Familienunternehmen stärkt regionale Präsenz in der Metropolregion Rhein-Neckar und setzt nachhaltigen Wachstumskurs fort
Anja Knura, Geschäftsführerin der GOLDBECK SÜDWEST GmbH im Interview
Unternehmerinnen gestalten Wirtschaft, übernehmen Verantwortung und prägen die Zukunft des Mittelstands
Der Weltfrauentag ist Anlass, um die Rolle von Frauen in Wirtschaft und Gesellschaft besonders sichtbar zu machen. Gerade im Mittelstand übernehmen Unternehmerinnen und weibliche Führungskräfte immer häufiger zentrale Verantwortung, als Gestalterinnen von Unternehmen, als Arbeitgeberinnen und als Impulsgeberinnen für Innovation und Veränderung.
Mit der Initiative „Starke Frauen – Starker Mittelstand“ stellt Der Mittelstand. BVMW regelmäßig Unternehmerinnen und Führungspersönlichkeiten vor, die mit ihrem Engagement, ihrer Erfahrung und ihrem Mut neue Perspektiven eröffnen. Sie zeigen, wie vielfältig Führungswege sein können und welche Rolle Netzwerke, Unterstützung und persönliche Haltung auf dem Weg an die Spitze spielen.
Zum diesjährigen Weltfrauentag sprechen wir mit Anja Knura, Geschäftsführerin der GOLDBECK SÜDWEST GmbH. Im Interview berichtet sie über ihren Weg in die Führung, prägende Entscheidungen und darüber, warum Mut, Authentizität sowie ein starkes Netzwerk für Unternehmerinnen und Führungskräfte entscheidend sind.
Im Interview gibt sie Einblicke in ihre berufliche Entwicklung von der Architektin zur Geschäftsführerin, beschreibt Herausforderungen und Lernmomente auf ihrem Weg und erläutert, wie Unternehmen gezielt Female Empowerment fördern können. Gleichzeitig spricht sie über die Bedeutung verlässlicher politischer Rahmenbedingungen, die es Frauen ermöglichen, berufliche Verantwortung und private Verpflichtungen besser miteinander zu vereinbaren.
Wie sind Sie dazu gekommen, Unternehmerin/Führungskraft zu werden?
Ich bin Führungskraft geworden, weil ich über viele Jahre hinweg Verantwortung übernommen und meine Stärken konsequent weiterentwickelt habe. Über zehn Jahre war ich in verschiedenen Architekturbüros tätig und habe dort bereits verantwortungsvolle Führungsaufgaben übernommen. Vor 18 Jahren wechselte ich zu Goldbeck. Dort konnte ich meine Stärken – eigenverantwortliches Handeln, entschlossene Entscheidungen und wirksame Mitarbeiterführung – zunächst als Teamleiterin und später als Abteilungsleiterin einbringen. Mit jeder neuen Aufgabe bin ich gewachsen, bis hin zu meiner heutigen Rolle als Geschäftsführerin.
Wenn Sie in der Zeit zurückgehen könnten, würden Sie denselben Weg nochmal gehen? Oder würden Sie etwas anders machen.
Ja, ich würde meinen Weg genauso noch einmal gehen. Natürlich hätte manches auch anders laufen können – das gehört dazu. Aber ich sage immer: Gelegenheiten kommen, wie sie kommen. Nicht alles lässt sich beeinflussen, und genau darin liegen oft die besten Chancen.
Welche Entscheidung würden Sie für sich als Wegweisendste bezeichnen oder auch die, aus der Sie am meisten gelernt haben?
Die Entscheidung, Teamleiterin eines integralen Planungsteams zu werden, war für mich der entscheidende Schritt. In dieser Rolle konnte ich meine Fähigkeiten optimal einbringen. Man weiß nie im Voraus, ob man ein Team erfolgreich führen kann – wird man respektiert? Setzt man sich durch? In dieser Zeit habe ich gelernt, Verantwortung zu übernehmen, Themen strategisch voranzutreiben und aktiv mitzugestalten. Gleichzeitig habe ich starke Unterstützung erfahren: durch die Schulungsangebote der Goldbeck Academy und durch einen Vorgesetzten, der mich sowohl gefördert als auch gefordert hat.
Was war die größte Herausforderung, die Ihnen begegnet ist?
Eine der größten Herausforderungen war für mich, die richtige Flughöhe bei Projekten und Themen zu finden. Als Teamleiterin war ich es gewohnt, sehr nah an den Projekten und natürlich auch an den Mitarbeitenden zu sein. Mit wachsender Verantwortung verändert sich das – man kann nicht mehr alles im Detail beeinflussen. Diese Distanz auszuhalten und gleichzeitig wirksam zu bleiben, musste ich erst lernen.
Womit beschäftigen Sie sich derzeit besonders intensiv?
Im Moment konzentriere ich mich vor allem auf ein Schlüsselprojekt, das für uns ein wichtiges Aushängeschild werden wird. In der Endphase zählt jeder Schritt – es geht darum, das Team fokussiert zu halten und die hohen Anforderungen konsequent umzusetzen. Parallel beschäftigt mich die Marktsituation im Baugewerbe. In einem volatilen Umfeld ist die strategische Ausrichtung für die kommenden Jahre entscheidend. Wir setzen bewusst auf Wohnungsbau, Schulen und Projekte der öffentlichen Hand und stehen dazu im engen Austausch mit Architekturbüros sowie unseren Mittelstandskunden, um flexibel auf deren Bedürfnisse reagieren zu können.
Wodurch erfahren Sie besondere Wertschätzung für Ihre Arbeit?
Besondere Wertschätzung erfahre ich vor allem durch das ehrliche Feedback von Kolleginnen, Kollegen und Partnern. Es zeigt mir, dass wir trotz der Vielzahl an Themen auf dem richtigen Weg sind. Auch erfolgreiche Projekte und der wirtschaftliche Erfolg unserer Regionalgesellschaft sind für mich ein starkes Zeichen dafür, dass unsere Arbeit Wirkung zeigt.
Welche Botschaft möchten Sie frisch gebackenen Unternehmerinnen oder Gründerinnen/Führungskräften mitgeben?
Meine Botschaft an frisch gebackene Unternehmerinnen, Gründerinnen und Führungskräfte lautet: Seid mutig und bleibt motiviert. Lasst euch nicht verunsichern, wenn ihr Dinge anders angeht als eure männlichen Kollegen – das ist kein Nachteil, sondern oft eine Stärke. Geht euren Weg authentisch und auf eure eigene Art. Greift Chancen auf, wenn sie sich bieten, auch wenn ihr nicht zu hundert Prozent vorbereitet seid. Traut euch – 70 Prozent reichen oft völlig aus, um den nächsten Schritt zu gehen.
Mit welchen wesentlichen Maßnahmen fördern Sie in Ihrem Unternehmen gezielt Female Empowerment und geben Ihren Mitarbeiterinnen Rückenwind?
Wir fördern Female Empowerment bei uns im Unternehmen ganz bewusst und mit mehreren gezielten Maßnahmen. Dazu gehört GoldbeckWoman, unser internes Frauennetzwerk, das eine wertvolle Plattform für Austausch und Sichtbarkeit bietet. Außerdem versuche ich selbst als Role Model präsent zu sein und engagiere mich als Mentorin in unserem Tandemprogramm. Zusätzlich haben wir einen Frauen-‚Stammtisch‘ etabliert – einen geschützten Raum für offenen Austausch, gegenseitige Unterstützung und Empowerment im kleinen Kreis. Von der Politik erwarte ich hinsichtlich einer stärkeren Unterstützung von Unter nehmerinnen und der Entwicklung von Frauen in Unternehmen im Allgemeinen ... Von der Politik erwarte ich hinsichtlich einer stärkeren Unterstützung von Unternehmerinnen und der Entwicklung von Frauen in Unternehmen vor allem, dass stabile Rahmenbedingungen geschaffen werden, die berufliches Engagement und private Verantwortung wirklich vereinbar machen. Dazu gehören eine verlässliche und flächendeckend verfügbare Kinderbetreuung genauso wie Unterstützungsangebote für die Pflege von Angehörigen. Nur wenn diese Grundlagen stimmen, können Frauen ihre beruflichen Chancen wahrnehmen – und Unternehmen können auf ihr Potenzial bauen.
Welche Angebote des BVMW nutzen Sie regelmäßig und wofür?
Veranstaltungen in der Region, zukünftig Leaders Roundtable.
Welche Unterstützung wünschen Sie sich vom BVMW? Wie kann Sie der BVMW im Unternehmensalltag unterstützen?
Vom BVMW wünsche ich mir vor allem Unterstützung beim weiteren Ausbau unseres Netzwerks. Ein regelmäßiger Austausch über bauinteressierte Unternehmen wäre für uns sehr wertvoll. Außerdem fände ich es hilfreich, wenn der BVMW aktiv Firmen mit ähnlichen Interessen zusammenbringt – denn genau aus solchen Verbindungen entstehen oft neue Projekte und starke Partnerschaften.
Wer hat Sie am meisten inspiriert und warum?
Am meisten inspiriert hat mich Margarete Franke, eine Innenarchitektin und Künstlerin aus meinem Heimatort Gelsenkirchen. Ich durfte sie während meiner Schul- und Studienzeit eine Weile begleiten. Besonders beeindruckt hat mich ihr Mut: In den 1930er-Jahren hat sie – gegen den Willen ihres Vaters – eine handwerkliche Ausbildung absolviert und anschließend Innenarchitektur studiert. Sie hat ihren Weg kompromisslos verfolgt, sich sowohl in der Bauwelt als auch in der Kunstszene durchgesetzt und sich dort einen Namen gemacht. Ihre Entschlossenheit, ihre Kreativität und ihr Selbstverständnis als Frau in einer damals stark männlich geprägten Branche haben mich tief geprägt. Sie hat mich persönlich beraten, unterstützt und bestärkt – während meiner Schreinerausbildung genauso wie auf dem Weg in mein Architekturstudium.
Womit schaffen Sie in Ihrer Freizeit einen Ausgleich zu Ihrem Arbeitsalltag?
Sport (Joggen, Gravelbike und Golfen, Yoga) Malen und Handwerken.
Ein guter Tag beginnt für mich mit …
Joggen oder Yoga.
Wer war Ihre wichtigste Begleitung auf dem Weg in die Selbstständigkeit/zur Führungskraft?
Auf meinem Weg zur Führungskraft haben mich vor allem mein damaliger Vorgesetzter sowie enge Freundinnen und Freunde begleitet. Mein Vorgesetzter hat mich gefordert, gefördert und mir früh Verantwortung zugetraut. Gleichzeitig haben mir meine Freunde immer ehrliches Feedback gegeben und mich in wichtigen Entscheidungen bestärkt. Diese Kombination aus professioneller Unterstützung und privatem Rückhalt war für mich entscheidend.
Warum ist ein starkes Netzwerk für Unternehmerinnen/Führungskräfte besonders wichtig?
Ein starkes Netzwerk ist für Unternehmerinnen und Führungskräfte besonders wichtig, weil es den eigenen Horizont erweitert. Viele wertvolle Begegnungen entstehen durch Zufälle – und genau daraus entwickeln sich neue Perspektiven, Ideen und Lösungen. Ein gutes Netzwerk öffnet Türen, die man allein vielleicht gar nicht gesehen hätte.
Was macht Sie zu einer guten Chefin?
Ich glaube, eine gute Chefin macht aus, dass man zuhören kann, Entscheidungen trifft und dabei authentisch bleibt. Ich führe auf Augenhöhe und gehe Themen gerne gemeinsam an. Gleichzeitig kann ich klare Erwartungen formulieren, Punkte einfordern und – wenn es nötig ist – konsequent handeln und klare Kante zeigen. Diese Balance ist mir wichtig.
Am meisten begeistert mich an meinem Beruf…
Am meisten begeistert mich an meinem Beruf die enorme Vielfalt der Aufgaben – und vor allem der Moment, in dem unsere Bauvorhaben von der ersten Idee bis zur fertigen Umsetzung Realität werden. Genau das war für mich auch der Grund, Architektur zu studieren: etwas zu schaffen, das bleibt und für alle sichtbar ist. Wenn ich durch Städte fahre und sagen kann: Das haben wir gebaut. Dort habe ich die Fassade geplant. – dann erfüllt mich das jedes Mal aufs Neue mit Stolz.
Wie stehen Sie zum Thema Gendern?
Beim Thema Gendern versuche ich darauf zu achten, dass sich alle angesprochen fühlen. Gleichzeitig empfinde ich manche Formen des Genderns als übertrieben. Für mich ist wichtig, ein gesundes Maß zu finden – eines, das inklusiv wirkt, aber trotzdem natürlich bleibt.
Welchen Berufswunsch hatten Sie als Kind?
Ich wollte schon immer Architektin werden!