Hakan Ersu

Hakan Ersu

Themen

Unternehmertum
22.04.2026

Hakan Ersu

Der Gründer und Geschäftsführer der Ersu Consulting GmbH im Interview für die Initiative „Der Junge Mittelstand“.

Autor: BVMW Bundeszentrale

Wie sind Sie dazu gekommen, Unternehmer zu werden?

Unternehmertum war für mich nie ein klassischer Karriereweg, sondern eine Konsequenz aus meiner Lebenssituation. Ich bin nicht aus einer klassischen Unternehmerfamilie gekommen – im Gegenteil. Ich bin unter schwierigen Bedingungen aufgewachsen, mit wenig Perspektiven und frühen Herausforderungen wie der Tod meiner Mutter und die spätere Zeit im Kinderheim. Schon in jungen Jahren musste ich Verantwortung übernehmen – nicht, weil ich wollte, sondern weil ich musste.

Genau daraus ist mein unternehmerisches Denken entstanden. Ich habe früh verstanden, dass ich mein Leben selbst in die Hand nehmen muss. Mit 11 habe ich angefangen, erste digitale Projekte umzusetzen, mich mit Online-Marketing, Geschäftsmodellen und Skalierung zu beschäftigen. Unternehmertum war für mich nie ein „Nice-to-have“, sondern neben der Leidenschaft auch schließlich der Weg, Kontrolle über meine Zukunft zu bekommen.

Heute bin ich junger Serienunternehmer, Agenturinhaber und Investor – und unterstütze andere Selbstständige und Unternehmer dabei, genau diese Systeme aufzubauen.

Wenn Sie in der Zeit zurückgehen könnten, würden Sie denselben Weg nochmal gehen? Oder würden Sie etwas anders machen?

Ja, zu 100 Prozent. Auch wenn der Weg hart war und ich viele Fehler gemacht habe, würde ich nichts grundlegend ändern.

Rückblickend waren genau diese Fehler die wichtigsten Lektionen. Ich habe gelernt, dass Erfolg nicht daraus entsteht, alles richtig zu machen, sondern daraus, Verantwortung zu übernehmen, aus Fehlern zu lernen und weiterzugehen.

Wenn überhaupt, würde ich mir früher klar machen: Es geht nicht darum, alles alleine zu schaffen – sondern die richtigen Systeme, Prozesse und Menschen aufzubauen. Am Anfang habe ich versucht, alles selbst zu lösen. Ich habe Fehler gemacht, falsche Kunden angenommen und teilweise viel gearbeitet, ohne proportional zu verdienen.

Die wichtigste Erkenntnis war: Es geht nicht darum, härter zu arbeiten – sondern klarer zu denken und bessere Systeme aufzubauen.

Heute würde ich früher in Mentoren, Strukturen und Prozesse investieren.

Haben Sie im Gründungs- oder Übernahmeprozess in irgendeiner Form Unterstützung erhalten? Falls ja, welche Form der Unterstützung war besonders zentral?

Am Anfang tatsächlich kaum. Ich bin ohne Kapital, ohne Netzwerk und ohne unternehmerischen Background gestartet. Später habe ich mir bewusst Unterstützung gesucht – durch Mentoren, Netzwerke und unternehmerischen Austausch. Das war ein entscheidender Wendepunkt. Denn ich habe verstanden: Geschwindigkeit entsteht nicht durch mehr Arbeit, sondern durch bessere Entscheidungen – und die trifft man oft schneller mit den richtigen Impulsen von außen.

Welche Entscheidung würden Sie für sich als Wegweisendste bezeichnen oder auch die, aus der Sie am meisten gelernt haben?

Die wichtigste Entscheidung war, mich zu fokussieren. Ich habe selbst eine Phase gehabt, in der ich alles gleichzeitig gemacht habe – klassischer „Bauchladen“. Das hat Umsatz gebracht, aber keine Skalierung. Erst als ich mich klar positioniert habe, Zielgruppen definiert habe und Systeme aufgebaut habe, wurde Wachstum planbar. Das war der Wendepunkt. Ab dem Moment konnte ich Prozesse standardisieren, Angebote skalierbar machen, ein Team aufbauen und echte Systeme entwickeln. Diese Erkenntnis prägt auch meine Arbeit, weshalb ich genau dieses Wissen heute anderen weitergebe: Fokus ist der Anfang von Skalierung.

Was war die größte Herausforderung, die Ihnen begegnet ist?

Ganz klar: Struktur aufzubauen und Klarheit zu gewinnen. Nicht, um Umsatz zu machen – sondern Systeme zu entwickeln, die unabhängig funktionieren. Viele Selbstständige und Unternehmer verdienen Geld, aber hängen komplett in ihrem eigenen Business fest. Sie haben oft kein klares Angebot, keine klare Zielgruppe und keine strukturierte Kundengewinnung. Ich selbst war am Anfang auch in einer „Bauchladenphase“, habe alles angeboten und versucht, jedem gerecht zu werden.

Der Übergang vom „Ich arbeite im Business“ zu „Das Business arbeitet mit System“ war die größte Herausforderung – und gleichzeitig der größte Hebel. Erst durch klare Positionierung, Fokus und Systematisierung wurde echtes Wachstum möglich.

Wie gelingt Ihnen der Spagat zwischen Beruf, Familie und Freizeit? Welche Unterstützung wünschen Sie sich für eine bessere Vereinbarkeit?

Ich sehe das nicht als klassischen Spagat, sondern als bewusste Priorisierung.

In intensiven Phasen liegt der Fokus klar auf dem Unternehmen. Gleichzeitig ist mir wichtig, mir gezielt Zeit für Reflexion, Ruhe und Perspektivwechsel zu nehmen. Genau daraus entstehen oft die besten strategischen Entscheidungen.

Langfristig geht es nicht um Balance im klassischen Sinne – sondern um Kontrolle über die eigene Zeit.

Wie stehen Sie zum Thema Jobsharing oder Tandem als Lösung für eine bessere Vereinbarkeit?

Ich halte Jobsharing oder Tandem-Modelle grundsätzlich für sehr sinnvoll – vor allem in größeren Organisationen oder in Rollen, die stark operativ geprägt sind. Sie können helfen, Verantwortung auf mehrere Schultern zu verteilen und gleichzeitig die Qualität hochzuhalten.

Aus unternehmerischer Sicht ist für mich aber entscheidend, dass Klarheit in Verantwortlichkeiten besteht. Zwei Personen auf einer Position funktionieren nur dann, wenn Rollen, Erwartungen und Entscheidungswege sauber definiert sind. Sonst entsteht schnell Reibungsverlust statt Entlastung.

Ich glaube deshalb: Das Modell kann sehr gut funktionieren – aber nur in Verbindung mit klaren Prozessen, klarer Kommunikation und einer starken Struktur. Genau diese Themen sind ja auch im Unternehmertum insgesamt entscheidend.

Womit beschäftigen Sie sich derzeit besonders intensiv?

Aktuell sehr stark mit dem Thema Systematisierung auf einem neuen Level: KI-gestützte Prozesse und digitale Infrastrukturen, Automatisierung von Leadgenerierung und Vertrieb, skalierbare SaaS-Modelle und CRM-Lösungen sowie die Weiterentwicklung unserer eigenen Systeme für B2B-Unternehmen .

Mich interessiert besonders, wie man Unternehmen so aufbauen kann, dass sie unabhängig vom Inhaber funktionieren und gleichzeitig flexibel bleiben.

Wodurch erfahren Sie besondere Wertschätzung für Ihre Arbeit?

Durch Ergebnisse. Wenn Kunden berichten, dass sie nicht nur mehr Umsatz machen, sondern endlich Klarheit haben, skalierbare Prozesse im Marketing und Vertrieb etabliert haben, bessere Entscheidungen treffen und ihr Unternehmen wirklich im Griff haben, ist das für mich die größte Form der Wertschätzung.

Ich bin überzeugt, dass es vor allem an der Kombination aus mehreren Faktoren liegt: meine Praxisnähe als Unternehmer und Agenturinhaber, die Fähigkeit, Komplexität auf das Wesentliche zu reduzieren, ein hoher Anspruch an Verantwortung für konkrete Ergebnisse sowie ein klarer Fokus auf Umsetzung statt reinem Wissen.

Darüber hinaus prägt auch meine Arbeitsweise die Zusammenarbeit: Ich arbeite ruhig, strukturiert und konsequent lösungsorientiert – ohne unnötige Lautstärke, aber mit klarem Anspruch an Qualität und Ergebnis.

Welche Botschaft möchten Sie frisch gebackenen jungen Unternehmerinnen und Unternehmern mitgeben?

Erfolg beginnt nicht mit Kapital – sondern mit Klarheit. Viele machen den Fehler, alles gleichzeitig zu machen, direkt in Marketing oder Vertrieb zu springen, ohne ein klares Angebot oder eine klare Positionierung zu haben. Ohne Struktur ist alles andere nur Zufall.

Der Schlüssel liegt darin, eine klare Zielgruppe zu definieren, ein starkes Angebot zu entwickeln und Systeme aufzubauen.

Und: Lasst euch nicht von lauten Versprechen blenden. Der Markt ist voll von Marktschreiern. Substanz schlägt schließlich jede Show langfristig.

Mit welchen wesentlichen Maßnahmen fördern Sie in Ihrem Unternehmen gezielt junges Unternehmertum oder geben Young Professionals Rückenwind?

Durch praxisnahe 1:1-Begleitung. Ich arbeite bewusst eng mit auch jungen Unternehmern zusammen, gebe Einblicke in echte Prozesse, lasse sie verstehen, wie Systeme funktionieren und wie man Entscheidungen trifft.

Es geht nicht darum, Wissen zu vermitteln – sondern um unternehmerisches Denken. Wenn Unternehmer schließlich klarer denken, bessere Entscheidungen treffen, ihr Business strukturieren und wachsen, dann hat das direkte Auswirkungen auf ihr Leben, ihr Umfeld und ihr Unternehmen.

Das ist für mich der größte Antrieb, besonders mit unserer Unternehmensberatung, der Ersu Consulting GmbH.

Von der Politik erwarte ich hinsichtlich einer stärkeren Unterstützung von jungen Unternehmerinnen, Unternehmern und Young Professionals im Allgemeinen…

… weniger Bürokratie und mehr unternehmerische Realität. Gerade junge Menschen haben oft die Fähigkeit und den Willen, etwas zu bewegen. Viele Prozesse und Strukturen sind jedoch unnötig kompliziert und bremsen gerade junge Unternehmer:innen und Gründer:innen aus.

Gleichzeitig braucht es weniger Hürden, sondern mehr Förderung von Digitalisierung, Unternehmertum und praktischer Umsetzungskompetenz.

Was hat Sie am meisten überrascht als Unternehmer?

Wie viele Unternehmen ohne klare Struktur funktionieren – und wie viel Potenzial dadurch verloren geht, bspw. aufgrund fehlender Vertriebsprozesse. Viele hoffen auf Empfehlungen oder Zufall, aber ohne systematische Kundengewinnung ist Wachstum nicht planbar.

Vertrieb ist kein „nice to have“ – sondern das Fundament, auf dem sich alles aufbaut.

Nutzen Sie KI in Ihrem Unternehmen?

Ja, intensiv. Vor allem in den Bereichen Analyse, Content, Automatisierung und Prozessoptimierung. Aber immer als Werkzeug – nicht als Ersatz für Strategie. Wir haben auch eine eigene KI-Software namens Scale-Flow.io entwickelt.

Warum ist ein starkes Netzwerk wichtig?

Weil Geschwindigkeit durch Austausch entsteht. Viele Probleme hat jemand anderes bereits gelöst. Ein gutes Netzwerk verkürzt Lernkurven massiv.

Ich sage deshalb immer so schön: „Dein Netzwerk ist deine stärkste Währung und kann einen riesen Hebeleffekt haben, wenn man es richtig nutzt!”

Was macht Sie zu einem guten Unternehmer?

Ich denke in Systemen. Ich versuche, Dinge nicht nur zu lösen, sondern so aufzubauen, dass sie dauerhaft funktionieren und reproduzierbar sind. Ich komme nämlich selbst aus der Praxis. Ich bin nicht nur Berater, sondern auch Agenturinhaber, Serienunternehmer und Investor. Das bedeutet: Ich kenne die Herausforderungen nicht aus Büchern, sondern aus eigener Erfahrung.

Zusätzlich verfolgen wir einen klaren Ansatz: keine leeren Versprechen, keine „schnell reich“-Strategien – sondern praxiserprobte Systeme, die auch nachweislich funktionieren.

Wir arbeiten stark im 1:1 und begleiten Kunden in der Umsetzung – nicht nur in der Theorie.

Was möchten Sie langfristig erreichen?

Langfristig verfolge ich primär mit der Ersu Group sowie der Ersu Consulting GmbH das Ziel, den Mittelstand durch strukturierte Vertriebs- und Marketingprozesse zukunftsfähig zu machen und digital aufzustellen. Dabei geht es mir nicht nur um Wachstum, sondern auch um Stabilität, Effizienz und unternehmerische Freiheit.

Außerdem möchte ich die Art und Weise verändern, wie Unternehmen im B2B-Markt wachsen: weg von improvisierten Einzelmaßnahmen, weg von operativem Dauerstress und weg von austauschbaren Beratungsmodellen und Chaos. Hin zu klaren Strukturen, echter Professionalität, wiederholbaren Prozessen, messbaren Ergebnissen, skalierbaren Systemen und effizienter Digitalisierung.

Ich bin überzeugt: Erfolg darf kein Zufall sein. Er muss das Ergebnis klarer Systeme, praxiserprobter Wettbewerbsstrategien sowie konsequenter Umsetzung und Disziplin sein, um nachhaltige Skalierung zu ermöglichen.

Hakan Ersu

  • Jahrgang: 2001
  • Berufsabschluss: Unternehmerische Laufbahn mit Schwerpunkt Online-Marketing, Vertrieb und Unternehmensentwicklung
  • Position: Gründer & Geschäftsführer der Ersu Consulting GmbH / Unternehmer der Ersu Group
  • Unternehmer:in seit 2014 
  • Auf LinkedIn vernetzen: https://www.linkedin.com/in/hakan-ersu-912027204/

Infos zum Unternehmen

Ersu Consulting GmbH
https://www.hakanersu.de

  • Gründungsjahr: 2020
  • Branche: B2B-Unternehmensberatung, Online-Marketing, Vertriebssysteme & digitale Skalierung
  • Firmensitz: Hannover, Niedersachsen
  • Mitarbeitende: Unternehmen mit wachsendem Team und externen Spezialisten
  • Mitgliedschaft in BVMW-Gremien: Beratungsnetzwerk Mittelstand: zertifizierter Mittelstandsberater und Engagement im Kompetenzforum Sales & Marketing

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