Beherzt! Corona: Positive Geschichten aus dem Mittelstand der Region

„Die aktuelle Krise bedeutet erhöhte Suchtgefahr in einer ohnehin schon suchtförderlichen Gesellschaft“ (Patrick Durner)

Menschen gehen unterschiedlich mit Krisen um. Die einen verfallen in die Angststarre, die anderen suchen nach Lösungen und wieder andere wollen die Gefühle, die in einer Krise aufkommen nicht spüren. Letztere greifen gerne zu Substanzen, um genau diese Gefühle zu betäuben. „Glücklicherweise“ bietet unsere Gesellschaft davon reichlich und teils auch zu wirklich erschwinglichen – also krisentauglichen – Preisen. Auch die digitalen Medienangebote sind bereits so zahlreich, dass sie selbst mit über einhundert Lebenszyklen nicht vollständig konsumiert werden könnten. Tendenz steigend. Die bunten und glitzernden Digitalwelten laden zum Vergessen der komplizierten Welt da draußen ein. Und wer möchte kann sich alternative Identitäten zulegen, die in der digitalen Welt mehr Souveränität haben, als man selbst in der Realität. Spieleanbieter und Streamingdienste konnten im ersten Quartal 2020 rekordverdächtige Zunahmen an Neukundenverträgen verzeichnen. Und eine Studie der DAK belegt, dass der problematische Medienkonsum seit dem Corona Lockdown massiv zugenommen hat.

Manch Arbeitgeber jubelt inzwischen über die Aussicht, teure Bürogebäude dank der Umstellung auf Homeoffice oder remote working kündigen und damit richtig Geld sparen zu können. Corona hat definitiv das digitale Arbeiten beschleunigt. Auch bei uns als Anbieter von Präsenzseminaren und -fortbildungen sind digitale Angebote neu gewachsen.

Gleichzeitig werden auch schon die negativen Auswirkungen von Homeoffice und digitalen Fortbildungen sichtbar. Im Homeoffice können Risikokandidaten hemmungslos ihrem Laster frönen. Der Vorgesetzte hat kaum eine Chance, davon etwas mitzubekommen und seiner Fürsorgepflicht gerecht zu werden.

 

  • 5 % der Arbeitnehmer sind alkoholabhängig, bei Führungskräften sind es 10 %. Weitere 10% haben einen riskanten Alkoholkonsum
  • 6,5 % der Erwerbstätigen in Deutschland gelten als riskante Gamer.
  • Medikamentenabhängigkeit inzwischen auf Platz 2 der Süchte nach der Nikotinabhängigkeit. Statistiken zu Medikamentenabhängigkeit am Arbeitsplatz existieren nicht. Dunkelziffer dürfte höher liegen als bei Alkohol
  • Neue psychoaktive Stoffe (NPS) sind relativ einfach über das Internet zu beziehen. Konsum ist nur sehr schwer nachweisbar.
  • Cannabis ist inzwischen auf Rezept erhältlich. Und die Verschreibungsquote steigt rasant

 

Alle Suchtformen zusammengenommen müssen wir von bis zu 20 % Suchtgefährdeter ausgehen. Und das waren die Zahlen VOR Corona.

Im Homeoffice und ohne persönliche Begegnungen im Arbeitskontext kann die Gefährdung unbemerkt zum handfesten Problem anwachsen. Die vielseitigen Bemühungen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements der letzten Jahrzehnte kommen leider allzu oft im Homeoffice nicht an.

Was also tun, damit das Experiment Homeoffice nicht zur Gesundheitsfalle wird?

 

  • Arbeitgeber müssen ihre Mitarbeitenden im Blick behalten. Zu hoffen, dass jeder Mitarbeitende auch eigenverantwortlich und selbstfürsorglich handelt, wird zu bösen Überraschungen führen. Die Fürsorgepflicht ist und bleibt Aufgabe des Arbeitgebers. Das gilt auch für Heimarbeitsplätze.
  • Homeoffice funktioniert nicht ohne Regeln, wie sie beispielsweise in Betriebsvereinbarungen festgehalten sind. Nur wer will diese überprüfen und wie?
  • Nicht jeder Mitarbeitende ist für Homeoffice als Dauerlösung gemacht. Es zeichnet sich bereits ab, dass Hybridlösungen das zukunftsfähigste Modell ist. Also mindestens ein bis zwei Präsenztage pro Woche am Standort, sodass die Führungskraft sich von Angesicht zu Angesicht ein Bild vom Gesundheitszustand des Mitarbeiters machen kann.
  • Prävention ist wichtiger denn je. Wer jetzt an Präventionsmaßnahmen spart, zahlt mit Ansage mittelfristig drauf. Denn ein Ende von Corona ist noch nicht abzusehen. Im Gegenteil zeichnet sich die große Welle aktuell bereits ab. Und die Inhalte der Präventionsangebote sind gerade jetzt höchst akut und relevant.
  • Das alltägliche kollegiale Miteinander ist unserer Erfahrung nach das, was Menschen im Homeoffice am meisten vermissen. Zumindest wenn die Firmenkultur wertschätzend und positiv ist. Es sollte also Möglichkeiten geben, die Kollegialität zu pflegen, wie z.B. digitale Kaffeepausen oder auch reale Freizeitaktivitäten.
  • Echte gelebte Wertschätzung ist eine der wirksamsten Präventionsmaßnahmen. Und Wertschätzung ist über Bildschirme deutlich weniger wirksam. Bedeutsame Mitarbeitergespräche sollten also unbedingt im persönlichen Kontakt geführt werden.
  • Auch die Struktur ist im Homeoffice besonders wichtig. Eine gelebte Pausenkultur sowie die disziplinierten Feierabendzeiten sind langfristig erwiesene Gesundheitsfaktoren. Hierbei können technische Lösungen hilfreich sein.

 

Diesen Text erhielten wir von unserem BVMW-Mitglied:

Patrick Durner
Betriebliche Suchtprävention Miehle GmbH
Region Süd
Ulmer Str. 160
86156 Augsburg
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