“Lernzeit muss Arbeitszeit werden!” BVMW im Gespräch mit Microsoft

Kajetan Brandstätter, BVMW München im Gespräch mit Mohanna Azarmandi, Microsoft Deutschland GmbH Digitalisierung von Prozessen und technologisches Up- und Reskilling müssen in kurzer Zeit umgesetzt werden – teils unter schwierigen Bedingungen.

In Deutschland machen kleine und mittelständische Unternehmen 95% der Wirtschaft aus. Die Auswirkung der Pandemie stellen viele vor große Herausforderungen. Digitalisierung von Prozessen und technologisches Up- und Reskilling müssen in kurzer Zeit umgesetzt werden – teils unter schwierigen Bedingungen.

Kajetan Brandstätter, BVMW Leiter Kreisverband in der Wirtschaftsregion München

Mohanna Azarmandi, Chief Learning Officer bei Microsoft Deutschland und Kajetan Brandstätter, Leiter der BVMW Wirtschaftsregion München, tauschen sich darüber aus, wie Microsoft Kunden und Partner, aber auch die eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterstützt, die verschiedenen Herausforderungen zu bewältigen und eine Arbeitskultur zu schaffen, die Lernen und Qualifizierung fördert. Ein spannendes Interview, das gerade für den Mittelstand interessante Denkanstöße liefert.

KB, BVMW: Der Mittelstand gilt als das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Welche Herausforderungen und Chancen siehst du für den Mittelstand, damit er seine Stärken erhalten kann und fit für die Zukunft wird?

MA:
Der Aufbau digitaler Expertise wird zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Gerade die aktuellen Entwicklungen zeigen: Am erfolgreichsten sind jene Unternehmen, die der Qualifizierung ihrer Beschäftigten den gleichen Stellenwert einräumen, wie den Investitionen in neue Technologien. Der deutsche Mittelstand steht in seinen Fachbereichen heute für hohe Kompetenz und solides Wirtschaften. Künftig wird es noch wichtiger sein, Wissen und auch Daten mit anderen zu teilen – und nicht alles selbst machen zu wollen. Ein Beispiel: Laut Bitkom arbeiten heute 9 von 10 Startups mit etablierten Unternehmen zusammen, um neue Produkte oder Dienstleistungen zu entwickeln. Genau darum geht es: Die Bereitschaft voneinander zu lernen, um sich selbst weiterzuentwickeln. In der Offenheit zur Kooperation liegt somit die größte Chance des Mittelstands, die Potentiale der digitalen Transformation langfristig für sich nutzbar zu machen.

Mirosoft Deutschland

KB, BVMW: Die Geschichte großer Unternehmen zeigt: Großartige Menschen schaffen großartige Dinge. Mit dem Hintergrundwissen, dass 83% der deutschen Auszubildenden, also die Arbeitskräfte der Zukunft, ihren Weg im Mittelstand beginnen und wir gleichzeitig vom „War of Talents“ sprechen – was ist die Botschaft / Erkenntnis für den Mittelstand im Hinblick auf den Arbeitsplatz der Zukunft und um Talente für sich zu gewinnen?

MA:Es ist deutlich zu spüren, dass insbesondere in unsicheren Zeiten das Thema der Unternehmenskultur eine immer wichtigere Rolle spielt. Potenzielle Mitarbeiter*innen wollen sich heute mit den Werten und Zielen von Firmen identifizieren können. Sie wollen wissen, wofür das Unternehmen steht: Sind Diversität und Inklusion gelebte Praxis? Arbeitet das Unternehmen nachhaltig? Werden Frauen wie Männer gleichermaßen gefördert? Wie steht es um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf? Sind flexible Arbeitsmodelle möglich? Nicht zuletzt sollten Talente auch spüren, dass es dem Unternehmen auch um die Weiterentwicklung der Person geht – und nicht nur um die Ziele der Firma. Sprich, befähigen und motivieren Führungskräfte die Angestellten, sich mit dem Thema Weiterbildung proaktiv auseinanderzusetzen? Ermöglichen sie gleichzeitig individuell passende Angebote und schaffen Raum, damit die Mitarbeiter*innen sich weiterentwickeln können? Wichtige Themen, die heute oftmals weit entscheidender sind als das Gehalt oder der Firmenwagen.

KB, BVMW: Durch den erneuten „Lockdown“ durch Covid-19 stabilisieren sich die Zahlen, doch sind wir noch nicht über den Berg und die Auswirkungen der weltweiten Pandemie werden uns weiterhin beschäftigen. Wenn wir die Krise als Chance begreifen, was sind dann aus deiner Sicht die konkreten Chancen für den Mittelstand in der jetzigen Zeit?

MA:Microsoft CEO Satya Nadella hat kürzlich gesagt, dass wir in wenigen Monaten das Ausmaß digitaler Transformation von zwei Jahren erlebt haben. Doch ein Home-Office macht noch keine digitale Revolution. Wer Krisen nicht nur bewältigen, sondern auch für einen echten Neustart nutzen will, muss sich schnell neuen Anforderungen stellen können. Damit Unternehmen von der Ad-Hoc-Digitalisierung nachhaltig profitieren können, braucht es eine strategische Digitalisierung im gesamten Unternehmen, die das Thema der digitalen Qualifizierung fest verankert und eine digitale Lernkultur etabliert. Die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen wird zur Kernkompetenz erfolgreicher Unternehmen wie Mitarbeiter*innen im digitalen Zeitalter. Als integraler Bestandteil einer offenen Unternehmenskultur wird sie zum wesentlichen Erfolgsfaktor resilienter und innovativer Unternehmen. Und wer Innovation kann, der kann auch Krise.

KB, BVMW: In letzter Zeit gab es einige Ankündigungen der Bundesregierung zu Digitalisierung und Qualifizierung. Kannst du deine Gedanken zu dieser Entwicklung teilen?

MA:Mit Blick auf das Konjunkturpaket ist es natürlich zu begrüßen, dass in Zeiten der Krise Bildung, Forschung und Innovation gezielt gestärkt werden, um sich für die Zukunft aufzustellen. Gerade Investitionen in Zukunftstechnologien wie künstliche Intelligenz sind wichtig, um künftig wettbewerbsfähig zu bleiben. Bei allen Technologie-Investitionen muss aber der Mensch weiterhin im Mittelpunkt stehen: Eine jüngere KI-Studie hat gezeigt, der erfolgreiche Einsatz von KI in Unternehmen gelingt dann am besten, wenn diese gleichzeitig ihre Mitarbeitenden für deren Einsatz qualifizieren. Am erfolgreichsten sind jene Unternehmen, die der Weiterbildung ihrer Beschäftigten den gleichen Stellenwert einräumen, wie den Investitionen in intelligente, neue Technologien. Das ist nicht nur für die aktuelle Anwendung der Technologien wichtig, sondern auch für die Zukunft. Denn der Bedarf an KI-Fachkräften in den kommenden sechs bis zehn Jahren wird sich verdoppeln. Das bedeutet: Wer künftig erfolgreich neue Technologien zum Einsatz bringen will, muss bereits heute für diese Zukunft planen.

Unternehmen sind gefragt, die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen, um eine digitale Lernkultur zu etablieren, denn die digitale Transformation ist eben zunächst einmal eine Transformation von Menschen.

KB, BVMW: Lass uns abschließend noch ein wenig über Kultur sprechen. Lernen und Wissen sind Stärken, doch oft reicht die Zeit im Arbeitsalltag nicht aus und Lernen ist bei vielen Unternehmen noch nicht Top-Priorität. Welche Rolle spielt das Lernen bei Microsoft, und welche praktischen Tipps zur Etablierung einer Lernkultur im Hinblick auf einen kontinuierlichen Erfolg kannst du mit uns teilen?

MA: Die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen wird zur Kernkompetenz im digitalen Zeitalter. Das bedeutet nicht, dass wir alle Programmierer*innen sein müssen, um die digitale Zukunft zu gestalten. Digitale Grundkompetenz bedeutet, dass man in der Lage ist, digitale Lösungen für seinen persönlichen und beruflichen Vorteil klug, effizient und verantwortungsvoll zu nutzen. Als im Februar 2014 Satya Nadella unser neuer CEO wurde, haben wir eine digitale Lernkultur eingeführt, die wegführt von der Vorstellung, alles schon zu wissen und hinführt zum Wunsch, mehr zu lernen und offen für Neues zu sein. Wir bei Microsoft glauben, jeder Mensch kann Dinge verändern, lernen und wachsen. Wir sind davon überzeugt, dass sich Potenziale fördern und entwickeln lassen – und nicht vorbestimmt sind. Wir alle müssen neugierig bleiben und bereit sein zu lernen.

Neues ausprobieren, ohne die Angst zu haben, zu scheitern. Eine solche Kultur gelingt aber nur, wenn alle im Unternehmen mitgenommen werden und diese von Führungskräften auch vorgelebt wird. Darüber hinaus stellen wir unseren Mitarbeiter*innen bewusst Zeit für Learning und Skilling zur Verfügung: So haben wir unterschiedliche digitale Angebote zu Zukunftstechnologien wie künstliche Intelligenz und Cloud Computing, legen einen großen Fokus auf technisches Know-how sowie technische Zertifizierungen, bilden uns aber auch fort zu Themen wie Digitalisierung und Inklusion am Arbeitsplatz.

Im Rahmen der Technical Skills Initiative ermöglichen wir Mitarbeiter*innen, technischen Fähigkeiten kontinuierlich weiterzuentwickeln, zu vertiefen und anzuwenden. Nicht zuletzt findet bei uns einmal im Quartal der sogenannte Learning Day statt: Mitarbeitende haben einen ganzen Tag Zeit, um sich individuell weiterzubilden oder spezielle Angebote zu nutzen, die an diesem Tag bereitgestellt werden. Microsoft versteht sich als ‚Learning Company – eine Organisation, die niemals aufhört, sich weiterzuentwickeln und ihre Mitarbeitenden dazu motiviert, diesen Weg mitzugehen.

KB, BVMW: Welche Angebote bietet Microsoft speziell für mittelständische Unternehmen, um sie bei der Orientierung und Priorisierung von Qualifizierungs- und Lernplänen im digitalen Bereich zu unterstützen?

MA: Microsoft versteht sich als verantwortungsbewusster Partner, damit alle Menschen am Fortschritt einer digitalen Gesellschaft teilhaben können. Für Unternehmen wie Partner bieten wir eine Reihe von praxisnahmen Weiterbildungsangeboten – ein paar Beispiele: Mit Microsoft Learn stellt Microsoft umfangreiche Schulungsoptionen zu seinen Produkten bereit, mit der technische Fachkräfte im eigenen Stil und Tempo lernen können. Alle Inhalte basieren auf der Grundlage realer Geschäftsanforderungen und sind speziell auf die Rollen und Positionen der Fachkräfte im Unternehmen abgestimmt.

Mit Technical Skills for Business bieten wir zudem die Möglichkeit, sich speziell rund um Microsoft Azure weiterzubilden. Die Lernpfade werden dabei vom Unternehmen individuell für jede*n Teilnehmer*in und deren Rolle maßgeschneidert. Am Ende des Lernprozesses kann das erlangte Wissen in Form von Microsoft-Zertifizierungen validiert werden. Die Schulungen finden lokal im Unternehmen, in Trainingscentern oder virtuell statt. Mit der Initiative Workforce of the Future unterstützen wir unsere Partner mit sechs verschiedenen Programmen dabei, Fachkräfte für die Aufgaben der Zukunft auszubilden und zu finden.

Die Angebote machen Mitarbeiter*innen fit für Cloud und AI und helfen bei der Suche nach neuen klugen Köpfen. In der AI Business School teilen Top-Manager*innen aus internationalen Unternehmen zudem ihre Erkenntnisse und praktische Hinweise darüber, wie sich KI strategisch in Organisationen jeder Branche und Größe einsetzen lässt. Diese Maßnahmen stehen beispielhaft für unser nachhaltiges Engagement im Bereich digitale Qualifizierung, welches wir auch in Zukunft weiter ausbauen und fördern werden, um Menschen wie Unternehmen zu helfen, von den Vorteilen der Digitalisierung zu profitieren.

Über:

Mohanna Azarmandi ist Chief Learning Officerin bei Microsoft Deutschland und leitet die Learning- und Skilling Abteilung als Mitglied der erweiterten Geschäftsleitung. Ihr Team entwickelt die Lern- und Qualifizierungsstrategie für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Bereichen Sales, Technik, Marketing und Services, Technical Skills und Enablement für das Microsoft Partner- und Kunden-Ökosystem sowie digitale Kompetenzen für zukünftige Generationen.

Microsoft für den Mittelstand

In den vergangenen Monaten haben viele kleine und mittelständische Unternehmen gesehen, wie mächtig digitale Lösungen sein können und wie sie auf die Resilienz ihrer Organisation einzahlen. Diese vier Punkte sollten Mittelständler jetzt berücksichtigen, um sich für die Zukunft bereit zu machen:

 

  • Eine höhere Produktivität der Arbeitsorganisation ist wichtig. Microsoft 365 und Teams helfen dabei, indem sie einen reibungslosen Austausch von Informationen auf allen Ebenen und zwischen Beschäftigten wie Kund*innen gleichermaßen ermöglichen.
  • Die Ausfallsicherheit des Geschäfts muss gewährleistet sein. Cloud-Lösungen machen Daten und Prozesse ortsunabhängig für Unternehmen verfügbar und erhöhen die Sicherheit und Agilität der IT gerade dann, wenn es besonders drauf ankommt.
  • Optimierungspotentiale der Geschäftsprozesse nutzen. Die Automatisierung und die Vereinheitlichung von Systemen bringen Unternehmen dichter an ihre Kund*innen heran. Unsere Expert*innen zeigen ihnen, welche Rolle Lösungen wie Microsoft Teams dabei spielen können.
  • Kosten bleiben ein wichtiges Thema und lassen sich – zum Beispiel durch IT-as-a-Service – senken. Unser Preisrechner verrät, wie der Weg in die Cloud jedem einzelnen Unternehmen helfen kann, Geld zu sparen.

 

Von der Entwicklung individueller Digitalisierungsstrategien bis hin zur Implementierung moderner Produktivitätslösungen und Cloud-Infrastrukturen – gemeinsam mit einem breit aufgestellten Partner-Netzwerk unterstützt Microsoft speziell kleine und mittelständische Unternehmen auf ihrem Weg in die digitale Zukunft. Weitere Informationen gibt es unter https://www.microsoft.com/de-de/kmu/. Das Mittelstands-Team von Microsoft ist außerdem über mittelstand@microsoft.com erreichbar.

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