Mittelständler: Ärmel hoch nach Corona

Ungewöhnliche Form, ungewöhnlicher Abend: Der erste Runde Tisch der Wirtschaftsregion Leipzig zu den Folgen der Corona-Krise war eher ein Klassenzimmer. Mittelständler, Wirtschaftsförderer und der Landrat des Kreises Leipzig debattierten leidenschaft...

Ungewöhnliche Form, ungewöhnlicher Abend: Der erste Runde Tisch der Wirtschaftsregion Leipzig zu den Folgen der Corona-Krise war eher ein Klassenzimmer. Mittelständler, Wirtschaftsförderer und der Landrat des Kreises Leipzig debattierten leidenschaftlich und kontrovers – aber immer mit Abstand.

Hybrid-Forum der Wirtschaftsregion Leipzig

Markkleeberg. Wie organisiere ich hygienisch korrekt ein Wirtschaftsforum in Corona-Zeiten? Der Bundesverband der mittelständischen Wirtschaft (BVMW), Regionalstelle Leipzig, hatte am Dienstagabend ins Markkleeberger Atlanta-Hotel eingeladen. Thema: Kommt die regionale Wirtschaft aus dem Krisen-Modus? Angekündigt als Runder Tisch, wurde es dann doch mehr eine Klassenzimmer-Atmosphäre. In Zweier-Bänken mit Abstand saßen Wirtschaftslenker, Wirtschaftsförderer, Landrat Henry Graichen (CDU), Gemeinde-Vertreter und diskutierten angeregt 90 Minuten über Corona und die Folgen für die Region. Da es das erste Forum nach der Krise war, hatten sich 30 Teilnehmer live vor Ort angemeldet und sorgten für ein ausverkauftes „Klassenzimmer“. Die Veranstaltung (moderiert von LVZ-Vizechefredakteur André Böhmer) wurde per Chat an weitere 20 Teilnehmer übertragen – damit war das Hybrid-Forum zugleich eine Premiere.
Erstes Diskussions-Thema: Das Konjunkturpaket der Bundesregierung. Vor allem die Umsatzsteuer-Senkung für die nächsten sechs Monate von 19 auf 16 Prozent stand im Fokus. „Das reicht nicht, wir brauchen die Senkung für die nächsten zwei Jahre“, forderte Detlef Knaack, Direktor des Leipziger Großgastronomen „fairgourmet“. Knaack sprach zudem stellvertretend für die vielen Hoteliers und Gastronomen der Region, die unter der Krise besonders leiden. „Es wird schwer für uns, aus dem Tal herauszufinden.“ Ähnlich argumentierte Daniela Gerdes für den Tourismus-Technologiedienstleister „TraSo“. „Viele Reisebüros und Touristik-Anbieter werden die Krise nicht überleben“, sagte Gerdes mit Verweis auf Hotel-Schließungen und Reisestornos.
Eher weniger sorgenvoll reagierte dagegen Holger Födisch, Sachsens Unternehmer des Jahres 2019 und Chef der gleichnamigen Umweltmesstechnik AG aus Markranstädt. „Wir hatten Sars, jetzt haben wir Corona und in den nächsten Jahren vielleicht Regina“, sagte Födisch mit eher ironischem Unterton und fügte an, dass man aus der für ihn kleinen Delle wirtschaftlich sicher schnell herauskommen werde. Man müsse eben nur die Ärmel richtig hochkrempeln. Ärmel hochkrempeln ja, aber die „kleine Delle“ sei doch sehr groß, war die Reaktion von vielen im Saal darauf.
Corona auch als Chance?
Nicht nur Landrat Henry Graichen (CDU) und Michael Körner (Invest-region Leipzig) sahen das anders als Födisch. Michael Nitsche vom E-Commerce-Anbieter „4Sellers“ machte aber klar, dass Corona eben auch eine Chance sei, alte und gewohnte Abläufe auf den Prüfstand zu stellen. Eine Ansage, die weitgehend im „Klassenzimmer“ geteilt wurde. Einig waren sich zudem alle, dass das sächsische Krisenmanagement zumindest medizinisch sehr gut funktioniert habe. Christine Enenkel, sächsische DAK-Chefin, lobte noch die Arbeit in den Kliniken der Region. „Sie haben sehr gut funktioniert“, schätzte sie ein.
Mit Blick auf das Ende Juni avisierte sächsische Konjunkturpaket, das Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) am Dienstag in Dresden angekündigt hatte, sammelten Kreisverbandschef Patrick Paul und Constanze Weiß vom gastgebenden BVMW die Forderungen der Runde ein. „Wir werden uns einbringen“, kündigten sie an. Ihr Fazit des Abends: Premiere gelungen, das Hybrid-Forum zum Netzwerken für die regionale Wirtschaft soll weitergeführt werden."

Quellenangabe: LVZ vom 11.06.2020, Seite 8