Mittelstand stärken durch Bildungsangebote

Interview mit DIE WIRTSCHAFT zur Gründung der Bildungsallianz in unserer Region.

Im Gespräch mit DIE WIRTSCHAFT zeigen Margit Schmitz und Tomas Schiffbauer auf, dass eine Stärkung und Aufwertung der beruflichen Aus- und Weiterbildung dringend benötigt wird. Schnellere Prozesse und ein rascher Ausbau der Digitalisierung spielen in diesem Zusammenhang eine zentrale Rolle.

 

DIE WIRTSCHAFT: Frau Schmitz, die Bildungsallianz und das Bildungssiegel Mittelstand sind schon länger ein Thema beim Bundesverband der mittelständischen Wirtschaft BVMW und für Sie. Als Leiterin der Wirtschaftsregion Köln, Rhein-Erft-Kreis wollen Sie dieses Thema jetzt in der Region vorantreiben. Wie wichtig ist für Sie Bildung, auch vor dem Hintergrund der Lobbyarbeit für den Mittelstand? Wer tut sich da mit wem zusammen?

 

Margit Schmitz: Das ifo-Bildungsbarometer zeigt, dass wir in Deutschland seit Langem Bildungsdebatten führen, die an den entscheidenden Themen vorbeizielen. Wir brauchen in unserem Land eine Stärkung der beruflichen Bildung und eine Aufwertung der Haupt- und Realschulabschlüsse. Das findet bei der Befragung des ifo-Institutes überhaupt nicht statt – aus unserer Sicht ein bildungspolitischer Kardinalfehler.

Bildungsverbände und der deutsche Mittelstand fordern schon seit Langem, dass wir in Deutschland endlich mit dem ineffektiven Streit um die Zuständigkeiten in der Bildung aufhören und mit einem Bildungsstaatsvertrag klare Zuständigkeiten, klare Vorgaben und klare Finanzierung schaffen müssen. Wer aber glaubt, dass sich durch eine zentralistische aus Berlin gesteuerte Bildungspolitik die Bildung in unserem Land verbessern würde, der irrt gewaltig. Mehr Vergleichbarkeit ist richtig, mehr Gleichmacherei aber vollkommen falsch. Gerade beim Digitalpakt Schule zeigt es sich, dass das Kommando nicht beim Bund liegen darf. Und ein Nationaler Bildungsrat als ein weiteres bildungspolitisches Gremium ohne Kompetenz, aber mit viel Öffentlichkeit ist das Letzte, was Deutschland jetzt braucht.

 

Starke Bildungsdefizite bei Schulabgängern beklagen Ausbildungsbetriebe schon seit Jahren. Die Unterrichtsausfälle aufgrund von Corona werden die Situation weiter verschärfen. Wie kann man als Unternehmer entgegenwirken?

 

Tomas Schiffbauer: Die Prozesse der Behörden müssen schneller und digitaler werden. Da wie gesagt der Prozess weder ausreichend noch schnell genug ist, muss der Mittelstand das Heft selbst in die Hand nehmen. Da ist der BVMW in unserer Wirtschaftsregion ein guter und innovativer Partner, um gemeinsam mit den Betrieben in der Region neue Konzepte zu entwickeln.

 

Wie bringen Sie Schulabgänger und Bildungsträger zusammen?

 

Margit Schmitz / Tomas Schiffbauer: Es muss neue Wege geben. Wir wollen eine Plattform schaffen, wo sich Bildungsträger und der Mittelstand bedarfsorientiert vernetzen, um so Auszubildenden und Mitarbeitern die benötigten (Weiter-)Bildungsangebote zugänglich zu machen. Aber es geht nicht nur um Bildungsangebote, sondern es geht auch darum, den Mittelstand so zu stärken, dass er im Wettbewerb durch Investitionen in Weiterbildung bestehen kann. Im Rahmen der Digitalisierung ist es möglich, nah am Bedarf der Unternehmen zu sein. Genau das wollen wir fördern. Denn leider hat uns die Coronapandemie gezeigt, wie unterschiedlich das Niveau der digitalen Vermittlung von Wissen in Deutschland an den Schulen ist.

 

Bislang wurden von den kommunen nur 25 Prozent der Fördermittel abgerufen. Verstehen Sie das?
 

Margit Schmitz: Es ist natürlich bedauerlich, dass solche Fördergelder – aus welchen Gründen auch immer – nur sehr spärlich abgerufen werden. Aber deshalb sind wir ja angetreten, um die zahlreichen Möglichkeiten der Förderung von Bildungsangeboten aufzuzeigen.

 

Ihre Initiative gibt es nicht umsonst. Wo kommen die Gelder her?

 

Margit Schmitz: Natürlich ist es so, dass der BVMW freiwillig organisiert wird und wir lediglich über private Mittel das neue Konzept des Bildungssiegel Mittelstand stemmen können.

Es wird nur von Erfolg gekrönt sein, wenn wir zum jetzigen Zeitpunkt eine solide Basis schaffen. Wie das geht: unserer Meinung nach durch die Schaffung einer „halben Stelle“, die sich ausschließlich um die administrativen Themen der Vorbereitung zur Umsetzung der Bildungsallianz Anfang 2022 kümmert.

Unter dem Bildungssiegel werden sechs Säulen mit materiellen Mehrwerten für den Mittelstand angesiedelt sein. So können Sie heute schon mit den Ideen kalkulieren: Eine Säule werden Auslandspraktika sein. Bei uns finden Sie Kontaktpartner.

 

Sie wollen in Sachen Bildung eine wirkliche Qualitätswende erreichen. Was bedeutet das?

 

Margit Schmitz / Tomas Schiffbauer: Um den Qualitätsaspekt eine besondere Bedeutung zukommen zu lassen, haben wir im Rahmen der Bildungsallianz Workshops mit Bildungsanbietern und mittelständischen Unternehmen durchgeführt, um Angebote und Bedarfe abzugleichen. Unser Ziel ist, daraus maßgeschneiderte und passgenaue Mehrwerte für den Mittelstand zu entwickeln. Diese Mehrwerte werden in engem Dialog mit dem Mittelstand konzeptioniert. Dadurch wird sichergestellt, dass die neuen Angebote marktgerecht sind und von den Unternehmen angenommen und genutzt werden.

Wir sind uns einig, dass es viel zu tun gibt – gemeinsam schaffen wir das.

 

Ihre Leitfrage ist: „Wie kann Bildung in Deutschland zum Thema Nummer 1 werden?“ Haben Sie schon eine Antwort darauf gefunden?

 

Margit Schmitz: Ganz einfach: gute Konzepte, frische Ideen und die richtigen Partner zum richtigen Zeitpunkt an einem Tisch!

 

 

Diesen und weitere spannende Beiträge finden Sie bei der Online Ausgabe "DIE WIRTSCHAFT"

Bildungsallianz des Mittelstandes

Die Bildungsallianz des Mittelstandes ist das größte Bildungsnetzwerk in Deutschland von dem BVMW und 20 Bildungsverbänden, die für 350.000 Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher sowie Dozentinnen und Dozenten stehen.

Teilnehmer sind Mitgliedsunternehmen aus dem Bereich der Bildung, mittelständische und vielseitige interessierte Unternehmen. Wer als Unternehmer dem Thema aufgeschlossen gegenübersteht, kann sich gerne an den BVMW wenden.

Senden Sie eine E-Mail an Margit.Schmitz@bvmw.de