondern auch global, unsere schwäbischen und mittelfränkischen Unternehmerinnen und Unternehmer verunsichert. Insbesondere bei Betrieben aus Industrie und Großhandel überwiegen deshalb pessimistische Einschätzungen für 2020.

Damit sich die Stimmung verbessert, muss vor allem der Handelskonflikt zu einem Ende kommen. Die erhöhten Zollbeschränkungen führen zu großen Belastungen für unsere exportorientierten, mittelständischen Unternehmen. Vor diesem Hintergrund ist es umso besorgniserregender, dass in der Industrie auch die Inlandsnachfrage zurückgegangen ist. Zudem führt der drohende BREXIT zu weiterer Verunsicherung. Hier muss endlich eine klare Lösung gefunden werden, damit unsere Mitglieder wieder sicherer planen können. Gleichzeitig bedroht der Fachkräftemangel in bestimmten Berufsgruppen nach wie vor die Konkurrenzfähigkeit unserer Wirtschaft im internationalen Vergleich. Die bayerische und schwäbische Politik muss konsequenter handeln und Lösungen finden.  

Insgesamt wird 2020 für unsere Unternehmerinnen und Unternehmer in Schwaben somit viele Herausforderungen bereithalten.

Wie stellt sich Ihr Netzwerk für 2020 auf? (Was ist geplant? Gibt’s Innovationen?)

Innovationen sind essentielle Treiber für Wachstum und Wohlstand einer Volkswirtschaft. Insbesondere der innovative Mittelstand war in der Vergangenheit ein tragendes Element des wirtschaftlichen Erfolges und gleichzeitig das internationale Aushängeschild der Bundesrepublik Deutschland. Der Anteil an der gesamtwirtschaftlichen Innovationsleistung ist jedoch rückläufig, obwohl zahlreiche Untersuchungen nach wie vor ihre positive Wirkung auf die Leistung kleiner und mittlerer Unternehmen bestätigen.

Der Mittelstand in der Region wird bei den Themen Nachhaltigkeit, Innovationen und Digitalisierung gewaltige Mengen an Kapital und viel Beratung brauchen. Dem wollen wir z.B. bei einer Gründermesse in Nördlingen Rechnung tragen. Denn einfacher Zugang zu technologischem Fortschritt, innovationsfreundliche politische Rahmenbedingungen sowie transparente und unbürokratische Förderrichtlinien sind die Eckpfeiler, um die Innovationsbereitschaft bei Unternehmen zu erhöhen und damit die Gesellschaft voran zu bringen. Die gesellschaftliche Bedeutung von Innovation, Nachhaltigkeit und Digitalisierung sowie Unternehmermut sind Grundlage des Dialogs zwischen Wirtschaft, Politik und Wissenschaft. Diesen zu verstärken ist eine meiner Aufgaben.

Das Netzwerk des BVMW wächst ständig. Alles, was zukünftig digitalisiert werden kann, wird digitalisiert. Digitalisierte Abläufe haben tiefgreifende Auswirkungen auf die Steigerung betrieblicher Wirtschaftlichkeit wie auf die allgegenwärtige Verfügbarkeit von Daten. Digitalisierung beeinflusst die Kostenstruktur von Produkten und Dienstleistungen genauso wie unseren Arbeitsmarkt. Digitalisierung ist die stille Revolution. Und diese Revolution werden wir intensiv durch unsere Netzwerktätigkeiten begleiten.

Die vom BVMW seit vielen Jahren geforderte steuerliche Forschungsförderung wird zum 1. Januar 2020 eingeführt. Unserem Drängen, auch Auftraggeber als Förderberechtigte aufzunehmen, weil sie das wirtschaftliche Risiko für externe FuE-Aktivitäten tragen, hat die Bundesregierung nun entsprochen: Personalkosten für Forschung und Entwicklung können mit 25 % bezuschusst werden. Die maximale Fördersumme beträgt 500.000 Euro pro Unternehmen, unabhängig von der Unternehmensgröße.
Auch die 44-Euro Freigrenze bleibt im Rahmen der Guthabenkarten erhalten. Im Jahressteuergesetz war zuerst vorgesehen, den Sachbezug für Debitkarten abzuschaffen. Der BVMW hat sich gemeinsam mit der Mittelstandsallianz erfolgreich gegen eine mittelstandsfeindliche Steuergesetzänderung gewehrt. Auch Versuche danach, die Freigrenze durch die Hintertür doch noch abzuschaffen, haben wir erfolgreich verhindert.

Die Beschäftigung ist in Deutschland auf dem höchsten Stand seit der Wiedervereinigung. Dennoch gibt es Nachholbedarf. Besonders die mangelnde Flexibilität des Arbeitsmarktes beklagen zwei Drittel der mittelständischen Unternehmen. Durch die digitale Transformation und die Integration der Flüchtlinge kommen weitere Herausforderungen auf den Arbeitsmarkt zu. Der Fachkräftemangel bleibt auch für uns in der Region ein Dauerbrenner. Was wir vor Ort in Veranstaltungen und Vorträgen zum Dauerthema machen. Die Gesundheitsausgaben steigen immer weiter an. Krankheitsbedingte Ausfälle von Arbeitnehmern belasten die Unternehmen zunehmend. Die Digitalisierung des Gesundheitssystems und Investitionen in Prävention würden sich doppelt bezahlt machen: mehr Gesundheit, weniger Kosten.

Ein starker Mittelstand braucht starke Bildung. Gute und differenzierte Bildung ist der demokratische Grundstock einer funktionierenden Gesellschaft und einer stabilen Wirtschaft. Bildung ist mehr als reine Vermittlung von Wissen und Kompetenzen. Sie ist die Grundvoraussetzung für eine selbstbestimmte Persönlichkeitsentfaltung und damit unverzichtbare Grundlage für die Würde des Menschen.
Ich mache mir große Sorgen um das Bildungssystem in Deutschland, welches in den letzten Jahren durch unnötige Bildungsreformen und verfehlte Strukturentscheidungen nicht verbessert, sondern verschlechtert wurde. Können wir es uns leisten, dass bundesweit Millionen von Schulstunden ausfallen? Können wir es uns leisten, dass Millionen junge Menschen ohne Schul- und Berufsausbildung ins Leben gehen? Können wir es uns leisten, dass wir Millionen von Analphabeten in Deutschland haben? Mittelständische Unternehmen beklagen immer mehr die unzureichende Ausbildungsreife von Schulabgängern. Im Fachkräftemangel sehen nahezu alle mittelständischen Unternehmen in Deutschland das größte aktuelle Risiko für eine stabile wirtschaftliche Entwicklung.
Nach meiner Meinung muss Bildung zum Thema Nummer 1 in Deutschland werden.

Deutschland hat sich für die Energiewende entschieden. Atomenergie und fossile Energieträger werden Schritt für Schritt durch erneuerbare Energie ersetzt. Das ist nicht umsonst zu haben, Berechnungen der Bundesregierung gehen dafür von einer halben Billion Euro bis 2050 aus. Der Umbruch zeigt sich auch im global zunehmenden Wettbewerb. Europa steht die Konzentration weltweiter Gas- und Ölreserven unter dem Dach weniger Staatsfirmen entgegen.

Deutschland wird das Klimaziel 2020 aufgrund fehlender Rahmenbedingungen deutlich verfehlen. Mit der Fortführung des aktuellen Kurses wird auch das Klimaziel 2030 nicht erreicht werden. Der Mittelstand ist der Motor der dezentralen Energiewende, denn es sind vor allem mittelständische Unternehmen, die für Innovationen im Energiebereich sorgen und tagtäglich vor Ort den Umbau der Energieversorgung durch ihre Produkte und Dienstleistungen vorantreiben. Der Mittelstand kann damit einen wertvollen Beitrag für die Bewältigung der Klimakrise leisten – allerdings müssen die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Eine erfolgreiche Energiewende kann nur mithilfe funktionierender Marktmechanismen erreicht werden. Mit dem Klimaschutzprogramm 2030 der Bundesregierung wird Klimaschutz erstmals gesetzlich festgeschrieben. Statt eines ganzheitlichen Ansatzes ist die Klimapolitik jedoch ein Sammelsurium an Einzelmaßnahmen und belastet Unternehmer.

Eine CO2-Bepreisung ist der marktwirtschaftliche und richtige Weg, um die Klimaziele zu erreichen. Den Belastungen der Unternehmen durch eine CO2-Bepreisung steht allerdings eine sehr geringe Entlastung durch die Senkung der EEG-Umlage gegenüber. Gerade im Gebäudebestand besteht ein großes Potenzial zur Energie- und CO2-Einsparung. Die Einführung einer steuerlichen Förderung von energetischen Sanierungen und eine Ausweitung der Fördermöglichkeiten sind deshalb längst überfällig.

Die Bundesregierung will erreichen, dass bis 2030 65 Prozent des Stromverbrauchs aus Erneuerbaren Energien gedeckt wird. Dafür werden zwar Ausbauziele für 2030 benannt, ein Regionalisierungsbonus für Windkraft eingeführt und der Förderdeckel von Photovoltaik aufgehoben. Dem steht jedoch eine fehlende Anhebung der jährlichen Ausbauziele und die pauschale Einführung eines Mindestabstands von 1.000 Metern für Windkraftanlagen gegenüber.

Unumstritten werden sich Verkehrswege und Verkehrsmittel in den nächsten Jahren enorm weiterentwickeln. Dabei sind selbstfahrende Autos und batteriebetriebene Antriebssysteme nur zwei Vorboten des neuen Zeitalters. Intelligente Netze, IT-gestützte Leitsysteme oder gar ein „selbstheilender“ Asphalt stehen vor dem Hintergrund einer stetig schwindenden Landbevölkerung bei gleichzeitig zunehmender Verstädterung – die Herausforderungen sind groß. Wettbewerbsfähige Verkehrsnetze sind Voraussetzung für den wirtschaftlichen Erfolg des Mittelstands. Im Verkehrs- und Logistikbereich bahnen sich mit alternativen Antrieben und Autonomen Fahren radikale Veränderungen an. Diese Entwicklungen bieten vielfältige Möglichkeiten und Chancen für den Mittelstand. Es ist höchste Zeit, dass in Deutschland die entsprechenden Weichen gestellt werden.
Die Umstellung auf klimafreundliche Antriebe - seien es batterieelektrische Fahrzeuge, Brennstoffzellenfahrzeuge mit Wasserstoff oder die Verwendung von synthetischen Kraftstoffen aus Erneuerbaren Energien - wird die Mobilität der Unternehmen in der nahen Zukunft grundlegend beeinflussen. Die Anzahl der Fahrzeuge mit Hybrid- und Elektroantrieb wird zunehmen. Auch wenn das von der Bundesregierung angestrebte Ziel bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge in Deutschland zugelassen zu haben, nicht mehr erreicht werden wird, wächst deren Anzahl exponentiell.

Wie blicken Sie ganz persönlich aufs Jahr 2020? (Wünsche? Gute Vorsätze!)

Ich schaue gerne auch 2020 über den sogenannten Tellerrand, egal wie breit er ist. Künstliche Intelligenz sowie virtuelle und erweiterte Realitäten werden stärker in unser Leben treten. Wir sollten diese annehmen und nicht mit Ängsten darauf reagieren.

Wenn uns die Welt um etwas beneidet, dann ist es der deutsche Mittelstand. Er ist Innovations-, Technologie- und Wirtschaftsmotor Deutschlands. Er erfindet sich ständig neu, steht für das internationale Qualitätsmerkmal „Made in Germany“ und ist Garant für die stabile Stellung Deutschlands. Regional, national und rund um den Globus.

Mein Ziel ist es, die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu stärken und damit die Zukunftsfähigkeit des deutschen Mittelstands zu sichern.

Für mittelständische Unternehmen gehört Nachhaltigkeit zum Selbstverständnis. Ihre Unternehmen sind langfristig aufgestellt und sollen Generationen überdauern. Für sie ist eine nachhaltige Wirtschaftsweise und die Wahrnehmung der gesellschaftlichen Verantwortung von besonderer Bedeutung. Viele mittelständische Unternehmen sind über Jahrzehnte fest in ihren Regionen verwurzelt und denken generationenübergreifend. Der Erfolg der Unternehmen hängt deshalb wesentlich von der Stärke der Regionen ab. Mein Wunsch ist es, die Region noch bekannter und stärker zu machen.

Klimawandel, Verlust der Biodiversität und Ressourcenverknappung sind zentrale Herausforderungen unserer Zeit. Der Mittelstand engagiert sich im Sinne der Nachhaltigkeit, denn eine zukunftsfähige Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft ist ohne den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen nicht möglich. Deshalb bedarf es politischer und rechtlicher Rahmenbedingungen, die eine nachhaltige Wirtschaftsweise befördern. Es hat sich gezeigt, dass Umweltschutz und wirtschaftlicher Erfolg kein Widerspruch in sich sind. Im Gegenteil: Der Mittelstand kann durch Umweltschutzmaßnahmen seine Wettbewerbsfähigkeit immens erhöhen und dabei eine Vorreiterrolle einnehmen.

Auch hier wünsche ich mir also schnelle Taten und Erfolge.

Ich wünsche mir und uns allen eine weiterhin gute und gemeinschaftliche Entwicklung in 2020 und dort wo es möglich ist, ein erfolgreiches Ziehen an EINEM Strang. Dies ist nicht nur ein hehrerer Wunsch, sondern Aufforderung an alle, die Zusammenarbeit auszubauen und gemeinsam für den Erfolg des Mittelstandes eine Bresche zu schlagen. Dass es funktionieren kann, haben wir in 2019 in unserem Netzwerk erlebt. Und darauf sind wir stolz.

Ihr
Michael Heilig
Selbständiger Repräsentant
Leiter des Kreisverbandes Donau-Ries
Der Mittelstand. BVMW - Bundesverband mittelständische Wirtschaft, Unternehmerverband Deutschlands e.V.
Wirtschaftsdreieck Bayerisch Schwaben, Mittelfranken, Ostalb, Donau-Ries
Wirtschaftsregion Bayern Süd

Text und Interview: BVMW, Achim von Michel und Dr. Sabine Heilig

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