"Frauenwirtschaftstage 2021" auch in Hechingen / Villa Eugen

„Es gibt laut Kultusministerum keinen Grund darüber nachzudenken“ schildert Melanie Volm, die Geschäftsführerin der i+M Zizmann GmbH, bei den Hechinger Frauenwirtschaftstagen fassungslos die Rückmeldung des Ministeriums auf ihre Anfrage. Unter dem Ti...

Vereinbarkeit von Beruf und Familie auf dem Stand von 1964

 

Hechingen. „Es gibt laut Kultusministerum keinen Grund darüber nachzudenken“ schildert Melanie Volm, die Geschäftsführerin der i+M Zizmann GmbH, bei den Hechinger Frauenwirtschaftstagen fassungslos die Rückmeldung des Ministeriums auf ihre Anfrage. Unter dem Titel Ch@lenge Vereinbarkeit hat das Wirtschafministerium von 13.-16. Oktober landesweit zu den Frauenwirtschaftstagen eingeladen. Bei der Veranstaltung in Hechingen wurde schnell klar, von wirklicher Vereinbarkeit ist man noch weit entfernt.

 

Die Referentinnen Melanie Volm, eine junge Unternehmerin und Mutter, und Dr. Ulrike Landmann, Kontaktstelle Frau und Beruf Neckar-Alb, nutzen am Mittwochabend die Gelegenheit zur Diskussion und zum Erfahrungsaustausch. Schon während des Vortrags von Volm, Geschäftsführerin des mittelständischen Großanlagenbauers i+M Zizmann GmbH, waren die anwesenden Frauen mitten im Austausch. Im Fokus stand dabei vor allem das Schulsystem, dass es Frauen nach wie vor schwer macht in die Vollzeitarbeit zu gehen. So ging Volm in ihrem Vortrag unter anderem darauf ein, dass es nach der „Hamburger Vereinbarung“ aus dem Jahr 1964 (!) in unserem Schulsystem 50 Ferientage gibt, Vollzeitbeschäftigte aber oft nur 20 Urlaubstage beanspruchen können. Sie stellt die Frage: „Wohin mit den Kindern in den anderen 30 Tagen?“ Selbst wenn beide Elternteile auf gemeinsame Urlaubstage verzichten würden, blieben noch 10 Tage übrig.  Auf ein Schreiben der Unternehmerin an das Kultusministerium, man möge doch einmal über die Vereinbarung aus dem Jahr 1964 nachdenken um diese eventuell an moderne Verhältnisse anzupassen, erhielt sie die Antwort, dass dafür kein Bedarf bestünde. In ihrem Vortrag zeigte sich Volm darüber fassungslos: „Das ist ein augenscheinliches Beispiel wie schwer die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wirklich ist!“

 

Bei der von Der Mittelstand.BVMW initiierten Veranstaltung ging es aber auch darum Lösungsansätze aufzuzeigen. Dr. Landmann zeigte im Namen der Kontaktstelle Frau und Beruf Neckar-Alb ganz unterschiedliche Absprachemöglichkeiten zwischen den Eltern auf. Paare könnten beispielsweise im Hinblick auf eine Familiengründung vereinbaren, dass beide ihre Arbeitszeit auf 80% reduzieren und man sich die Familienarbeit teilt. In einer anderen Variante wird ein Rollenwechsel zwischen Verdiener und „Familienmensch“ nach einem bestimmten Zeitraum vereinbart. „Egal wie die Vereinbarungen aussehen sollen, die Kontaktstelle unterstützt hier bei der individuellen Gestaltung der Absprachen.“ so Landmann.

 

Nach den beiden Impulsvorträgen wurde in der Villa Eugenia bei einem kleinen Imbiss, der von der Firma i+M Zizmann gesponsert wurde, noch rege diskutiert und das Thema vertieft. Die Anwesenden waren sich einig, bei der Vereinbarkeit von beruflicher Verwirklichung beider Elternteile und Familie ist in unserem Land noch viel „Luft nach oben“. Dabei wurde die Notwendigkeit solcher Initiativen wie der Frauenwirtschaftstage unterstrichen um genau auf diese Themen aufmerksam zu machen. Christine Wolf, Organisatorin vom BVMW, fasste zusammen „Unser Land ist noch weit davon entfernt, dass Frauen (oder Elternpaare) gleichberechtigt am Wirtschaftsleben teilnehmen können.“