Das Internet der Dinge bietet Unternehmen enorme Chancen.

Das Internet der Dinge bietet Unternehmen enorme Chancen, die nicht verpasst werden sollten Im Technologie- und Gründerzentrum Ilmenau fand der letzte Technologiestammtisch 2017 des BVMW Ilm-Kreis, statt.

Knapp 50 Gäste wollten sich über die effektive Umsetzung von sogenannten Industrie-4.0-Projekten informieren.

Dabei zeigte sich, dass dieser Stammtisch des BVMW inzwischen überregionale Bedeutung erlangt hat. Sogar aus Jena und Gera waren Besucher gekommen. Die übergreifende Thematik lautete „Industrie 4.0“, was in Fachkreisen mit dem Begriff Internet of Things (IoT) lieber beschrieben wird und Internet der Dinge bedeutet. Norbert Wagner, Kreisgeschäftsführer des BVMW im Ilm-Kreis, hatte dafür Siegfried Haarbeck, Inhaber des Coaching-Unternehmens Haarbeck Projektmanagement aus Weimar, und Olaf Mollenhauer, Prokurist der Kompass GmbH Ilmenau, als Akteure eingeladen. Auch Rico Weinert, Geschäftsführer der Edelstahlbau Tannroda GmbH, gehörte als Kooperationspartner von Mollenhauer zu diesem Kreis.

Der Vortrag von Siegfried Haarbeck trug den Titel „Die fünf unentbehrlichen Werkzeuge für die Projekt-Wildnis“. Auf den ersten Blick schien diese Thematik mit Industrie 4.0 oder dem Internet der Dinge wenig zu tun zu haben. Doch erschlossen sich im Verlauf der Veranstaltung recht bald die engen Zusammenhänge von erfolgreichen Projekten mit gut strukturiertem Projektmanagement. Haarbeck ist als Coach für Führungskräfte, ist als Begleiter und Berater bei der Umsetzung großer Entwicklungsprojekte tätig. Er bot den Gästen einen Überblick über die entscheidenden methodischen Schritte, um insbesondere große Projekte zum Erfolg zu führen und ein Chaos im Entwicklungsverlauf auszuschließen. Als herausragendes Negativbeispiel für misslungenes Projektmanagement nannte er den Bau des Berliner Großflughafens BER.

Klare Strukturierung nach Abschnitten und Meilensteinen

Als wichtigste Voraussetzung für den Erfolg hob Haarbeck die Klärung des Auftrags hervor, also eine möglichst genaue Beschreibung dessen, was Auftraggeber wirklich wollen. Dies werde in einem Projektsteckbrief zusammengefasst. Dazu seien die Steackholder, das sind Interessenten, Beteiligte und Betroffene zu identifizieren, um sie entsprechend ins Projekt einbeziehen zu können und auch, um über den Tellerrand der unmittelbaren Aufgaben hinaus zu blicken. Ein Phasenplan mit sachlichen Abschnitten, zeitlichen Meilensteinen, Teilaufgaben sorge für klare Strukturen bei der Vergabe von Aufgaben und deren zeitlicher Einordnung. Bei der Präsentation eines konkreten Projekts unterstrich Olaf Mollenhauer, dass der relativ kurze Zeitraum, in dem dieses realisiert werden konnte, auf die Anwendung der von Haarbeck vorgestellten Methodik zum Projektmanagement zurückzuführen sei.

Die Projektpräsentation von Olaf Mollenhauer trug den Titel „Chance Industrie 4.0 genutzt – erfolgreich kooperiert – Innovation geschaffen“. Dabei stellte er eine gemeinsame Entwicklung der Edelstahlbau Tannroda GmbH und der Kompass GmbH vor. Inhaltlich ging es dabei um einen Reaktionsbehalter aus dem Produktionsprogramm von Edelstahlbau Tannroda, der insbesondere für die Pharmaindustrie bestimmt ist. In der Zusammenarbeit mit Kompass sollte dieser gewissermaßen Industrie 4.0 fähig gemacht werden. Das bedeutet, der Behälter war mit entsprechender Sensorik und Software so auszustatten, dass er sich für eine höhere Anwendungsebene eignet. Die Ziele lauteten Erhöhung der Gerätesicherheit, Ausbau von Alleinstellungsmerkmalen, höhere Wertschöpfung, Erschließung neuer Anwendungen und neuer Marktsegmente, Erweiterung des Technologieportfolios im Unternehmen und schließlich Verbesserung der Stabilität des operativen Geschäfts.

Entwicklung einer Gesamtarchitektur zur Steuerung und Optimierung

Konkret ging es dabei um die Zustandsüberwachung des Behälters, um eine Datenintegration, um ein Prozessmonitoring im Behälter, um Prozessanalyse und Prozessvorhersage im Behälter. Schließlich wurde eine optimierte Prozesssteuerung im Behälter gebraucht. Mollenhauer betonte dabei ausdrücklich, dass die Sicherheit bei der Projektentwicklung eine herausragende Rolle gespielt habe. Dies gelte sowohl für die Prozesse im Behälter als auch für die Datensicherheit. Um die vorgegebenen Ziele zu realisieren erhielt der Behälter ein Paket von Sensoren, die Druck, Temperatur, Schwingungen, Neigung erfassen. Die gewonnen Daten werden je nach Weiterverarbeitung über ein eingebettetes System an Aktoren, Speichermedien oder an andere Endgeräte sowie nach Erfordernis ins Netz übermittelt. In der Gesamtarchitektur, so stellte Olaf Mollenhauer fest, nehmen die Sensoren als vermeintlich wichtigste Komponenten an Ende den geringsten Anteil, gegenüber der Softwareapplikation.

Nach den Worten des Unternehmers habe die Projektentwicklung bis hin zu einem funktionsfähigen und netzwerktauglichen Demonstrator sieben Monate gedauert. Er sagte, dass dies ein recht kurzer Zeitraum für ein solches Projekt gewesen sei. Zugleich schätzte er ein, dass es ohne das eingangs von Siegfried Haarbeck vorgestellte strukturierte Projektmanagement voraussichtlich die doppelte Zeit gebraucht hätte. Abschließend gab Mollenhauer einen Ausblick auf die Zukunft von Industrie 4.0 beziehungsweise das Internet der Dinge (IoT). Er rechne damit dass es schrittweise zu einer kompletten Digitalisierung der gesamten Geschäftsbeziehungen kommen werde. Das betreffe auch Fertigung und Produkte: „Bereits heute gibt es Geräte, die ihre eigene Spezifikation mitbringen. 2020 wird es nach Schätzungen mehr als 28 Milliarden IoT-Geräte im Einsatz geben.“ Für Unternehmen bedeute das, dringend ihre IT-Infrastruktur auf diese Entwicklungen einzustellen, wenn sie weiter erfolgreich sein wollen. Thüringen sei beispielsweise noch weit vom Internet der Dinge entfernt. Zwar gebe es die entsprechenden Datenspeicher, doch würden diese noch gar nicht für innovative Services genutzt.

Zur Kompass GmbH Ilmenau

Zur Edelstahlbau Tannroda GmbH

Zu APROPRO Haarbeck Projektmanagement