Standpunkte 2007

Globalisierung braucht Heimat 

07.12.07 Der wirtschaftliche Aufschwung ist, Dank innovativer, engagierter Unternehmer und mittelstandsfreundlicher Verwaltungen auch in der Oberlausitz angekommen! Natürlich sehr differenziert, manchmal sehr verhalten, vieles noch nicht so wie es sich jeder wünscht, aber noch besteht die Chance zu weiteren Wachstum.

Andererseits vermiest uns die „Jahresteuerungsrate“, d.h. die Inflation in Sachsen im November mit 3,4 % und gefühlte Inflation sogar bei 7,5 % (die höchste seit 1994) die Stimmung. Für ganz Deutschland wird ein Wirtschaftswachstum von 1,6 für 2008 angenommen. Wir wissen mindestens 3% sind nötig, wenn wir nicht im Jahre 2020 bis zu 15% hinter den Spitzennationen in Europa zurück liegen wollen.

Der Wettbewerb treibt uns und wir haben das Gefühl nie fertig zu werden und damit kommen viele nicht klar! Biedenkopf meint: Wir leben in einer Welt der Entgrenzung. Er fordert Begrenzungen zu ermöglichen. Immer deutlicher wird, wir brauchen eine neue Arbeits– und Leistungskultur, um innovativer werden zu können. Wir merken, es sind kulturelle Herausforderungen die auf der Tagesordnung stehen. Die gesellschaftliche Verantwortung des Unternehmers besteht heute nicht mehr allein darin Gewinne zu machen, für die Werthaltigkeit der Firma zu sorgen; nachhaltige Erfolge basieren immer mehr auf einer DNA, auf einem Corporate Identity (CI) meint Lufthansachef Mayrhuber.

Die Unternehmen müssen sich immer mehr als guter Bürger (Corporate Citizen) verstehen, um auch am Markt mit qualifizierten Mitarbeitern erfolgreich zu sein. Als BVMW-Oberlausitz positionieren wir deshalb Projekte an den Schnittstellen von Unternehmen und Öffentlichkeit: Unternehmer-Kultur und Unternehmer-Jugend.

Wir gehen davon aus, dass eine gute Geschäftslage und neue Arbeitsplätze auch in der Oberlausitz entstehen, wenn die Freude am Unternehmertum wächst, weil es ein förderliches Gründungsklima und Unternehmerbild in der Öffentlichkeit gibt. Da wir nicht auf andere warten sollten, tun wir selber was dafür und suchen uns die richtigen Partner.

Autor: Wilfried Rosenberg

Der Marktwirtschaft fehlen die Protagonisten

05.11.07 Natürlich ist Marktwirtschaft anstrengender als Planwirtschaft. Unternehmer wissen das. Wie gerade in empirischen Untersuchungen bestätigt: Liberale sind glücklicher, zufriedener, optimistischer und gesellschaftlich engagierter.

Es lohnt sich dafür zu werben! Der eigenen Persönlichkeit wegen. Wenn es um den Menschen geht, hat Marktwirtschaft auf jeden Fall den Vortritt. Es bedarf auch nicht des Wörtchens „sozial“ davor, wo schon Ludwig Erhard diesen Begriff als ungeeignet bezeichnete irgend etwas auszudrücken. 

Das Gesellschaftsbild von Kurt Beck wird in der Kritik an der Unionspolitik deutlich: die wollen „den Menschen nur Druck machen, ihnen nur mehr wegnehmen“. Auf eine solche Idee kann nur einer kommen, bei dem Wohlstand durch „gerechtere“ Verteilung entsteht, einer der Macht von oben haben will und dem der Mut fehlt die Vielfalt zu fördern.

Es ist aber gerade das kreative Handeln von Vielen die die Wertschöpfung voranbringt. Es ist der Wettbewerb, der Unterschied, der Veränderungen bewirkt und sie so als etwas ganz Normales begreifen lässt; zum Wohlstand und Frieden für die ganze Gesellschaft führt.

Es ist die Individualität der Menschen, Unternehmer, Netzwerke, die vielfältige Alleinstellung die die ganze Oberlausitz voran bringt, nicht deren Nivellierung und Zentralisierung! Es ist gut, dass in der Oberlausitz manche Städte wie unlängst Görlitz Selbstbewusstsein demonstrieren, viele unabhängige Netzwerke entstehen! Das macht staatliche Konstruktionen unsicherer!

Jetzt soll ein Modellprojekt „Wirtschaftsservice“ bei der Marketing-Gesellschaft-Oberlausitz gestartet werden, wo ich immer dachte, die MGO wäre schon so etwas? Dazu ist ein „Netzwerkkoordinator“ ausgeschrieben, wo wir ja schon Regionalmanagement und „Arbeitsmarkt-Koordinatoren“ haben. Nicht klar was die Person koordinieren soll; wozu eine weitere Organisationsstruktur nötig ist.

Das muss Unternehmer in der Marktwirtschaft stutzig machen, weil dort nicht nur Steuern verpulvert werden die Unternehmen vorher erarbeiten mussten. In Netzwerken der Wirtschaft hat der Staat nichts zu suchen! Auch Mittelständler sollten den Verlockungen widerstehen, das nicht noch fordern, sondern eher auf die Kräfte des Marktes setzen.

Der Staat, die Kommunen sollen Rahmenbedingungen schaffen um Fairness zu gewährleisten. Es genügt zu sichern das Eins plus Eins für alle zwei ist und bleibt! Unser Verhalten muss durch gegenseitige Absprachen und Treue bestimmt werden, Anstand muss zur Währung werden! Dazu braucht niemand „reguliert“ werden. Man muss nur nicht durch falschen Gerechtigkeitssinn die schützen die dagegen verstoßen!

Wir sehen, an der „Moral“ der Marktwirtschaft liegt es nicht. Manche Politiker suchen nur nach Feindbildern, um an der Macht zu bleiben. Erst wenn die Kreativen die Kraft der Mehrheit bilden, sind sie nicht mehr die Dummen. Dazu müssen sie sich nicht mal zusammenschließen und sich pragmatisch einig werden, sondern nur fordern und praktizieren, dass Freiheit immer auch Verantwortung bedeutet.

Autor: Wilfried Rosenberg

Komplexität wächst ... aber die deutsche Regierung kann nötige Veränderungen nicht herbeiführen.

01.10.07 Wie lange kann das ein Mittelständler, insbesondere im Osten, ertragen? Viele bemühen sich mehr denn je. „Viele haben die Gegenwart jetzt besser im Griff, um auch noch klarer in die Zukunft zu denken“ (M. Medack - AIB Bautzen).

Aber werden diese Bemühungen der Unternehmer auch belohnt? Noch immer gibt es keine selbstragende Entwicklung Ost! Ein nötiger Strategiewechsel ist nicht in Sicht: 

Die Steuereinnahmen steigen beim Bund um 16,4%, aber der Reallohn sinkt, die Inflation / Verbraucherpreise explodieren; seit 2002 auf 112,8 %. Mit Mindestlohndebatten wird Volksverdummung betrieben und die Unternehmer zur Melkkuh, wie zum Bösewicht gemacht. 80% der Bürger meinen, das der Staat jedem seinen Arbeitsplatz bereitstellen sollte, der arbeiten will. Verkehrte Welt!

Dem Unternehmer bleibt nur übrig: Die Aufklärung über das positive Wesen der Marktwirtschaft selbst zu übernehmen, wenn er weiter in Deutschland Unternehmer bleiben will! Setzen wir die Parteien, egal welcher Farbe, in den Wettbewerb! Erklären wir warum wachsender Arbeits- markt und niedriger Reallohn nicht im Widerspruch stehen, sondern Ausdruck der sich in der Arbeitswelt vollzogenen Strukturveränderungen (Zeitarbeit, Mini- jobs...) sind, die Politik und Gewerkschaften nicht erkennen wollen, sondern sie verteufeln.

Im Bund nahmen die Gemeinden im 1. Halbjahr 2007 6,1% (zu 2006) mehr Gewerbesteuern ein. In "Bautzen fehlen zwei Millionen" titelte die SZ vom 27.09.07, weil die Gewerbesteuer eingebrochen ist.

Daraus könnte sehr missverständlich geschlossen werden, dass Unternehmen sich schlecht entwickeln. Das Gegenteil ist aber der Fall: Die Unternehmen haben die Erträge investiert und seit 2004 wieder Arbeitsplätze geschaffen (jetzt ca. 22.700) und so ihre Gewinne reduziert, was die Gewerbesteuer senkt und die Stadt nicht das in den Standort "stecken" kann, was sie gern würde. Die Gewerbesteuer ist ein Relikt der Vergangenheit, sie gehört abgeschafft, weil sie für Standort entwicklung ungeeignet ist, was der BVMW seit langen fordert!

Bautzen kann diese Erscheinung noch verkraften. Was macht da z.B. Görlitz; was städtebaulich immer anziehender wird, aber mit 21,6 % Arbeitslosigkeit Sachsen Spitzenreiter ist (Plauen hat 11,8%)? Görlitzer Unternehmen, fast gleich viele wie in 

Bautzen, machen (2005) nur noch 49% des Umsatzes der Bautzener; das Jahr zuvor waren es noch 53%.

Der Baubeginn der Westtangente Bautzen muss 2008 erfolgen, aber der Haushaltsentwurf des Bundes sieht das noch nicht vor. Wir sind gefordert! Mit Schreiben an den Bundesverkehrsminister Tiefensee hat jetzt der Sprecher der SIG Südumfahrung Michael Jursch (HEMAS) auf die Bedeutung der Straße erneut aufmerksam gemacht. Darüber haben wir weitere Politiker informiert.

Die Bundestagsabgeordneten aller Parteien die meinen die Interessen der Region zu vertreten fordern wir auf dem Bundeshaushalt so nicht zuzustimmen! Gespräche laufen! Bis Mitte Oktober wird entschieden wie wir dann weitermachen. Obwohl Steinbrück mehr einnimmt, werden für den Fernstraßenbau nur noch 4,7 Mrd. € für 2008 veranschlagt, 2005 waren es noch 5,26 Mrd €.

Für sächsische Projekte waren es 2006 noch 225 Mio. €; für 2008 sollen es 80 Mio. € und 2009 sogar nur noch 68,4 Mio. € sein. Das alles wo wir wissen, das nötige Verkehrsaufkommen wächst, die Pendlerzahlen gerade aus der Oberlausitz wächst ebenfalls (nur noch 43,6% arbeiten am Wohnort in Sachsen - 1996 waren es noch 53,6 €; im NOL sind es gar nur 25%!)

Autor: Wilfried Rosenberg

Die Konjunktur vergeht bevor sie beim Menschen ankommt! 

03.09.07 ... daran will und kann die aktuelle Bundesregierung, wie Meseberg zeigt, offensichtlich nichts ändern. 

Ob Klimapolitik, ob ein Gutmenschen-Titel „Aufschwung-Teilhabe-Wohlstand“, Gesundheitsreform, Unternehmenssteuerreform, oder was man zum Thema Erbschaftssteuer oder Arbeitsmarkt (Mindestlohn/Investivlohn) hört, ein „Mehr“ kommt nur beim Finanzminister und den Global Playern, den Kapitaleinkünfte-Beziehern, die sich oft dem deutschen Staatshandeln glücklicherweise entziehen können, an.

Wachsende Umsätze führen nicht automatisch, wie beim Staat, zu wachsenden Einkommen bei den Leistungsträgern, den eigentlichen Wertschöpfern. Fakt ist: Das verfügbare Einkommen der Sachsen ist von 2004 zu 2005 um 0,5%, d.h. um 80€ je Einwohner zurückgegangen; es betrug 14.599 €; in Görlitz nur 14.102 €. 

Besondere Dramatik zeigt sich, wenn dann noch gesehen wird, das 2005 nur noch 37% der Jugendlichen erwerbstätig waren; 1996 waren es noch 52%. Auch wenn noch keine aktuellen Daten vorliegen: Die Konjunktur vergeht bevor sie beim Menschen ankommt, weil mit Mehrwertsteuer und Kostenentwicklungen im deutschen Umverteilungsstaat mehr genommen wird, als erwirtschaftet werden kann.

Wie sollen Menschen mobilisiert werden, wenn sie sich für mehr Leistung nicht mehr leisten können? Nun höre ich sofort von einigen die wenig von Ökonomie verstehen: Dann sollen die Unternehmer doch mehr Lohn zahlen! Als ob das vor allem eine Frage der Moral wäre! 

Die Regulierer, Gleichmacher und Umverteiler auf allen Ebenen der Politik sind die Geldfresser, nicht die Leistungsträger! Die Frage: Wie viel Sozialismus kann sich die Marktwirtschaft leisen?; wird zu beantworten sein!

Unternehmer tun gut daran zu erkennen: Das Individuum und nicht den Kollektivismus, in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen zu stellen! Die Menschen haben sich mehr geändert als uns Politiker Glauben machen wollen. Die „neuen“ Menschen setzen Glück vor Pflicht, Individualität vor Anpassung, Veränderung vor Festgefahrenheit; sie fragen nicht nach Schuld, sondern nach Lösungen. 

Die Erfolgreichen verfolgen immer mehr ihren eigenen Lebensentwurf. Die „Besseren“ braucht der erfolgreiche Unternehmer. Die müssen am Markt im Wettbewerb gefunden und entsprechend belohnt werden, um als Unternehmen wettbewerbsfähig zu bleiben.

Dieser nötige, brauchbare Wettbewerb teilt die Gesellschaft, aber sie wird dabei nicht schlechter! Im Gegenteil! Politiker könnten helfen, wenn sie erfolgreiche gesellschaftliche Innovationen losbrechen. Leider kann ich das nicht im erforderlichen Maße erkennen.

Als BVMW-Oberlausitz versuchen wir unseren Beitrag zu leisten, Unternehmen erfolgreicher zu machen. Orte für Innovationen sind kleine Lebenskreise. Deshalb bieten unsere verschiedensten Arbeitskreise Keimzellen für innovative Veränderungen! Von dort aus werden wir kritischer und konsequenter das Handeln verantwortlicher Politiker beurteilen und unsere Forderungen stellen. Wenn Politik ein Primat haben will (F. Müntefering), dann muss sie so handeln; auch in der Oberlausitz!

Autor: Wilfried Rosenberg

Hast du es eilig, gehe langsam!

11.07.07 Der 7. Mittelstandstag hat klar herausgearbeitet: Zukunft ist anders! Alleinstellungsmerkmale zählen - Marke sein! 

Von unserer Fähigkeit die Veränderungsgeschwindigkeit zu erhöhen, d.h. schnelle wirkliche Veränderungen zu erreichen hängt ab, ob wir als Wirtschaftsregion Oberlausitz oder auch als einzelnes Unternehmen wettbewerbsfähig sind oder nicht. Anstand, Ansehen und Respekt werden zu einer neuen Währung. Gelingt es dafür geeignete Instrumente einzusetzen, technisch orientierte Sachfragen um das Thema „Führung“ zu ergänzen?

Die alten Methoden werden auf jeden Fall immer weniger funktionieren: Noch flexibler werden, sich auf das Wesentliche konzentrieren, anderseits uns noch mehr gezielt aufeinander zu bewegen. Offener Denken, auf gleicher Augenhöhe agieren, aber sich stets dem Wettbewerb aussetzen wollen, Neid und Ängste ignorieren können!

Jeder Einzelne steht vor einem scheinbar nicht auflösbaren Widerspruch: Für Veränderungen braucht man Zeit, aber der Wettbewerb zwingt uns zum Tempo. Die Lösung ist: Konzentriertes Handeln! Bewusstes weglassen! Eben effektiver sein! Hier klafft das Herangehen von Mittelständlern und politischen Verwaltungen (Staat) heutiger Prägung auseinander.

Der Unternehmer hat unter den gegebenen Umständen keine Wahl, seine Verantwortung ist durch den Markt klar bestimmt; auch wenn uns Gutmenschen etwas anderes einreden wollen. Vom Staat erwarten Unternehmer mehr Freiheiten und die Erfüllung einer Moderatoren-Funktion, die dazu beiträgt die Entfaltungsmöglichkeiten zu verbessern. Tut er das? Da bleiben Zweifel! 

Als BVMW-Regionalgeschäftsstelle werden wir jedenfalls am Unternehmerbild in der Öffentlichkeit arbeiten und den Dialog mit Politik und Medien weiter aktivieren, um Brücken zu bauen.

Autor: Wilfried Rosenberg

Wachstum mit weniger Menschen!

11.06.07 Während die sächsische Wirtschaft neue Rekorde meldet (Verarbeitendes Gewerbe +16,1% mehr Umsatz zu 2006), besonders die Exportquote weiter auf 38,9% stieg, nahmen die Sachsen um 24.000 Menschen ab.

Ähnliches vollzieht sich in der Oberlausitz! Aber die „Schrumpfung“ zu 2005 ist hier 2006 größer: Sachsen 0,6%, aber : Kamenz 0,7%, Bautzen und Görlitz je 0,9%, Zittau 1,2%, Löbau 1,8%, Niesky 2,0 %, Hoyerswerda 2,5% und Weißwasser 3,2% weniger Bevölkerung. Wir werden in der Oberlausitz unseren eigenen Weg finden und erzwingen müssen.

Unsere Geschichte gibt uns da manche Erfahrungen auf den Weg, auch wenn die neue Stufe der Globalisierung ein völlig neuartiges Herangehen fordert. Der weltweite Wettbewerb erfordert neue Strategien zur Bildung und Ausbildung der Menschen. Der Staat muss Hilfe zur Selbsthilfe geben, welche die Menschen flexibler werden lässt und sich beim Lernen wohlfühlen, um die neuen „globalisierten“ Chancen zu erkennen!

Eine besondere Rolle kommt den wirtschaftlich starken Gemeinden zu und den dortigen Mittelständlern, besonders jene die ihre Wertschöpfung aus anderen Regionen holen! Diese Starken sollten konsequent ihre Kräfte bündeln und in der Region eine Marke „Mittelstandsfreundliche Oberlausitz“ etablieren. 

Auch andere werden davon partizipieren! Mittelstand ist Motor - in der Oberlausitz gerade zu alternativlos! Wo Unternehmer gern zu Hause sind, werden auch kreative, loyale Mitarbeiter und andere engagierte Bürger eine Heimat haben. Die konjunkturellen Entwicklungen geben uns jetzt! eine Chance, verpassen wir sie nicht, nur weil noch zu viele die Fehler der Vergangenheit betrauern. Jede Konjunktur ist endlich.

Autor: Wilfried Rosenberg

Der 7. Mittelstandstag - Veränderungen annehmen oder früher sterben

07.05.07 Ein „Weiter so!“ wird es nicht mehr geben können, ob wir das wollen oder nicht.

Von 750.000 Menschen (1990) werden 2020 noch 540.000 in der Region sein, das sind noch einmal 18% weniger zu den heute 650.000. Dazu fehlen die Qualifizierten und der Altersdurchschnitt wird höher als der Sachsendurchschnitt, wobei Sachsen jetzt schon das „älteste“ Bundesland ist, in dem 2017 ca. 44.000 Arbeitnehmer fehlen werden. Das wird einen gnadenlosen teuren Wettbewerb auslösen!

Wenn wir uns heute freuen das die Konjunktur in der gewerblichen Wirtschaft auch in der Region angekommen ist, dann wird der Engpass „qualifiziertes Personal“ schon jetzt deutlich. Viel zu langsam bekommen wir eine Ahnung was da auf die Oberlausitz zurollt. Andererseits wird ohne wirtschaftliches Wachstum kein Unternehmen überleben können.

Der Mittelstandstag will die Themen aufhellen, die vor allem die Wirtschaft betreffen. Noch sind viele Politiker und auch manche Unternehmer mit sich selbst beschäftigt. Noch besiegen die Langsamen die Kreativen in unserer Gesellschaft. Noch wird das Thema Fachkräfte auf die Bereitstellung von Ausbildungsplätzen fokussiert. Noch geht es zu wenig um die Qualifizierung der vorhandenen „Potentiale“, um die Bereitschaft sich ständig weiterbilden zu wollen.

Die Gesellschaft muss die Kreativen, die Leistungsträger, die Unternehmer unterstützen, die die Wertschöpfung in die Oberlausitz holen! Von deren wachsenden Ertragsfähigkeit hängt ab, ob andere davon partizipieren können. Unsere Stärke liegt im heimischen Mittelstand, seine Flexibilität und Heimatverbundenheit. Das wird aber nicht mehr reichen. Es muss dafür gesorgt werden, dass für die Geschäftsmodelle von morgen die richtigen Qualifikationen am richtigen Ort in der benötigten Menge zur Verfügung stehen.

Mittelständler brauchen Nachfolger, sonst wird es öde in der Oberlausitz. Dazu ist auch die Zusammenarbeit mit Konzernen und Hochschulen weiter zu aktivieren. Als BVMW-Regionalgeschäftsstelle verstehen wir uns als Dienstleister für Unternehmen, um deren Unternehmensziele zu fördern und dabei auch den „Zwischenraum“ von Unternehmen und insbesondere der Kommunalpolitik auszufüllen; solange es da Zwischenräume gibt!

Autor: Wilfried Rosenberg

Symbolpolitik spaltet! Nur mit eigener Kraft wird aufgeholt!

04.04.07 Als BVMW-Regionalgeschäftsführer spüre ich, was die Wirtschaftsdaten zeigen: Die Stimmung wird auch bei den Oberlausitzer Unternehmen insgesamt stetig besser. Die bessere Auslastung lässt auch auf höhere Erträge hoffen.

Dennoch sind viele skeptisch, was die Dauerhaftigkeit der Entwicklung angeht. Diese Vorsicht ist auch angebracht! Die positiven ökonomischen Entwicklungen bleiben auslandsgetragen und weil die Unternehmen ihre Hausaufgaben immer besser machen. Politische Strukturreformen fanden nicht statt!

Mit Symbolpolitik und Gleicheitsdebatten wird eine Realität übertüncht in der wir längst angekommen sind. Diese!! Politik spaltet die Gesellschaft und blockiert ein Aufbruch-Klima; die Verlierer werden die Schwächeren (einzelne Menschen, Unternehmen, Regionen) sein!

Jeder Unternehmer ist gut beraten, sich auf sein Kerngeschäft zu konzentrieren und sich noch intelligenter mit Partnern im Netzwerk zusammenzuschließen, denen er vertrauen kann. Das ist der Weg zu höheren Erträgen.

Die Produktivität des Ostens hinkt weiter hinterher! Gut das der Prognos Zukunftsatlas 2007 die Aufsteiger nennt: Der Landkreis Bautzen verbessert sich um 53 der 439 Plätze. Deutschlandweit haben nur 11,8% einen solchen „Aufstieg“ realisiert. Bei Wettbewerbsfähigkeit und Innovation wurde sogar Platz 275 erreicht und als einziges Gebiet der Oberlausitz wird der Landkreis Bautzen in der Kategorie „ausgeglichener Chancen-Risikomix“ eingestuft. Diesen bzw. einen besseren Status haben in Sachsen nur 12 weitere Kreise.

Auch Görlitz hat aufgeholt (42 Plätze), auch wenn bei Wettbewerbsfähigkeit und Innovation der 404. Platz steht. Höhere Produktivität ergibt sich nicht automatisch aus geringeren Arbeitskosten, sondern auch daraus, wie die Regionen ihre Stärken einsetzen! 

Regionale Politiker werden wir noch konsequenter daran messen, wie sie die Stärken erkennen und ausbauen! Mit Integrierten ländlichen Entwicklungskonzepten (ILEK) versucht der Freistaat die Regionalentwicklung und mit Stadtentwicklungskonzepten (SEKO) die Städte zu aktivieren.

Ich beobachte, dass die Bürgermeister mit unterschiedlichen Engagement in der Lange sind über den eigenen Kirchturm zu springen. Auch wenn sich gerade die Landräte Harig (Bz) und Lange (NOL) redlich mühen die neuen Kreise zu formieren, werfen Kamenzer eher Nebelbomben und zerstören das WIR-Gefühl. In Görlitz wird die Einkreisung gar als „Bedeutungsverlust“ benannt, was ich eher als die schon bisher gelebte Ausgrenzung bewerten würde.

Auch bei der Verwaltungsreform, insbesondere bezogen auf die Kreissitze, gilt, ohne Konzentration keine Zukunft! Wer den Bürgern keinen reinen Wein einschenkt, darf keine Zukunft haben, vergeudet Volksvermögen, was in den Unternehmen erst erarbeitet werden muss, deshalb sollten auch Unternehmer wachsamer werden!

Autor: Wilfried Rosenberg

Freiheit statt Sozialismus wagen! Mittelstandsfreundlich sein!

05.03.07 Ich finde als Regionalgeschäftsführer, das Motto ist auch für die aktuelle Debatte zur Verwaltungsreform nützlich, vor allem weil die ökonomischen (volkswirtschaftlichen) Effekte bisher nur begrenzt eine Rolle spielen. Das Brennglas ist die Wettbewerbsfähigkeit und Veränderungsfreudigkeit in einer vernetzten Region! Dazu muss man den Wettbewerb auch wollen und unter Beachtung der Spielregeln mitgestalten, denn gewinnen wollen heißt am Wettbewerb teilnehmen.

Dabei geht es um einen Zugewinn für den Wettbewerbsteilnehmer, er will sich ändern, sich verbessern. Nur Umverteilungspolitiker können nicht denken, das ein „Mehr“ möglich ist. Der Zugewinn wird aus strukturellen und konjunkturellen Faktoren gespeist. Das sind die Stellschrauben um die Leistungsfähigkeit auch der Oberlausitz zu beeinflussen. Wir müssen als Region effizienter und in den Zukunftsmärkten tätig werden, d.h. von jedem das Richtige tun!

Wenn verändern verbessern heißt und den Unterschied von Gleich und Verschieden bezeichnet, dann bedeutet das auch, dass viele unterschiedliche Fähigkeiten (Alleinstellungsmerkmale) etwas schaffen können, was jedem Einzelnen nutzt. In einer vernetzten Oberlausitz haben alle die gleichen Chancen, die sie an einem lokalen Standort nicht haben. Aber machen alle etwas daraus? Sehen alle das Netz als Chance?

Wohlgemerkt: Vernetzen ist nicht Multikulti, sondern zusammenarbeiten wo es Sinn macht; Chance ist! Es ist die Freiheit des Einzelnen sich daran zu beteiligen. Eine Freiheit die nicht Last ist. Wir brauchen als Mittelständler Politiker die diese Prozesse gestalten und moderieren; welchen Nutzen sollten sie sonst haben?

Spüren wir auf wo Zusammenarbeit Sinn macht. Die Debatte lohnt sich! Alles andere sind unnötige Schlachten der Vergangenheit, die nicht nur Werte, sondern auch den Lebensmut der Wertschöpfer vernichten. Die Vielfalt, der Markt wird größer, neue Ideen sind gefragt; also Innovationsklima schaffen! Klima ist aber nichts technisches, sondern weicher Standortfaktor. Über Arbeitsteilung und Spezialisierung reden, um uns als Region den Veränderungen, den Unterschieden als Herausforderungen zu stellen, Kompetenzen aufbauen.

Unsere Ausgangslage für die globalisierte Dienstleistungsgesellschaft ist nicht schlecht. Unsere Vielfalt an mittelständischen Unternehmen schafft uns eine ungeahnte Flexibilität. Jetzt müssen wir:

 

  • bei wichtigen verkaufsfähigen Angeboten eine kritische Masse ereichen, die wettbewerbsfähig ist (wirkliche Netzwerke von Unternehmen).
  • Landräte (zwei) an die Spitze bringen die Zusammenarbeiten und die die Gemeindeverwaltungen zur Mittelstandsfreundlichkeit befähigen können; und
  • Ein Klima der Zusammenarbeit produzieren, das die Menschen - die Besten - zum Hierbleiben und Herkommen animiert! Eine Vision!? Mit dem Pilotprojekt „Mittelstandsfreundliche Oberlausitz“ soll sie Realität werden!

 

Autor: Wilfried Rosenberg

Zur Stimmung: Konjunktur - wo bist du? 

06.02.07 Ein klares „Hier!“ habe ich als RGF Oberlausitz nie bekommen und ich habe viele Mittelständler in den letzten Wochen gefragt. In einer Zeit, wo die Veränderung die einzige Konstante ist, muss bedacht werden, dass der Weg zu mehr Dynamik und dem ersehnten / gefühlten Wohlstand nicht selbstverständlich über Exporte erfolgt. Mehr im Fokus stehen Unternehmertum, Innovation, Akzeptanz von Veränderungen und Umarmung des Neuen. 

Erst wenn nachhaltige, wettbewerbsfähige Arbeitsplätze in Unternehmen entstehen geht es der Oberlausitzer Wirtschaft besser, nicht der Fakt das es 60.000 weniger Arbeitslose gibt!

Auch wenn Fortschritte unverkennbar sind und Impulse, wie die über 1 Mrd. € Investition von Vattenfall in Boxberg zeigen: Die Region muss sich nicht „abgehangen“ fühlen! Der Veränderungs– und Marktdruck wird sich auch 2007 erhöhen!

Den Umverteilern fällt da nur Mindestlohn, nicht Flexibilisierung des Arbeitsmarktes ein. Denen fällt unter „Bürgernähe“, im Zusammenhang mit der Kreisreform, nur „Nahe am Bürger“ und nicht effiziente Verwaltung ein. Denen fällt sogar ein, staatliche Aufgaben (wie die Betreibung der Infrastruktur Flugplatz Bautzen) den Unternehmern übertragen zu wollen!

Der Wettbewerbsdruck steigt! Wenn wir wissen, das Finanzinvestoren ihre Liquidität (geschätzte 1.300 Mrd. $!!) im Jahr 2006 weiter erhöhten und ein Investitionsvolumen von 51 Mrd. € (+61%) eingesetzt haben um den Markt „ökonomischer“ zu machen wird schnell klar, worauf sich der Mittelstand einstellen muss.

Autor: Wilfried Rosenberg