Melodie: Warum "keine Experimente" der falsche Weg ist!

Prof. Dr. Constantin May. Professor & Researcher @ Ansbach University | Founder & Academic Director of CETPM Institute | Publisher of "Deutscher Management Verlag" | Author | Coach und Mitglied des BVMW.

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Warum "keine Experimente"​ der falsche Weg ist!

von Prof. Dr. Constantin May

Professor & Researcher @ Ansbach University | Founder & Academic Director of CETPM Institute | Publisher of "Deutscher Management Verlag" | Author | Coach und BVMW-Mitglied.

Die Corona-Pandemie offenbart wie ein Brennglas Deutschlands Defizite – ob im föderalen Schulwesen, in der Digitalisierung oder dem spezifischem Schutz von Hochrisikogruppen. Aber darüber ist schon so viel geschrieben worden und täglich zeigen sich neue Unzulänglichkeiten. Wir sollten nun die Chance nutzen, die offensichtlichen Verbesserungspotenziale auszuschöpfen - und zwar mit Experimenten!

Eigentlich hätte ich große Lust über Themen zu schreiben, die mich momentan aufwühlen, z.B.

 

  • über meinen 87-jährigen, pflegebedürftigen Vater, der immer noch kein Impfangebot bekommen hat, weil die EU zu träge ist, lebenswichtige Entscheidungen in angemessener Zeit zu treffen,
  • warum es meiner Heimatstadt seit Mitte letzten Jahres nicht gelungen ist, über eine Ausschreibung die Laptops und Tablets zu bekommen, auf die einige Schüler dringend angewiesen wären (wobei - das eigentlich Problem sind m.E. nicht die Endgeräte sondern der performante Internetzugang!).
  • über eine öffentliche Verwaltung, die es nicht schafft, Faxgeräte durch moderne Alternativen zu ersetzen und der es leichter fällt, uns mit immer neuen, immer komplizierteren Regelungen zu überschütten, als sicherzustellen, dass großspurig versprochene Wirtschaftshilfen beantragt und ausgezahlt werden können! Beispiel gefällig? Bei dem Versuch herauszufinden, ob und wann wir unsere Weiterbildungsangebote wieder in Präsenz durchführen können, wurde ich auf folgendes Dokument verwiesen: „Verordnung zur Änderung der Elften Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung vom 12. Februar 2021: Auf Grund des § 32 Satz 1 in Verbindung mit § 28 Abs. 1, §§ 28a, 29, 30 Abs. 1 Satz 2 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) vom 20. Juli 2000 (BGBl. I S. 1045), das zuletzt durch Art. 4a des Gesetzes vom 21. Dezember 2020 (BGBl. I S. 3136) geändert worden ist, in Verbindung mit § 9 Nr. 5 der Delegationsverordnung (DelV) vom 28. Januar 2014 (GVBl. S. 22, BayRS 103-2-V), die zuletzt durch § 14a der Verordnung vom 2. Februar 2021 (GVBl. S. 26) geändert worden ist, verordnet das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege…“ (Quelle? Also wenn Sie sich das wirklich antun möchten, bitteschön: https://www.verkuendung-bayern.de/baymbl/2021-112/)

 

Aber mir geht es heute um etwas anderes, was ich einfach nicht aus dem Kopf bekomme:

„Wir machen keine Experimente. Es ist Zeit, auf Nummer sicher zu gehen.“

Das ließ ein ranghoher Politiker am 15. Dezember 2020 per Twitter verlauten. Und kürzlich konnte ich ähnliches auf LinkedIn von einer Schweizer Politikerin lesen: „Es darf keine Experimente mit dem ganzen Volk, der ganzen Wirtschaft und der ganzen Gesellschaft mehr geben.“

Experimente sind nach dieser Einschätzung etwas Schlechtes, worauf man in Zeiten wie diesen unbedingt verzichten sollte – keine Experimente so der Tenor, dann sind wir sicher. Was für eine fatale Fehleinschätzung!

Schon Einstein betonte:

„Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.“

Um mit Unsicherheit umzugehen, wäre die Förderung einer Experimentierkultur, einer praktischen wissenschaftlichen Denkweise vielmehr absolut dringend notwendig! Seien wir doch ehrlich zu uns und anderen: Niemand weiß, wie sich die Pandemie weiterentwickelt und niemand weiß, wie die Welt der Zukunft aussehen wird.

Deshalb sollten wir uns bewusst machen, dass wir ohne Experimente in der Sackgasse stecken. Wir sollten uns bewusst machen, dass es sinnvoll ist, jede Idee mit einem Experiment zu testen. Dann können wir lernen, unsere Erwartungen mit dem, was tatsächlich passiert, abzugleichen und aus dem Unterschied zu lernen und unsere Handlungen anzupassen.

Solch eine praktische wissenschaftliche Denkweise ist vermutlich die beste uns zur Verfügung stehende Herangehensweise, um uns durch das vor uns liegende, unvorhersehbare Gelände zu bewegen und damit unsere Anpassungsfähigkeit zu fördern. Sie ist der Schlüssel für den Erfolg von Unternehmen und die Bewältigung der großen Herausforderungen vor denen wir stehen.

Voraussetzung für Experimente ist natürlich eine eingehende Analyse der Ausgangssituation und das Vorliegen einer zuverlässiger Datenbasis. Daran mangelt es im Falle der Pandemiebekämpfung leider – dem heiligen Gral „DSGVO“ sei Dank!

Was meinen Sie, brauchen wir mehr Experimente oder weniger?

P.S.: Wenn Sie das Thema einer praktischen wissenschaftlichen Denkweise interessiert und wie man sie mit nur 20 Minuten täglicher Übung entwickeln kann, dann schauen Sie doch mal auf die Website zum KATA-Praxishandbuch. Dort können Sie das erste Teil des Buches als Hörbuch kostenlos herunterladen: www.cetpm.de/kata-praxishandbuch/

Diesen Text schrieb uns unser BVMW-Mitglied Prof. Dr. Constantin May. Dankeschön.

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